Kunstfell oder Katze: Mit der "Pelz-Polizei" in Bremen auf Streife

Wie sicher sind Sie, dass der Kragen an Ihrem neuen Mantel Kunstfaser und kein Echtpelz ist? Tierschützer verraten, woran man eindeutig den Unterschied erkennen kann.

Pelz

Jedes Jahr sterben 100 Millionen Tiere wie Hunde und Katzen, Marderhunde und Waschbären, um als Pelz-Accessoires zu enden. An Jacken, Mützen oder Schals ziert das Tierfell seine Träger – oft auch ohne, dass die davon wissen. Dabei ist Kunstfell von echtem auch für Laien gut zu unterscheiden, sagen die zwei selbsternannten "Pelz-Ermittler", die auf dem Bremer Marktplatz "auf Streife" waren. Die beiden Aktivistinnen vom Deutschen Tierschutzbüro e.V. aus Berlin wollen für das Thema sensibilisieren.

Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie schlimm es den Tieren in sogenannten Pelz-Farmen geht und wie die Tiere leiden müssen, damit wir ein modisches Accessoire an unserer Jacke oder an unserer Mütze hängen haben.

Frau schaut in die Kamera
Simone Sommerfeld, Pelz-Ermittlerin

Was Echtpelz oder Kunstfaser ist, ist auf den ersten Blick nicht ganz einfach zu erkennen. Aber mit drei einfachen Tricks kann man feststellen, ob der flauschige Kragen oder der Mützenbommel nicht vielleicht doch unerwartet aus Echtpelz besteht. Die Beschaffenheit der Haare und des Untergrunds verrät, ob das Material von einem Tier stammt.

"Der Verbraucher tappt im Dunkeln"

Wer meint, der Preis wäre ein Indiz auf die Herkunft, irrt: Bei einem billigen Mantel mit Pelzkragen ist nicht auszuschließen, dass es sich bei dem Fell um Echtpelz handelt. Kunstpelz ist häufig sogar teurer als echter. Das Etikett gibt oft keine ausreichende Auskunft darüber, sodass viele Verbraucher Pelz tragen, ohne davon zu wissen, sagt Julia Weibel vom Deutschen Tierschutzbüro.

Der Verbraucher tappt im Dunkeln und kann sich auch gar nicht richtig informieren. Weder über die Haltungsbedingungen, noch darüber, welches Tier da eigentlich verarbeitet ist.

Frau lächelt in die Kamera
Julia Weibel, Pelz-Ermittlerin

Ein großes Problem sei die mangelhafte Deklarationspflicht in Deutschland, sagen die "Pelz-Ermittlerinnen". Die Textilien müssen erst entsprechend gekennzeichnet werden, wenn mindestens 20 Prozent des Materials "nichttextil" ist. Findet man die Kennzeichnung "nichttextile Teile tierischen Ursprungs", weiß man aber nach wie vor nicht, auf welche Teile der Jacke sich das bezieht – ob auf den Pelzkragen, die Knöpfe oder eventuell die Daunenfüllung. Und auch der Verkäufer kann darüber meisten keine Aukunft geben.

Hand hält Pelz-Schal mit Etikett in die Kamera
Das Etikett behauptet "100 Prozent Akryl" – der Fell-Test der Pelz-Polizei hat das Gegenteil bewiesen.

Wir sagen: Als Verbraucher am besten auf Echtpelz und auch auf Kunstpelz verzichten. Dann ist man zu hundert Prozent auf der sicheren Seite und kann davon ausgehen, dass man kein Tierleid mit seiner Kleidung unterstützt.

Frau schaut in die Kamera
Sabine Sommerfeld, Pelz-Ermittlerin
  • Sophie Labitzke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 17. Januar 2018, 23:30 Uhr