BUND untersucht Wasser auf Nitrat: Fast alle Proben belastet

  • Besitzer von Hausbrunnen konnten ihr Wasser testen lassen
  • Ein Drittel der Proben im kritischen Bereich
  • Umweltverband warnt vor den Folgen
Bernd Quellmalz, Regionalgeschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), bei einer Nitratuntersuchung.
BUND-Geschäftsführer Bernd Quellmalz untersuchte mit Kollegen die Proben der Hausbrunnen-Besitzer.

120 Milligramm Nitrat pro Liter – das Ergebnis, das deutlich über dem Grenzwert für Trinkwasser von 50 Milligramm liegt, überrascht Peter Berger nicht wirklich. Schließlich hat der Rentner aus Spieka in der Gemeinde Wurster Nordseeküste das Wasser seines Hausbrunnens schon 1996 an der Hochschule Bremerhaven testen lassen. Damals war das Ergebnis genauso alarmierend. Deshalb hat er dieses Mal sogar mit einem deutlich höheren Wert gerechnet. Sein Grundstück liege schließlich zwischen einem Maisfeld und einer Weide.

Es wird ja immer mehr durch die Düngung, Gülle und Pestizide, Glyphosat wird gespitzt.

Peter Berger, Hausbrunnen-Besitzer

Berger ist einer von zwölf Hausbrunnen-Besitzern, die am Donnerstagabend einem Aufruf des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) gefolgt sind. Die Experten des Umweltverbandes hatten ins Nationalparkhaus Wurster Nordseeküste in Dorum-Neufeld eingeladen. Mit seiner "Aktion Wasser – für lebendige Gewässer und sauberes Grundwasser" will der BUND gesundheitsschädlichen Nitratbelastungen auf die Spur kommen. Hier ging es ausschließlich um die Untersuchung von Wasser aus Hausbrunnen, mit deren Wasser etwa Pflanzen gegossen werden, nicht um Trinkwasser.

Fast alle Proben belastet

Pink gefärbte Probe bei einer Nitratuntersuchung.
Bei einer Belastung verfärbt sich das Wasser rosa.

Ein Drittel der Proben war laut BUND mit mehr als 30 Milligramm Nitrat pro Liter kritisch belastet. Neben Bergers stark belasteter Probe gab es noch eine weitere, deren Ergebnis mit 90 Milligramm pro Liter deutlich über dem Grenzwert lag. Die entsprechenden Messstellen will der BUND nun dem zuständigen Landkreis Cuxhaven melden. Nur drei der zwölf Proben wiesen keine Nitratbelastung auf. Bernd Quellmalz, BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe, weist aber darauf hin, dass die erhobenen Daten nicht wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Sie geben aber Hinweise auf etwaige Belastungen, denen Behörden nachgehen können.

Die Ursachen müssten individuell untersucht werden, sagt Quellmalz. "Jedoch generell kann man schon sagen, dass die intensive Form der Landwirtschaft mit ihrem Düngeeintrag die Ursache für den hohen Nitratgehalt im Grundwasser ist."

Folgen: Krebs und Blausucht

Die Folgen einer Nitratbelastung seien nicht zu unterschätzen, warnt Quellmalz. Nitrat könne im Körper von Bakterien zu Nitrit umgewandelt werden, das krebserregend sei. Bei Kleinkindern und Säuglingen könne das zu Blausucht führen. Bei Kleinkindern liegt der Grenzwert für Trinkwasser sogar schon bei zehn Milligramm pro Liter. Belastetes Wasser sollte nicht über Obst oder Gemüse gekippt werden, das später geerntet werden soll. Und kritisch sei es auch, das Wasser etwa für Pools oder Planschbecken zu verwenden, denn gerade Kinder könnten das Wasser verschlucken.

Generell ist ja Düngung nicht schlecht, aber zu viel Düngung ist schlecht.

Bernd Quellmalz, BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe

Quellmalz fordert nicht nur, dass die Rahmenbedingungen für Landwirtschaft geändert werden, er appelliert auch an die Verbraucher: Sie sollten bereit sein, einen höheren Preis für Produkte aus der Landwirtschaft zu zahlen, und zusätzlich auch weniger Fleisch konsumieren.

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  • Sonja Klanke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 17. Mai 2019, 23:30 Uhr