Dieser Mann leitet jetzt die Geschicke der Schiffe im Land Bremen

Ein neuer Hafenkapitän hat das Ruder übernommen. Stephan Berger ist der Neue auf der Kommandobrücke der Häfen in Bremen und Bremerhaven – wer ist er und was ist sein Job?

Audio vom 15. Mai 2021
Ein Mann im Jacket steht vor einer Hafenkulisse am Wasser.
Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck
Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Mehr als 15 Jahre lang ist Stephan Berger zur See gefahren. Als Kapitän von Containerschiffen hat er fast die ganze Welt gesehen. Er war unzählige Male mit seinen Schiffen in Asien, Afrika und Amerika unterwegs. Jetzt hat der 39-Jährige die Seiten gewechselt und die Brücke gegen den Drehstuhl in seinem neuen Büro getauscht. Seit Anfang des Monats ist Berger der neue Hafenkapitän der Häfen in Bremen und Bremerhaven. Er leitet damit das Bremische Hafenamt mit rund 80 Mitarbeitenden. Sein Vorgänger Andreas Mai ist vor einigen Monaten in den Ruhestand gegangen.

Hafen von Bremerhaven
Zuletzt war Berger selbst noch auf Containerschiffen auf den Weltmeeren unterwegs. Bild: Radio Bremen

"Hab' die ganze Welt geseh'n, von Singapur bis Aberdeen." So heißt es in einem bekannten Song des Sängers Achim Reichel. Ein Song, wie geschrieben für das bisherige Leben von Berger. Aber Zeiten ändern sich. Statt raus auf die hohe See, geht es seit knapp zwei Wochen nun jeden Morgen hoch zum neuen Arbeitsplatz. Aus seinem Büro im fünften Stock direkt am Kreuzfahrt-Terminal in Bremerhaven hat Berger zumindest die perfekte Aussicht auf fast alles, was im Hafen wichtig ist. "Wenn ich hier aus dem Fenster schaue und die Schiffe im Hafen liegen sehe, dann erfüllt mich das mit Stolz, dass ich hier in meinem neuen Büro der Kapitän des Hafens bin", sagt der 39-Jährige. "Also nicht mehr Schiffe fahre, sondern den Hafen, wenn man so will."

Was macht ein Hafenkapitän eigentlich genau?

Den "Hafen fahren", besser: Die Arbeit in den Häfen in Bremen und Bremerhaven koordinieren und organisieren – das sei eine reizvolle Aufgabe. Aber was macht so ein Hafenkapitän eigentlich ganz genau? Offizielle Antwort: Er ist zuständig für die Sicherheit in den Häfen. Aber geht das etwas konkreter, Herr Berger?

Das heißt, dass wir beispielsweise den Betrieb der Schleusen überwachen und planen. Wir machen die Zuweisung der Liegeplätze. Also wo soll welches Schiff liegen? Da muss man immer gucken, ob das mit den Tiefgängen passt. Dafür sind wir letztendlich zuständig und noch für viele andere verwaltungstechnische Dinge. Das ist eher die Schreibtischarbeit.

Stephan Berger, Hafenkapitän

Und diese Schreibtischarbeit ist so ziemlich das absolute Gegenteil von dem Job, den Berger bisher gemacht hat. In den letzten Jahren war er immer drei Monate am Stück als Kapitän eines Containerschiffes irgendwo in der Welt unterwegs. Und danach drei Monate Zuhause. Urlaub. Abschalten bei der Familie in Elsfelth. Und dann alles wieder von vorne. Jetzt wird das eine ziemliche Umstellung, sagt Berger. Ein Nine-To-Five Job ist der Beruf des Hafenkapitäns sicherlich auch nicht. Aber mehr Zeit mit der Familie sollte es schon geben.

Meine Familie freut sich schon sehr, dass ich jetzt nicht mehr "mal da bin" und dann "mal nicht da bin". Jetzt ist es natürlich ein bisschen schöner. Aber auch ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Man muss sich schon ein bisschen umgewöhnen, dass es morgens und abends in den Abläufen Zuhause passt. Aber was 99 Prozent der Menschen schaffen, schaffen meine Frau und ich auch.

Stephan Berger, Hafenkapitän

Vom Praktikanten zum Kapitän

Ein Mann lehnt an einem Schreibtisch vor einem Fenster mit Blick auf einen Hafen.
Von seinem Büro im fünften Stock am Kreuzfahrt-Terminal in Bremerhaven hat der neue Hafenkapitän Stephan Berger seine neue Wirkungsstätte bestens im Blick. Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Trotzdem ist dieser Perspektivwechsel interessant für ihn. Als 17-Jähriger hat Stephan Berger ein Schülerpraktikum bei Hapag-Lloyd gemacht. Und obwohl aus der Familie niemand zuvor zur See gefahren ist, war ab da klar: Berger möchte Seefahrer werden. Vom Praktikanten arbeitete er sich hoch bis zum Kapitän. Erst Wachoffizier, dann Ausbildungsoffizier, dann Erster Offizier und dann – seit 2016 – Kapitän zur See. Und jetzt der Weg zurück an Land.

Irgendwann kommt man an so einen Punkt im Leben, wo man sich fragt: Ist es das, was ich will? Oder möchte ich noch was anderes machen? Bei den Seeleuten kommt definitiv die Frage "Möchte ich noch weiter zur See fahren?" Einige kommen dann zu dem Entschluss: Ja, ich möchte das weitermachen. Andere sagen: Alles gut und schön, aber die Work-Life-Balance könnte besser sein.

Stephan Berger, Hafenkapitän

Und so schaut Berger den Schiffen jetzt nur noch beim Fahren zu. Fernweh sei ihm dabei bis jetzt noch nicht gekommen. Dafür gäbe es im neuem Job gerade auch viel zu viel zu tun. Aber mal abwarten. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich irgendwann mal an den Punkt komme, wo ich einem Schiff hinterher gucke und mir sage: Naja, bei all der Arbeit auf meinem Schreibtisch wäre es jetzt schon schön, mit diesem Schiff in die Ferne zu segeln", sagt Berger. "Es hat alles Vor- und Nachteile."

Autoren

  • Leonard Steinbeck
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus Bremerhaven, 16. Mai 2021, 12:40 Uhr