Fragen & Antworten

Droht Nordenham wegen Bremer Greensill Bank ein finanzielles Desaster?

Rund 13,5 Millionen Euro hat Nordenham bei der insolventen Greensill Bank in Bremen angelegt. Das Geld droht verloren zu sein, dabei war es zum Teil bereits eingeplant.

Video vom 19. März 2021
Ein transparentes Schild mit grüner Schrift zeigt den Namen Greensill Bank.
Bild: DPA | Sina Schuldt
Bild: DPA | Sina Schuldt

Seit Anfang der Woche ist endgültig klar: Das Insolvenzverfahren gegen die Greensill Bank läuft. Das Bremer Amtsgericht hat dafür am Dienstag grünes Licht gegeben. Privatanleger sind auf der sicheren Seite, weil sie ihr Geld nun aus dem Einlagensicherungsfond zurück erhalten. Doch bei institutionellen Anlegern wie Städten und Kommunen greift dieser gesetzliche Schutz nicht. So bangt man nun auch in Nordenham um viel Geld, das man bei der Greensill Bank investiert hatte. Am Donnerstagabend kommt dort der Stadtrat zu dem Thema zu einer Sondersitzung zusammen.

Wie hart könnte es Nordenham denn treffen?
Ziemlich hart. Die Kommune hatte seit Mai 2018 insgesamt rund 13,5 Millionen Euro bei Greensill angelegt. Das ist etwa ein Viertel der geplanten Ausgaben für dieses Jahr. Der Haushalt der Stadt sieht da rund 58 Millionen Euro vor. Nordenham steht aber nicht alleine vor diesem Problem: Wiesbaden, Osnabrück und das Land Thüringen haben beispielsweise auch zweistellige Millionenbeträge bei der Bank gehabt. Und auch die öffentlich-rechtlichen Sender NDR, SWR und SR hatten Geld bei Greensill.
Wofür war das Geld denn gedacht?
Ein Großteil des Geldes – etwa 10 Millionen Euro – sollte in Kanalreparaturen fließen. Bis 2025 will die Stadt das Kanalnetz nämlich instand setzen. Für die restlichen 3,5 Millionen Euro gab es wohl noch keine konkreten Pläne. CDU und FDP haben in einer Mitteilung inzwischen auch die Freistellung des Dezernenten Bert Freese gefordert. Der ist nämlich für die Finanzen der Stadt verantwortlich. Der Vorwurf: Freese habe seine Kontrollpflichten verletzt, denn es habe deutliche Hinweise auf die dubiosen Geschäfte bei Greensill gegeben.
Gibt es denn Hoffnung darauf, dass betroffene Kommunen das Geld zurückbekommen?
Das ist zumindest unwahrscheinlich. Seit 2017 werden Einlagen von Kommunen nämlich nicht mehr gesichert. Das heißt: Das Geld ist wahrscheinlich weg. 26 Kommunen haben sich aber zusammengetan und wollen gemeinsam ihre Möglichkeiten prüfen. Ob Nordenham dazu gehört blieb zunächst unklar, bislang wollte sich die Stadt nicht zu dem Thema äußern. Am Donnerstagabend gibt es eine Sitzung des Stadtrats, bei der es sicher viele Fragen rund um die Greensill-Insolvenz zu klären gilt.

Insolvenzverfahren von Bremer Greensill Bank eingeleitet

Video vom 16. März 2021
Das Schild von der Greensill Bank.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 18. März 2021, 9:15 Uhr