Neuwerk bald isoliert? Inselbewohner mit ungewöhnlicher Demo im Watt

Die Neuwerker sehen die Erreichbarkeit ihrer Insel bedroht: Ein tiefer Priel verhindert zunehmend die Überfahrt. Nun haben Inselbewohner und Cuxhavener im Watt demonstriert.

Video vom 18. Mai 2021
Luftbild: Die Insel Neuwerk.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Es ist ein ungewöhnlicher Protestort: Bewohner der Insel Neuwerk, Wattwagenfahrer und Cuxhavener haben am heutigen Dienstag mit etwa 40 Kutschen im Wattenmeer demonstriert. Sie fürchten um die Erreichbarkeit der Insel. "So eine Aktion hat es noch nie gegeben", sagte Inselobmann Christian Griebel. Ein tiefer Priel rund drei Kilometer vor der Insel, das sogenannte Duhner Loch, wird demnach immer tiefer. Dadurch würden Fahrten mit Kutschen und Treckern zwischen Cuxhaven und der Insel, die zum Bundesland Hamburg gehört, immer schwieriger.

Demo-Motto: "Uns steht das Wasser bis zum Hals"

Unter dem Motto "Uns steht das Wasser bis zum Hals" haben die Betroffenen auf beiden Seiten des Priels demonstriert. Bei Niedrigwasser sollte dieser eigentlich passierbar sein. Jedoch sei das Duhner Loch in den letzten Jahren durch Strömung und andere Einflüsse immer tiefer geworden, sagt Griebel. Schon bei einem Niedrigwasser, das nur 30 Zentimeter über dem Normalwert liege, sei kein Durchkommen mehr möglich.

Die Neuwerker und die Kutschfahrer verlangen bauliche Maßnahmen, damit der Weg durchs Wattenmeer gewährleistet bleibt. Dies könnte erreicht werden, wenn auf etwa 150 Metern der Schlick entfernt und durch ein befahrbares Material ausgetauscht würde, so der Inselobmann. "Der Wattweg ist die Hauptversorgungsroute der Insel." Fast alle Güter und die meisten der rund 120.000 jährlichen Touristen kämen über diese Route. Zudem sei der Zugang der einzige Rettungsweg neben Hubschraubern und Schiffen. Allein in der letzten Sommersaison sei der Weg jedoch an 30 Tagen nicht befahrbar gewesen.

Machbarkeitsstudie soll Lösungen prüfen

Unterstützung bekommen die Inselbewohner aus Cuxhaven. "Unsere Landesregierung muss schnell handeln, sonst stehen in Cuxhaven die Wattwagenbetriebe und ihre Familien vor dem Aus", sagte der Wattwagenunternehmer Jan Brütt aus Duhnen. Und auch der Oberbürgermeister der Stadt, Uwe Santjer, erkennt den Ernst der Lage. Aus seiner Sicht wäre es hochdramatisch, würde der Weg dauerhaft abgeschnitten.

Neuwerk muss über den Wattweg weiter erreichbar sein, weil wir ihn natürlich als Cuxhavener nutzen. Aber auch, weil wir eben viele Touristen haben, die Neuwerk erreichen wollen.

Uwe Santjer, Oberbürgermeister Cuxhaven

Das niedersächsische Umweltministerium hat bereits eine Machbarkeitsstudie zugesagt, um zu testen, mit welchen Materialien das Duhner Loch geschlossen werden könnte. Unter aktuellen Bedingungen gehe es noch maximal fünf Jahre gut, sagte Staatssekretär Frank Doods am Rande der Demonstration. Geeignete Maßnahmen könnten dann in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden. Eine endgültige Lösung werde es aufgrund der Dynamik des Watts aber wahrscheinlich nie geben.

Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Mai 2021, 19:30 Uhr