Notfall oder nicht? Das soll im St. Joseph-Stift eine Software prüfen

Die Klinik in Bremen-Schwachhausen will die Wartezeiten für Notfallpatienten verkürzen. Mitarbeiter entscheiden mithilfe der Software, wer an den Hausarzt verwiesen wird.

gemeinsamer Tresen St. Joseph-Stift
Immer wieder beschweren sich Patienten über lange Wartezeiten in den Notaufnahmen. Im Krankenhaus St. Joseph-Stift soll ein neues Projekt dagegen helfen. (Symbolbild) Bild: Krankenhaus St. Joseph-Stift

Im Krankenhaus St. Joseph-Stift in Bremen-Schwachhausen gibt es ab sofort eine neue Anlaufstelle. Das teilte die Klinik mit. Patienten in der Notaufnahme werden abends und an den Wochenenden an einem "gemeinsamen Tresen" empfangen. Dort sollen Fachkräfte dann mithilfe einer Software auswerten, wie dringend der medizinische Notfall ist. Auch werde geprüft, ob überhaupt ein medizinischer Notfall vorliegt.

Der Tresen wird vom Krankenhaus und der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB) betreut. Erklärtes Ziel: die Wartezeit in der Notaufnahme zu verringern und Hilfesuchende schneller an die richtige Adresse zu verweisen.

Software analysiert Symptome der Patienten

Seit längerer Zeit beklagen Krankenhäuser und Behörden, dass die Notaufnahmen häufig als Ersatz für den Haus- oder Facharzt benutzt werden. Seit 2012 ist eine Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes für solche Fälle aktiv, doch viele kennen sie offenbar nicht. "Viele Patienten wissen nicht um die Möglichkeiten der ambulanten Bereitschaftsdienste und gehen auch mit leichten Erkrankungen, die beim Hausarzt versorgt werden können, direkt in die Notaufnahmen", teilt das Krankenhaus mit.

Bei der neuen Anlaufstelle kommt eine Software zum Einsatz, die die Symptome des Patienten analysiert und eine erste Einschätzung abgibt, wie dringend der Fall ist. Fieber, Schmerz, Entwicklung eines Hautausschlags: Alle Beschwerden werden digital erfasst. Je nachdem, wie schwer oder gefährlich die Symptome sind, werden Patienten ans Krankenhaus, den Bereitschaftsdienst oder an den Hausarzt verwiesen.

Notfallpatienten sollen schneller versorgt werden

Bisher werde die Schwere des Notfalls erst in der Notaufnahme bewertet, was unter anderem zu längeren Wartezeiten führte, erklärt das Krankenhaus weiter. "Vorher sind die Patienten, die kein Notfall waren, auch an den Bereitschaftsdienst verwiesen worden. Der Unterschied ist jetzt, dass die Patienten durch die schnelle Ersteinschätzung am gemeinsamen Tresen sofort an die richtige Stelle geschickt werden", teilte der Krankenhaus-Sprecher, Maurice Scharmer, auf Nachfrage von buten un binnen mit.

Das hohe Aufkommen von Patienten mit nur leichten Beschwerden führte dann natürlich insgesamt zu längeren Wartezeiten. Mit der zielgerichteten Vermittlung der Patienten wollen wir die Wartezeit verkürzen und eine Entlastung der Notaufnahme erreichen, damit dort Notfallpatienten schnellstmöglich Hilfe bekommen.

Maurice Scharmer, Sprecher des Krankenhauses St. Joseph-Stift

Alltag in der Notaufnahme

Ein Krankenpfleger eines Krankenhauses an einem Elekrokardiogramm.

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Autorin

  • Serena Bilanceri