Maritimes Erbe Bremerhavens in Gefahr? Nordmolen-Leuchtturm vor Abriss

Mit der maroden Nordmole soll auch der kleine Leuchtturm darauf abgerissen werden. Kritiker befürchten der Wiederaufbau könnte den Charakter des Bremerhavener Markenzeichens gefährden.

Ein Schlepper-Schiff fährt an einer Mole mit einem gemauerten Leuchtturm mit roter Kuppel vorbei.
Die Nordmole an der Geeste ist marode und soll samt Leuchtturm abgerissen werden – zwei Bremerhavener haben eine Petition dagegen gestartet. (Archivbild) Bild: DPA | G. Franz

Seit über hundert Jahren bewacht er bei Wind und Wetter tapfer die Einfahrt zum Fischereihafen: Der kleine, gemauerte Leuchtturm auf der nördlichen Geestemole. Weil die marode ist, soll sie abgerissen und mit etwas anderem Verlauf wieder aufgebaut werden – abgeknickt und dann parallel zum Weserstrandbad. Auch der kleine Leuchtturm soll abgerissen und wieder aufgebaut werden, doch gegen diese Pläne regt sich nun Widerstand.

Das ist der Lieblingsort vieler Bremerhavener, auch vieler Liebespaare. Und von der Wasserseite so das Markenzeichen von Bremerhaven.

Hans-Joachim Ewert, Architekt aus Bremerhaven

Er hat das Zeug zum Posterboy der Bremerhavener Leuchttürme: Gut gebaut, mit malerisch verwitterten Ziegeln und einem hübschen, runden Hut aus rotgestrichenem Metall. Kein Wunder, dass der kleine Leuchtturm zu den meistfotografierten Bremerhaven-Motiven gehört. "Das ist der Lieblingsort vieler Bremerhavener, auch vieler Liebespaare. Und von der Wasserseite so das Markenzeichen von Bremerhaven", sagt Hans- Joachim Ewert, Architekt aus der Seestadt.

Ein Gitter und ein Hinweisschild versperren den Zugang zur Mole, im Hintergrund stehen zwei Leuchttürme.
Ein Gitter und ein Hinweisschild versperren den Zugang zur Mole. Im Hintergrund stehen die beiden Leuchttürme, die derzeit noch eine Einheit bilden.

Vor einigen Jahren wurde die Mole wegen Baufälligkeit gesperrt. Bis dahin konnte man sie entlang spazieren und beim kleinen Leuchtturm etwas verweilen – im Rücken das Weserstrandbad, vor sich die Weser, im linken Augenwinkel auf der südlichen Geestemole einen weiteren kleinen Leuchtturm, filigran, aus grüngestrichenem Metall. Für die Bremerhavener ein Fixpunkt, sagt auch Architektin Petra Koopmann-Ewert. Würde die Lage des gemauerten Leuchtturms verändert, ginge das Zusammenspiel beider Türme für immer verloren, sagt sie. "Seit hundert Jahren kommen Schiffe hier rein, sogar Segelschiffe", gibt Koopmann-Ewert zu bedenken. Auch bei der modernen Steuerungstechnik von heutigen Schiffen müsse es möglich sein, sich in der Geesteeinfahrt zu orientieren.

Die in der Vorlage beschriebenen Gründe für eine neue Mole und deren neuen Verlauf ließen aber keine andere Entscheidung zu.

Denkmalschutzamt Bremerhaven

Die Verlegung der Mole sei notwendig, um den Fischereihafen auch in Zukunft erreichbar zu halten, heißt es dagegen in einer Senatsvorlage. Außerdem solle verhindert werden, dass sich an den Molenköpfen Sedimente anlagern, die letztlich auch die Fischereihafenschleuse beeinträchtigten. Für den Abriss und Wiederaufbau wurden rund 25 Millionen Euro bewilligt. Das Denkmalschutzamt hat den Planungen der Hafengesellschaft Bremenports zugestimmt, obwohl Turm und Mole unter Schutz stehen. Von der Behörde gab es auf Anfrage nur eine schriftliche Stellungnahme dazu: Seitens der Denkmalpflege sei Bedauern bezüglich des Rückbaus der Nordmole ausgesprochen worden, heißt es. "Die in der Vorlage beschriebenen Gründe für eine neue Mole und deren neuen Verlauf ließen aber keine andere Entscheidung zu."

Petition will Abriss-Pläne zur Disukussion stellen

Ein Hinweisschild an einer maroden Backsteinmauer warnt vor Einsturzgefahr.
An der maroden Backsteinmauer der Nordmole warnt ein Schild vor Einsturzgefahr.

Die beiden Architekten sind nicht gegen die unbestritten nötige Sanierung, betonen sie. Sie befürchten aber, dass Leuchtturm und Mole ihren Charakter als Denkmal verlieren – und, dass man vom Weserstrandbad dann nur noch auf eine Spundwand statt auf die Weser guckt. Deswegen haben sie jetzt eine Online-Petition gestartet. Ihr Ziel sei es, dass Bremenports ihre Planung öffentlich vorstellt, damit sie mit den Bürgern diskutiert werden kann. Und schon jetzt häufen sich bei der Petition kämpferische Kommentare. Die Seestadt hätte schon die Seute Deern verloren, genug sei genug. Von einem Bremerhavener Wahrzeichen, Baudenkmal und Kulturgut ist die Rede. Von Stadt- und Seefahrtsgeschichte. Und von wichtigen Erinnerungen, die dran hängen, an dem kleinen, gemauerten Leuchtturm mit der roten Kuppel.

Autoren

  • Joschka Schmitt
  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 22. März 2020, 12:00 Uhr