Fragen & Antworten

Mehr Badetote wegen Corona? Das will das Land Bremen dagegen tun

Schwimmbäder mussten schließen, Schwimmkurse fielen aus: Die DLRG erwartet deswegen mehr Badeunfälle. Was unternimmt Bremen dagegen? Und was können Eltern selbst tun?

Video vom 19. Juli 2020
Ein Junge steht mit einem Bronzeabzeichen auf der Badehose am Beckenrand.
Bild: DPA | Sina Schuldt
Bild: DPA | Sina Schuldt

Mit dem Lockdown Mitte März mussten auch sämtliche Hallen- und Freibäder im Land Bremen ihre Tore schließen. Das hieß nicht nur, kein Ort mehr zum Planschen und Spaß haben. Sondern auch, dass Anfänger keine Schwimmkurse mehr besuchen konnten. Deutschlandweit betraf das mindestens 20.000 von ihnen, vermutet die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Und das könnte laut der Organisation unter anderem dazu führen, dass es in diesem Jahr mehr Badeunfälle gibt.

Um dem entgegenzuwirken und zumindest den Kindern aus dem Schulschwimmen die Chance zu geben, ihre Abzeichen zu erhalten, startet am Montag ein Intensiv-Schwimmkurs der Bremer Bäder, der DLRG, der Bildungssenatorin und des Landesschwimmverbands. Doch was braucht es, um Schwimmen zu lernen? Und geht das auch ohne Kurs?

Wie lernen Kinder am besten Schwimmen?
Wichtig ist, dass die Kinder schon früh an das Wasser gewöhnt werden. Ab dem fünften oder sechsten Lebensjahr sollten die Eltern mit den Kindern zum Beispiel üben, das Gesicht unter Wasser zu tauchen. Sie sollten das Gefühl kennenlernen, wenn Wasser in die Augen spritzt. "Das geht im flachen Wasser im Schwimmbad oder auch ganz einfach in der Badewanne", sagt der Sprecher der Bremer DLRG Philipp Postulka. Denn in Bremen ist das Schulschwimmen zwar in der dritten Klasse Pflicht. Doch dort soll es eigentlich darum gehen, für Schwimmabzeichen zu üben und nicht um die erste Wassergewöhnung, erklärt Postulka.
Wie kann ich beurteilen, ob mein Kind gut (genug) schwimmen kann?
Dazu sind die verschiedenen Schwimmabzeichen da. Dabei starten die Kinder mit dem Seepferdchen, gefolgt von Bronze (auch Freischwimmer genannt), Silber und Gold. "Das Seepferdchen ist aber nur die Wassergewöhnung und das erste Einüben von Schwimmzügen", erklärt Philipp Postulka. Schwimmen könnten die Kinder damit noch nicht. "Dafür ist das Bronze-Abzeichen da: Frühestens damit können die Kinder sicher schwimmen", so Postulka. Doch auch damit sollten Kinder nicht alleine zum Badesee geschickt werden – denn passieren könne immer etwas.
Wie sieht die Situation in Bremen aus?
Die neuesten Zahlen, die der Bildungsbehörde vorliegen, sind aus dem Schuljahr 2018/19. Damals nahmen am Schulschwimmen rund 4.200 Drittklässler teil. Vor dem Schwimmunterricht waren etwa die Hälfte von ihnen Nichtschwimmer. Am Ende des Schuljahres waren es mit etwa 29 Prozent noch knapp ein Drittel.

So viele Drittklässler haben im Schuljahr 2018/19 in Bremen Schwimmen gelernt

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Laut Philipp Postulka liegt Bremen mit diesen Zahlen im Bundesdurchschnitt. Doch ausruhen solle man sich darauf nicht: "Es ist besorgniserregend, dass auch nach dem Schulschwimmen so viele Kinder noch nicht schwimmen können", sagt Postulka. Insbesondere, da die Daten laut Postulka ein geschöntes Bild zeigen: Die Bremer Bäder – von denen die Bildungsbehörde ihren Zahlen bezieht – zählen auch Kinder mit Seepferdchen-Abzeichen zu den "Schwimmern". Die DLRG vertritt aber die Meinung, dass Kinder erst mit dem Bronze-Abzeichen schwimmen können.
Wegen Corona sind die Schwimmkurse ausgefallen oder sie wurden abgebrochen. Was gibt es für Alternativen?
"Das sieht aktuell schlecht aus", sagt Philipp Postulka. Denn auch, wenn die Freibäder langsam wieder öffnen: Es gebe noch kein Datum, wann auch die Schwimmkurse wieder aufgenommen werden. Für alle Drittklässler und Mitglieder der Bremer Schwimmvereine gibt es mit dem Projekt "1.000 Schwimmabzeichen" aber immerhin die Möglichkeit, in den Sommerferien die Prüfungen für ihre Abzeichen abzulegen: Jeweils eine Woche lang bekommen sie in Gruppen täglich Schwimmunterricht. Die Intensivschwimmkurse werden ab Montag im Sportbad Uni und teilweise im Freibad Blumenthal stattfinden.
Kann ich meinem Kind auch selbst das Schwimmen beibringen?
Die Wassergewöhnung können – und sollten – auf jeden Fall die Eltern mit ihren Kindern üben. Für das weitere Lernen rät Postulka aber dazu, die Kinder nach der Corona-Krise in einen professionellen Schwimmkurs mit ausgebildeten Lehrern zu schicken. "Was ich aber sagen kann: Auf keinen Fall sollten Kinder einfach ins Wasser geschubst werden", rät Postulka. Denn das mögliche Trauma, das die Kinder dadurch erleiden, mache das Schwimmen am Ende umso schwerer.
Worauf muss ich achten, wenn ich als Erwachsener nicht richtig schwimmen kann?
Wer sich diese Frage stellt, ist zumindest schon mal auf der sichereren Seite: Denn viele Badeunfälle passieren, wenn Menschen ihre Schwimmfähigkeit überschätzen. Um das zu verhindern empfiehlt Postulka ungeübten Schwimmern, zunächst kleinere Strecken im flacheren Wasser zu schwimmen. Außerdem müsse nicht direkt beim ersten Mal der See durchquert werden – sicherer sei es, parallel zum Ufer zu schwimmen. Und gerade in den Bremer Badeseen lauert eine versteckte Gefahr: Einige Meter vom Ufer entfernt gibt es eine Abbruchkante, an der das Wasser mit einem Mal mehrere Meter tief wird. "Das ist besonders für ungeübte Schwimmer gefährlich. Wer einen Schritt zu viel macht, kann direkt untergehen", warnt Postulka.

Weitere Informationen:

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Juli 2020, 19:30 Uhr