Palliativmedizin in Bremen: gut aufgestellt für Sterbenskranke?

Im Land Bremen stehen 38 Betten auf Palliativstationen und in Hospizen für Sterbende zur Verfügung. Das ist zwar unterdurchschnittlich, doch weitere sind geplant.

Ein Mann sitzt in im Palliativzentrum auf dem Bett und schaut aus dem Fenster
Auf einer Palliativstation und im Hospiz werden Patienten versorgt, die nicht mehr gesund werden und bald sterben (Symbolbild). Bild: Imago | EPD

Fast 8.000 Menschen sterben jedes Jahr im Bundesland Bremen. Einige von ihnen werden am Ende ihres Lebens auf einer Palliativstation gepflegt. Hier soll ihr Leiden so weit gelindert werden, dass sie keine Schmerzen haben – in vielen Fällen bedeutet das, dass die Patienten Morphium bekommen.

Die Palliativstation am Klinikum Links der Weser von außen
In der Palliativstation am Klinikum Links der Weser können die Krankenhausbetten nach draußen geschoben werden. Bild: Gesundheit Nord

Wer dann gut eingestellt ist mit Medikamenten, kann zum Sterben nach Hause gehen und wird dort von ambulanten Palliativteams betreut. Andere kommen von der Palliativstation ins Hospiz und verbringen ihre letzten Tage dort. Das Ziel: Die letzten Tage oder Wochen so angenehm wie möglich zu gestalten für die Sterbenden und ihre Angehörigen.

Bremen liegt leicht unter dem Schnitt

Bundesweit stehen in Deutschland hochgerechnet pro eine Million Einwohner 57 Betten in Hospizen oder auf Palliativstationen zur Verfügung. In Bremen sind es hochgerechnet 56. "Die Versorgung hat sich verbessert", sagt Friedhelm Pielage, Geschäftsführer des Hospiz- und Palliativverbands Bremen. Er begrüßt es vor allem, dass auch in Bremerhaven demnächst das erste Hospiz entstehen soll. Auch in Bremen sind zwei bis drei weitere Projekte geplant.

Angehörige wollen Sterbende gerne nah bei sich haben. Deshalb sind verschiedene Standorte wünschenswert.

Friedhelm Pielage, Geschäftsführer Hospiz- und Palliativverband Bremen

Schwierig sei allerdings, genügend Personal für die Stationen zu bekommen, so Pielage. Viele Pflegekräfte schätzten zwar den höheren Personalschlüssel und das ruhigere Arbeiten. Doch auch für Hospize sei es mittlerweile schwieriger geworden, offene Stellen zu besetzen. "Manchmal müssen deshalb Betten gesperrt werden", sagt Pielage.

Palliative Pflege im Heim soll besser werden

Bis zur Vollversorgung ist noch einiges zu tun. Internationale Experten empfehlen 80 bis 100 Betten auf Palliativstationen und in Hospizen pro eine Million Einwohner. Trotzdem: Die eigentliche Aufgabe sieht Pielage an anderer Stelle: "Die größte Herausforderung ist die Versorgung der Menschen in den Pflegeeinrichtungen", so der Geschäftsführer des Hospiz- und Palliativverbands Bremen. Denn Menschen, die nicht lebensverkürzend erkrankt sind, sondern schlicht alt, gehen zum Sterben nicht ins Hospiz.

In der Theorie sollten Pflegekräfte im Heim Sterbende ähnlich versorgen können wie im Hospiz. Doch in der Praxis seien die Heime unterbesetzt und zu wenig Pflegekräfte mit einer palliativen Ausbildung vorhanden. Ein Hospiz bekomme rund 10.000 Euro pro Patient und Monat, rechnet Heiner Melching von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin vor. Im Heim seien es lediglich gut 2.000 Euro – die Pflegekräfte aber sollten das Gleiche leisten.

Da etabliert sich ein Sterben erster und zweiter Klasse.

Heiner Melching, Geschäftsführer Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin

Auch für Melching hat die palliative Pflege in Heimen deshalb Prioriät in den nächsten Jahren. Zusätzlich wünscht er sich mehr mobile Teams, die auf verschiedenen Stationen im Krankenhaus eingesetzt werden können.

Viele Ehrenamtliche sind in Bremen aktiv

Im Schnitt überdurchschnittlich versorgt ist Bremen mit ehrenamtlichen Helfern. Die verschiedenen ambulanten Hospizdienste begleiten Sterbende und ihre Angehörigen emotional und leisten eine psycho-soziale Betreuung. Es gehe darum, ins Gespräch zu kommen, sagt Christian Woiwode vom Verein Hospiz Horn, es müsse nicht immer ums Sterben gehen.

Eine Freiwillige spielt Karten mit zwei Mädchen
Eine Freiwillige spielt Karten mit einer Patientin des Kinderhospizes Löwenherz und ihrer Schwester. Bild: Kinderhospiz Löwenherz

Der weltweite Hospiztag an diesem Samstag wirbt dieses Jahr um ein "bunteres Ehrenamt Hospiz". Jüngere Menschen und Menschen mit Migrationserfahrung sollen für die Arbeit als Ehrenamtliche angesprochen werden. Denn noch sind es vor allem Frauen mittleren Alters, die sich um Sterbende kümmern. Heiner Melching kann sich vorstellen, dass mehr kulturelle Vielfalt für Betroffene hilfreich wäre.

  • Sarah Kumpf

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 14. Oktober 2019, 23:30 Uhr