Nordsee hat sich in den letzten 50 Jahren deutlich erwärmt

  • Temperatur der Nordsee zwischen 1969 und 2017 deutlich angestiegen
  • Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums hervor
  • Experte sieht noch andere Probleme als Wassererwärmung
Wellengang auf der Nordsee vor der Insel Wangerooge.
Die Wassertemperatur der Nordsee ist laut des Bundesverkehrsministeriums seit 1969 deutlich angestiegen. (Symbolbild) Bild: DPA | Jochen Tack

Die Nordsee ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich wärmer geworden. Sie hat sich im Zeitraum 1969 bis 2017 unter Berücksichtigung der mittleren Oberflächentemperatur um 1,3 Grad Celsius erhitzt. Das geht aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine schriftliche Frage der Parlamentarischen Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Steffi Lemke, hervor.

"Nord- und Ostsee erhitzen sich in besorgniserregendem Tempo", sagte Lemke. Wenn sich der Temperaturanstieg fortsetze, drohten in dem Meer massive Veränderungen. "Hering und Kabeljau fliehen schon heute in kühlere Gewässer, Richtung Arktis. Für die kleine Küstenfischerei ist das genauso dramatisch, wie für komplexe ökologische Kreisläufe innerhalb unserer Meere." Auch könnten Algenblüten weiter zunehmen.

Laut Ministerium baut sich in der Nordsee selbst in tieferen Schichten unterhalb von 30 Metern im Frühjahr eine warme Deckschicht zusammen. Die saisonale Erwärmung könne regional und von Jahr zu Jahr variieren. Insgesamt ergeben die Messungen der Stationen innerhalb der Nordsee für die vergangenen 30 Jahre eine Erwärmung im Bereich zwischen 0,5 und 2 Grad. Für die Deutsche Bucht wurde in der Zeit von 1980 bis 2015 eine Erwärmung um 1,4 Grad an der Wasseroberfläche und um 1,6 Grad in 20 Metern Tiefe gemessen.

Auch die Ostsee hat sich aufgeheizt

In der Ostsee liegt die Erwärmung im Zeitraum 1980 bis 2015 bei 1,6 Grad an der Oberfläche und bis zu 1,9 Grad in 20 Metern Tiefe. Auch hier gibt es regionale Unterschiede. Überdurchschnittlich stark erhitzt sich das Gebiet "Oder Bank" an der östlichen deutschen Ostseeküste. Dort machten sich wegen der seichten Wassertiefen möglicherweise die zunehmend warmen Sommer besonders bemerkbar.

Lemke forderte wirksamen Klimaschutz. "Wenn wir unsere Meere retten wollen, braucht es endlich auch wirksame Schutzgebiete in denen sich geschützte Arten zurückziehen und erholen können", sagte sie. Gesunde Meere könnten auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. "So speichern gesunde Meere riesige Mengen an Kohlenstoff und produzieren gleichzeitig unsere Luft zum Atmen."

Experte sieht auch andere Probelem als Wasserwärmung

Für den Meeresökologen Christian Buschbaum vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut ist die Erwärmung der Nordsee keine ganz neue Erkenntnis. Und auch bei den Folgen für Mensch und Umwelt sieht er weniger akute Gefahren. So habe beispielsweise die Fischerei selbst den größten Einfluss auf das, was sie in den nächsten Jahren fangen könne. Eine größere Bedrohung durch Bakterien sieht Buschbaum vorerst ebenfalls nicht. Bemerkbar könne sich die Erwärmung durch die Ausbreitung von Algen machen.

Doch der Meeresökologe sieht auch ganz andere Probleme. Neben dem globalen Versuch die Klimaerwärmung einzudämmen, könne auch vor der eigenen Haustür etwas getan werden. "Wir können darüber nachdenken, die deutsche Nordseeküste noch natürlicher zu machen", so Buschbaum. Die Küste werde mit Deichen verbarrikadiert, was zu Schwierigkeiten führen könne. "Jetzt haben wir ein Problem, der Meeresspiegel steigt. Wir werden irgendwann an der Nordsee wie vor einer Staumauer in den Bergen stehen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 8. Juli 2020, 23:30 Uhr