So greift man im Ruhrgebiet bei der Nordwestbahn durch

Frust bei Zugreisenden in Bremen: Die Ausfälle bei der Nordwestbahn zehren an den Nerven. Das Unternehmen fährt auch in NRW – dort hagelte es bereits eine Abmahnung.

Zu sehen ist die NordWestBahn.

Mittwochnachmittag am Hauptbahnhof Essen: Die Sonne donnert vom Himmel bei 36 Grad Celsius. Bei dem Wetter will niemand in einem Zug sitzen, in dem die Klimaanlage ausgefallen ist. Doch genau das tun die Fahrgäste der Nordwestbahn, die darauf warten, dass der RE14 nach Borken abfährt.

Als der Lokführer das Problem nicht in den Griff kriegt, heißt es zunächst: fünf Minuten Verspätung. Dann zehn Minuten. Dann 30 Minuten. Und dann fällt der Zug ganz aus. Schwitzende, fluchende Menschen steigen aus. Sie hetzen zum nächsten Gleis, Kopfschütteln, es fallen Sätze, die nicht zitierfähig sind.

Verkehrsverbund mahnt Nordwestbahn und Deutsche Bahn ab

Der zuständige Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) kennt solche Fälle. Deshalb hat der VRR die Nordwestbahn (NWB) im Januar 2019 abgemahnt, erklärt die VRR-Pressesprecherin Sabine Tkatzik.

Die Abmahnung war ein deutlicher Fingerzeig. Wir stellten fest, dass die Qualität immer schlechter wurde. Deshalb haben wir zu diesem Mittel gegriffen.

Sabine Tkatzik, Verkehrsverbund Rhein Ruhr

Eine Abmahnung ist nicht gerade gängige Praxis unter Vertragspartnern, die auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit angewiesen sind. Doch der VRR sah Anfang 2019 keine andere Möglichkeit, nachdem in den Vormonaten häufig Züge der Nordwestbahn ausfielen.

Auch die Deutsche Bahn (DB) bekam eine Abmahnung vom VRR. Die Begründung war dieselbe: Unzuverlässigkeit. Seitdem hat die DB technisch nachgerüstet, die Züge fahren häufiger.

Nordwestbahn muss externen Berater beauftragen

Bei der NWB ist das nicht so einfach: Wie kaum ein anderes Unternehmen ist sie vom Lokführermangel betroffen. Und das obwohl Lokführer durch Tarifverträge überall ähnlich viel verdienen. Gewerkschaftler geben zum Beispiel zuverlässigere Dienstpläne bei anderen Unternehmen als Grund an. Daher sei der Mangel bei der NWB besonders groß.

Der Verkehrsverbund Rhein Ruhr hat die Nordwestbahn auch nicht nur abgemahnt. Er hat dem Schreiben auch gleich noch ein paar Forderungen beigefügt: Zum Beispiel musste die NWB einen externen Berater beauftragen, der betriebliche Schwachstellen analysierte.

Sabine Tkatzik
Sabine Tkatzik vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr

"Wir wollten von der NWB wissen, wie sie dem Lokführermangel entgegenwirken will. Mit anderen Worten: Was tut das Unternehmen eigentlich, um in absehbarer Zeit sein Personal aufzustocken. Und die Nordwestbahn hat uns einen Ausbildungsplan vorgelegt", erläutert Sabine Tkatzik. Und ergänzt, die Leistung der NWB sei seitdem spürbar besser geworden. Szenen von genervten Fahrgästen wie am Essener Hauptbahnhof, seien die Ausnahme.

Konzept: Zuckerbrot und Peitsche

Zum Vergleich: Auch Bremen ist unzufrieden mit der Nordwestbahn. Doch blieb es hier bislang bei Geldstrafen. Eine Abmahnung gab es noch nicht.

Der VRR denkt schon über weitere Maßnahmen nach. Ein Konzept funktioniert nach dem Motto Zuckerbrot und Peitsche. Dabei sollen unzuverlässige Dienstleister künftig höhere Geldstrafen zahlen als bislang. Gleichzeitig will man Unternehmen belohnen, die alle Vertragsbestandteile erfüllen – zum Beispiel durch Sonderzahlungen.

Kritik an Nordwestbahn wächst

Ein Zug der Nordwest-Bahn fährt in den Bremer- Hauptbahnhof ein.

Mehr zum Thema

Autor

  • Jan Meier-Wendte

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Juli 2019, 19.30 Uhr