4 Antworten zu Obdachlosigkeit in Bremen

Das Leben auf der Straße ist rau. Zum Tag der Wohnungslosen erklären wir, warum es oft so schwer ist, eine Wohnung zu finden und wo man im Warmen schlafen kann.

Ein Mensch liegt zusammengekauert auf der Straße.
Obdachlosigkeit ist in Bremen ein wachsendes Problem. Bild: Imago | Emmanuele Contini
Wie viele Obdachlose gibt es in Bremen?
Eine offizielle Statistik über Wohnungslose gibt es in Deutschland nicht. Schätzungen zufolge leben in Bremen derzeit zwischen 500 und 600 Obdachlose. Diese Zahl wird sich nach Aussage von Bertold Reetz, Leiter der Wohnungslosenhilfe bei der Inneren Mission Bremen, aber voraussichtlich noch erhöhen. Wenn einer Stadt nicht genügend eigene Plätze zur Verfügung stehen, um alle Menschen in Notlage unterzubringen, kann sie Schlafplätze anmieten, zum Beispiel in Hotels oder Pensionen. Reetz hat festgestellt, dass in den vergangenen Jahren wesentlich mehr Menschen behelfsmäßig in Bremer Hotels untergebracht werden: "Früher waren es um die 100, mittlerweile sind es gibt es 300 bis 400 Plätze."
Wie viele Menschen können in den Notunterkünften schlafen?
Für obdachlose Männer stehen am Rembertiring und in der Notschlafstelle Auf der Brake insgesamt 78 Plätze zur Verfügung. Frauen können in der Einrichtung an der Abbentorstraße übernachten, dort gibt es laut Reetz 17 Plätze. Weitere Schlafplätze stehen in Unterkünften für drogenabhängige Obdachlose bereit. Eine von beiden befindet sich an der Ahlringstraße, die andere an der Oberneulander Landstraße. Beide sind für Männer und Frauen offen.
Wie ist die Situation im Vergleich zu anderen Großstädten?
"In der Vergangenheit stand Bremen immer ganz gut da, zumal es keine Metropole ist wie Hamburg oder Berlin", sagt Bertold Reetz. In Berlin sollen Schätzungen zufolge tausende Menschen auf der Straße leben. Nach Reetz' Einschätzung ist die Lage für Obdachlose in der Hansestadt immer noch besser als beispielsweise in Hannover. Doch es wird auch in Bremen schwieriger. Wer einmal obdachlos geworden ist, habe kaum Chancen, wieder eine Wohnung zu bekommen, so Reetz. Es gebe zu wenig günstige Single-Wohnungen. "Bremen sollte Geld in die Hand nehmen und gezielt bauen oder zumindest leerstehende Containersiedlungen für Obdachlose zugänglich machen."
Welche Anlaufstellen gibt es?
Tagsüber können sich Obdachlose im Café Papagei, Auf der Brake 2, aufhalten. Dort gibt es neben günstigem Essen und Getränken auch die Möglichkeit zu duschen und die Kleider zu wechseln. Frauen steht der Treff Frauenzimmer an der Abbentorstraße 5 offen. Neben günstigem Essen gibt es dort Duschmöglichkeiten. Außerdem können die Frauen dort Wäsche waschen, telefonieren oder den Internetzugang nutzen. Auch die Bahnhofsmission und der Verein Hoppenbank bieten Aufenthaltsräume und Verpflegung an. An vier Tagen in der Woche hält abends der Kältebus der Johanniter am Bremer Hauptbahnhof. Die Helfer bieten eine warme Mahlzeit an und bei Bedarf auch Schlafsäcke oder warme Kleidung.
  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. September 2017, 19:30 Uhr