Zu schwer: Bremer Schüler protestieren gegen Mathe-Abitur

  • Schüler in Bremen protestieren gegen Abi-Klausur in Mathematik
  • Aufgaben sollen zu schwer und zeitlich nicht zu schaffen gewesen sein
  • Bremer starten Online-Petition – Schüler in anderen Bundesländern auch
Ein teilnehmender Schüler des Protest am Mathe-Abi.
Bild: Importer

Wegen einer angeblich zu schweren Abitur-Klausur in Mathematik haben Schüler und Schülerinnen in Bremen eine Online-Petition gestartet. Die Aufgaben hätten am vergangenen Freitag blankes Entsetzen bei den Prüflingen ausgelöst, sagte der Vater einer Schülerin buten un binnen. Demnach sei niemand den Prüfungsfragen gewachsen gewesen, auch nicht die Kursbesten in Mathematik.

Von solchen Schwierigkeiten berichtet auch Jil. Sie ist Abiturientin am Kippenberg-Gymnasium in Bremen und erzählt, dass sie komplett überfordert war – und das, obwohl sie sich sehr intensiv auf ihre Mathe-Abiprüfung vorbereitet hat. "Ich habe mich wirklich sehr gut vorbereitet gefühlt in Mathe. Das war bis vergangenen Freitag die Prüfung, vor der ich mich am sichersten gefühlt habe", sagt Jil. In ihrer Vorabiklausur habe sie 12 Punkte geschrieben – jetzt rechne sie maximal mit vier Punkten.

Diese Aufgaben wichen zu 80 Prozent von den Formulierungen ab, die wir kannten. Ich habe vielleicht 20 Prozent bekannte Aufgaben gesehen. [...] Die restlichen 80 Prozent waren Aufgaben, die ich teilweise mehrmals lesen musste, um zu verstehen, was ich machen muss. Das war ein Schock.

Jil, Abiturientin am Kippenberg-Gymnasium

So sei es auch mehreren Mitschülern gegangen. Besonders knapp sei die Zeit gewesen. Selbst die Mathelehrer hätten laut der Schülerin nicht mit dem Anforderungsniveau gerechnet. "Für uns ist das eine herbe Niederlage und wahrscheinlich eine ziemlich schlechte Note für unser Abitur", so Jil weiter.

Der Grund für den Schwierigkeitsgrad sorgt für Empörung

Für Empörung sorgt nun vor allem der mutmaßliche Grund für den überraschenden Schwierigkeitsgrad der Klausur: Die Aufgaben sollen dieses Jahr bundesweit auf ein einheitliches Anforderungsniveau gebracht worden sein. Doch sei der Unterricht in Bremen dagegen nicht entsprechend angepasst worden, um das Niveau auch erreichen zu können. In der Online-Petition heißt es wörtlich:

Die Inhalte des Unterrichts wurden an den Bremer Schulen nicht ausreichend an das Niveau der diesjährigen Abiturklausuren angepasst, was für die betroffenen Schüler/innen eine Ungerechtigkeit darstellt.

Karl Könecke, Initiator Online-Petition gegen Mathe-Abiturklausur 2019

Jetzt wehren sich die Schüler gegen die Mathe-Prüfung. 2.300 Menschen haben die Online-Petition bis Montagmorgen unterzeichnet. Dort bitten die Schüler um eine Stellungnahme der Bremer Bildungsbehörde und um eine faire Lösung.

Bildungssenatorin will prüfen lassen, ob Aufgaben Lehrplan entsprechen

Die hat auf Anfrage von buten un binnen bereits reagiert. Man wolle den Sachverhalt schnell prüfen, hieß es aus dem Bildungsressort.

Wir müssen gucken, wie wir im Interesse der Abiturientinnen und Abiturienten reagieren können. Dafür muss aber erstmal geklärt werden: Ist der Sachverhalt so überhaupt richtig oder haben wir es vielleicht nur mit einer Aufregung zu tun, die dem gar nicht entspricht?

Claudia Bogedan (SPD), Bremer Bildungssenatorin

Bildungssenatorin Bogedan verwies darauf, dass es seit 2017 einen gemeinsamen Abituraufgaben-Pool der Bundesländer gebe. Das bedeute auch, dass sich Bremen mit den anderen Bundesländern abstimmen müsse. Es werde eine gewisse Zeit benötigen, bis man sich einen Überblick darüber verschafft habe, welche Aufgaben an welcher Schule vorgegeben wurden und zu prüfen, ob dies den Lehrplänen entspreche.

GEW-Sprecher: Bewertungskriterien anpassen

Laut Christian Gloede, Landesvorstandssprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Bremen, gebe es offensichtlich eine Diskrepanz zwischen den fachlichen Erwartungen und dem, was realistisch mit den Lehr- und Lernbedingungen an den Schulen zu leisten sei. "Das war nicht hingepaukt zu bekommen", sagte Gloede im Gespräch mit buten un binnen. Man müsse sich allgemein anschauen, wie die Rahmenbedingungen an den Schulen sind, damit Schüler und Lehrer besser auf die gestellten Aufgaben hinarbeiten könnten.

Das Zentralabitur sieht der Gewerkschafter kritisch. "Man muss sich fragen, was für einen Wert ein solcher Vergleich hat ­- bei 16 verschiedenen Ländern, die unterschiedliche Standards haben." Gloedes Appell für den Umgang mit der aktuellen Situation: Die Lehrer sollten wohlwollend mit den Schülern umgehen, denn anscheinend seien die Vorbereitungen unzureichend gewesen. Seiner Ansicht nach sollte nicht die Prüfung wiederholt, sondern es sollten die Bewertungskriterien angepasst werden.

Auch Niedersachsen, Saarland und Bayern protestieren

Gegen die Abitur-Klausur in Mathematik wehren sich auch Schüler in Niedersachsen. Dort unterstützen mehr als 10.000 Menschen (Stand: Montagmorgen) eine Online-Petition. Weitere Petitionen haben Schüler in Hamburg, im Saarland, in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern gestartet. In Bayern hat der Kultusminister bereits reagiert und angekündigt, die Aufgaben zu überprüfen, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) schreibt.

Die Klausuren für die Schüler in den verschiedenen Bundesländern waren nicht identisch. Grund für die vielen Beschwerden könnten zentral vorgegebene Aufgaben in den Abiturprüfungen der Länder sein. Fast alle Bundesländer setzen diese neben eigenen Fragestellungen ein.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 5. Mai 2019, 21 Uhr