Högel-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft

  • Oberstaatsanwältin sieht 97 Morde des Ex-Krankenpflegers als erwiesen an
  • Nur in drei Fällen sei der Mordvorwurf nicht zu beweisen
  • Staatsanwaltschaft will vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren verhindern
Angeklagter Nils Högel vor Gericht

Im Mordprozess gegen den früheren Krankenpfleger Niels Högel forderte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann heute erneut eine lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten. Sie forderte das Landgericht Oldenburg außerdem auf, die besondere Schwere der Schuld festzustellen, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt. Die Voraussetzungen für einen Sicherungsverwahrung seien aber nicht erfüllt.

Die Oberstaatsanwältin sieht 97 Morde als erwiesen an. Drei weitere Fälle seien dagegen nicht zu beweisen. In allen Fällen unterstellt die Staatsanwaltschaft niedere Beweggründe, teils auch Heimtücke.

Es bestehen keine vernünftigen Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann
Der Patientenmörder Niels Högel vor Gericht.
Ein umfassendes Geständnis ist Niels Högel bislang schuldig geblieben. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Mit dem Plädoyer von Anklägerin Schiereck-Bohlmann steht der vermutlich letzte Prozess gegen den 42-Jährigen kurz vor dem Ende. 14 Jahre nachdem Högel von einer Krankenschwester auf frischer Tat ertappt wurde. In den kommenden Tagen folgen die Vertreter der Nebenklage und der Verteidigung. Das Urteil will das Oldenburger Landgericht am 6. Juni sprechen.

Umfassendes Geständnis blieb aus

Der laufende Prozess ist der vierte gegen den ehemaligen Krankenpfleger vor dem Landgericht Oldenburg. In den drei Verfahren zuvor war es erst um sechs Todesfälle gegangen, wegen derer sich Niels Högel verantworten musste. Er bekam eine lebenslange Haftstrafe, die er seitdem absitzt. Inzwischen werden ihm 100 Morde zur Last gelegt. Allerdings kommen die Ermittler in vielen Fällen an ihre Grenzen. Nachweise müssen eindeutig sein, sollen sie vor Gericht bestehen. Und genau das ist hier oft schwer. Vor allem, wenn die Toten feuerbestattet wurden und Gewebeanalysen nicht mehr möglich sind.

Zuschauer verfolgen den Högel-Prozess in Oldenburg
Seit Oktober 2018 läuft der Prozess in der Weser-Ems-Halle Oldenburg. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Und so geht es vor Gericht nun vor allem um die Fälle, bei denen an exhumierten Leichen noch verdächtige Rückstände entsprechender Herzmedikamente gefunden werden konnten. Högel behauptet, Gedächtnislücken zu haben: Aktuell hat er nur 43 Taten gestanden. In 52 Fällen könne er sich nicht erinnern. Bei fünf weiteren Patienten streitet er ab, irgendetwas mit deren Tod zu tun gehabt zu haben. Zweifelsfrei werden sich alle angeklagten Fälle also wohl nicht klären lassen. Für viele Hinterbliebene eine unbefriedigende Situation. Sie hatten sich erhofft, endlich eine Antwort zu bekommen, ob ihre Angehörigen Opfer von Niels Högel geworden sind oder nicht.

Weitere Prozesse erwartet

Die juristische Aufarbeitung der Taten des ehemaligen Krankenpflegers wird mit diesem Urteil aber nicht abgeschlossen sein. In mindestens einem weiteren Prozess werden sich als nächstes Kollegen und Vorgesetzte von Niels Högel verantworten müssen. Sie sollen in den Häusern in Oldenburg und Delmenhorst schon längere Zeit einen Verdacht gegen ihn gehabt haben – aber ohne etwas zu unternehmen, sagen die Ermittler. Die Anklage gegen sie lautet "Totschlag durch Unterlassen".

Für Niels Högel wird sich mit dem nun anstehenden Urteil wohl nicht allzu viel verändern. Denn zu lebenslanger Haft wurde er bereits verurteilt. Nun geht es noch um die Frage, ob zusätzlich Sicherungsverwahrung angeordnet wird – dann müsste Högel wohl etwas länger im Gefängnis bleiben. Aktuell könnte er nach etwa 25 Jahren wieder auf freien Fuß kommen.

Drei weitere Meineid-Verfahren im Högel-Prozess

Niels Högel hinter versteckt sein Gesicht hinter einer Mappe.
  • Uwe Wichert

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Mai 2019, 19:30 Uhr