Einmal pflanzen, immer ernten: Winkelsetter Essgarten sucht Nachfolger

Frits Deemter erfüllte sich bei Wildeshausen einen Traum: Er kultiviert seit 27 Jahren 1.200 essbare Gehölze. Jetzt will er einen Neuanfang – und seinen Hof verkaufen.

Video vom 7. Mai 2021
Ein grüner bewachsener Weg in der Natur mit Bäumen und Büschen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen | Sophie Schwarz

Ein Garten bedeutet Arbeit. Ein großer Garten bedeutet richtig viel Arbeit. Stimmt nicht – meint jedenfalls Frits Deemter. Vor 27 Jahren machte der gebürtige Holländer seinen Traum wahr und zog von Bremen aufs Land. In Winkelsett bei Wildeshausen (Landkreis Oldenburg) pflanzte er Bäume, setzte Sträucher und hegte und pflegte Stauden. Was für manch einen nach Rückenschmerzen, dreckigen Händen und wenig Zeit für andere Dinge klingt, ist für Deemter zum Lebenswerk geworden.

Ein Zwicken im Rücken gibt es hier nur, wenn man sich zu sehr nach den leckeren Früchten reckt.

Frits Deemter

Corona-Sorgen im Gartenparadies

Nach dem Motto "einmal pflanzen, immer ernten" wuchs sein Essgarten heran. Rund 1.200 Pflanzen hat der Hobbygärtner dort auf 2,5 Hektar zusammengetragen. Darunter sind viele Exoten wie Japanischer Rosinenbaum, Indianerbanane oder chinesischer Gemüsebaum.

Gewäschshaus-Orangerie in eimem Garten in Harpstedt
Eine gläserne Orangerie gehört auch zum "Essgarten". Bild: Radio Bremen | Sophie Schwarz

Dass ihm und seiner Frau Gisela all die Gewächse nicht über den Kopf gewachsen sind, ist dem Prinzip der ökologischen Permakultur zu verdanken. Deemter hat einen Waldgarten angelegt, in dem Obstbäume, Beerensträucher, Kräuter und Gemüse miteinander harmonieren und sich langfristig selbst regulieren. "Ein Zwicken im Rücken gibt es hier nur, wenn man sich zu sehr nach den leckeren Früchten reckt", sagt der Winkelsetter.

Mehrmals im Monat ließ das Paar Gäste ihre Gewächse verköstigen, die sonst auf keinen Speisekarten zu finden sind. Auf den Tellern landeten Blätter, Blüten, Stengel oder auch mal Baumrinde. "Es lief gut", sagen die Deemters.

Vor Kurzem hatten sie sogar noch in eine gläserne Orangerie investiert. Doch dann kam Corona und mit den Pandemie-Einschränkungen schlängelten sich Sorgen ins grüne Gartenparadies. "90 Prozent aller Veranstaltungen wie Hochzeiten und Gourmetabende wurden abgesagt", sagt Frits Deemter.

Auch auf Mallorca kann man Pflanzen essen

Im Januar schmiedeten der gelernte Physiotherapeut und seine Frau dann ihren Plan B. Nach fast 30 Jahren "Essgarten" wollen sie Deutschland hinter sich lassen. Auf Mallorca nochmal von vorn beginnen. Im Gepäck ihr Wissen wie man ohne Chemie und schwere Maschinen auf trockenen Böden reich ernten kann. In der Gemeinde Porreres soll ihr "Essgarten 2" entstehen.

Wir wollen nicht länger mit angezogener Handbremse weitermachen, wir sind Macher.

Frits Deemter

Auf dem neuen Grundstück mit Finca will das Paar Fortbildungen zum Thema "Waldgarten" anbieten und hofft, dass sich dann trotz Corona, die Auftragsbücher wieder füllen.

Grüner Daumen gesucht

Jetzt wird ein Nachfolger für den "Essgarten" samt Fachwerkhaus und Orangerie bei Wildeshausen gesucht. "Schön wäre es, wenn es an jemanden geht, der zu schätzen weiß, was wir hier geschaffen haben", sagte Deemter. Denn einige seiner Schätze wie die "Indianerbanane" muss er zurücklassen. Sie würde das Klima auf Mallorca nicht vertragen.

Autorin

  • Sophie Schwarz

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Mai 2021, 19:30 Uhr