2G oder 3G? Das sagen Bremer Vereine und Veranstalter

Im Fenster einer Kiez-Kneipe hängt ein Zettel mit dem Text «2G, Einlass nur für Geimpfte und Genesene»
2G oder 3G? Sollte die Hospitalisierungs-Inzidenz deutlich steigen, müssen Bremens Clubs und Locations diese Frage für sich und ihre Gäste beantworten. Bild: DPA | Markus Scholz

Sportverein, Fitnesscenter, Tanzclub oder Konzerthaus: Auf die heute vom Senat verabschiedete Corona-Verordnung müssen sich alle einstellen. So planen die Betroffenen.

Immer mehr Bundesländer führen 2G-Optionsmodelle für Betriebe aus den Kultur- und Veranstaltungsbranchen ein – darunter die Stadtstaaten Hamburg und Berlin. In Bremen soll an diesem Dienstag eine entsprechende Verordnung verabschiedet und vorgestellt werden. Sie regelt, wann künftig ein 3G-Modell mit oder ohne Masken- und Abstandsregeln gilt und wann 2G, also die Einlassbeschränkung auf Geimpfte und Genesene, optional möglich ist.

Auf was sich die Bremer Kulturbranche, Veranstaltungsdienstleister und Sportvereine einstellen und welches Modell sie jeweils bevorzugen, zeigen wir hier an sechs Beispielen.

1 Sportvereine: Werder ist kein Vorbild

Während im Weser-Stadion dank 2G-Regel bald wieder mehr als 40.000 Fans Werders Profifußballern zuschauen sollen, ist die Situation im Breitensport eine andere. "Wir leben im Bremer Vereinssport bewusst Integration und Inklusion", sagt Andreas Vroom, Präsident des Landessportbundes Bremen. Insofern gelte es auch, die Meinungsfreiheit zu respektieren, wenn sich jemand nicht impfen möchte. "Mein Apell ist daher, solange es geht, die 3G-Regel in Vereinen aufrecht zu erhalten", sagt Vroom.

Er habe jedoch Verständnis dafür, wenn Vereine und Übungsleiter Anforderungen und Verantwortung der Einhaltung der 3G-Regeln nicht mehr tragen wollten oder könnten, sagt Vroom. Probleme sieht er vor allem dann, wenn Übungsleiter selbst sich nicht impfen lassen wollten und gleichzeitig Risikogruppen betreuten. "Wenn ich im Falle einer 2G-Regel keinen alternativen Übungsleiter habe, dann fällt der Sport möglicherweise ganz aus."

Dies entscheide allerdings jeder Verein selbst, sagt Vroom. Die Vereine beurteilen die Situation dabei sehr unterschiedlich. So will Bremens größter Turnverein, Bremen 1860, weiterhin an der 3G-Regel festhalten. Der TV Bremen-Walle steht der 2G-Regel hingegen offen gegenüber.

2 Bäder: 3G gilt zunächst weiter – künftige Regelung ungeklärt

Die Hallenbadsaison findet in Bremen derzeit noch unter 3G-Regeln statt. "Diese Regeln gelten zunächst weiter", sagt Sprecherin Laura Schmitt. Wie sich die an diesem Dienstag vom Senat verabschiedete neue Corona-Verordnung auf die Besuchsregeln in Bremens Hallenbädern auswirkt, ist bislang noch offen.

"Sobald die neue Corona-Verordnung vorliegt, wird natürlich geprüft, ob die skizzierten Stufenmodelle zu Veränderungen führen sollten", sagt Schmitt. Gäste würden dann, zum Beispiel auf der Website der Bäder-Gesellschaft, rechtzeitig informiert.

3 Fitness: Furcht vor Mitgliederschwund

"Der Betrieb in Bremens Fitness-Studios läuft derzeit im Prinzip ungestört", sagt Markus Begerow, Geschäftsführer des Anbieters United Leisure Clubs (ULC). Die Maßnahmen, die künftig mit Stufe 1 einhergingen, seien handhabbar. Zumal gut 95 Prozent der Kunden inzwischen geimpft oder genesen seien, sagt Begerow. Die restlichen Besucher müssten sich testen lassen.

Trennwände und ein Klimagerät schützen zusätzlich zu Mund-Nasen-Schutz einen Mann und eine Frau bei ihrem Training in einem Fitnessstudio vor Viren.
Fitness-Studios fürchten bei einer Verschärfung der Corona-Maßnahmen in Stufe 2 Mitgliederschwund. Bild: DPA | Harald Tittel

Wie sich das für Mitte Oktober anvisierte Ende kostenloser Tests auswirken könnte, weiß er allerdings nicht. Auch die Folgen eines möglichen Anstiegs der künftigen Hospitalisierungs-Inzidenz auf Werte zwischen 6 und 9, also auf Stufe 2, oder höher sei schwer abzuschätzen. "Hilfreich ist es meiner Meinung nach nicht, wenn man Menschen an Bewegungsaktivitäten hindert. Denn die Mortalität wird eben nicht nur durch Covid-19 bestimmt", sagt Begerow.

"Bei den aktuellen Corona-Regeln können alle Mitglieder ohne Anmeldung und mit vertretbaren Einschränkungen regelmäßig trainieren", sagt auch Wolfgang Mehrtens, Geschäftsführer des Fitness-Studios Sport Aktiv. Dennoch hält auch er die beschlossenen Maßnahmen für schwierig. "Bei einer 2G Regelung werden wir voraussichtlich weitere 15 Prozent unserer Mitlieder verlieren", sagt er – ein Fünftel haben bereits in der Pandemie gekündigt.

4 Clubs: Zufrieden mit Stufe 1, individuell bei Stufe 2

Bremens Clubszene liegt noch immer am Boden. Den neuen Stufenplan hält Viktor Frei, Geschäftsstellenleiter des Bremer Musikspielstättenverbands Clubverstärker, aber für sinnvoll. "Die Verordnung sieht ja offenbar vor, dass wir derzeit in Stufe 1 wären. Das würde bedeuten, 3G ohne weitere Einschränkungen." Damit wären wir erstmal zufrieden, sagt Frei. "Denn wir wollen ja niemanden ausschließen."

Sollte sich allerdings erneut eine Situation ergeben, in der auch in Bremen die Krankenhauseinweisungen steigen und das Land Corona-Maßnahmen der Stufe 2 ausruft, geht er davon, dass Clubs und Konzertveranstalter in Bremen unterschiedliche, individuelle Optionen nutzen werden. "Gerade kleine Konzertlocations und Clubs sind darauf angewiesen, das Abstandsregeln und Maskenpflicht fallen", sagt Frei. Hier liefe es also eher auf eine 2G-Regelung hinaus wie inzwischen in Hamburg.

Veranstalter, die Konzerte mit Bestuhlung anböten, hätten hingegen bessere Möglichkeiten, die mit einer 3G-Regel verbundenen Vorgaben durchzusetzen.

5 Konzerte: Auf die Größe kommt es an

Klatschende Menschen stehen vor einer Konzertbühne, auf der eine Band spielt
Bei größeren Konzerten könnte die 2G-Regel künftig zum Standard werden. Bild: DPA | Henning Kaiser

Veranstaltungen und Konzerte finden derzeit nur sporadisch in Bremen und Bremerhaven statt. Zuletzt musste der Bremer Konzertveranstalter Koopmann sogar Auftritte der Band "Die Ärzte" und die Klassik-Pop-Nacht "Night of the Proms" absagen. "Wir mussten absagen, weil es bislang keine bundeseinheitlichen Lösungen gibt", sagt Oliver Mücke, Geschäftsführer von Koopmann Concerts. Für den Konzertveranstalter, dessen Vorausplanung bis zu einem Jahr beträgt, sind sowohl 3G- wie auch 2G-Regeln eine hohe Belastung. "Wir haben teilweise Veranstaltungen das vierte Mal verlegt", sagt Mücke. Vom Aufwand her seien 2G- und 3G-Regeln für Konzertveranstalter ähnlich belastend. Vieles sei daher schon prophylaktisch auf das kommende Jahr verschoben worden.

Den neuen Bremer Stufenplan, der ab Stufe 2 die 2G-Regel optional erlaubt, befürwortet Mücke. Und auch eine Tendenz hat er. "3G funktioniert bei keinem großen Konzert. Das ist nicht durchsetzbar. Umso größer, desto eher läuft es auf die 2G-Regel hinaus."

6 Messen und Events: Flexible Absprachen mit Ausstellern

Die M3B GmbH, die Veranstaltungen in der ÖVB-Arena durchführt, will sich künftig flexibel aufstellen. "Wir werden das nun für jede Veranstaltung einzeln überprüfen", sagt Marketing-Leiterin Christine Glander. Für eigene Veranstaltungen spreche sich das Unternehmen vorab mit Ausstellern ab und hole sich dort Stimmungsbilder ein. "Was die Gastveranstalter machen, können wir noch nicht sagen", sagt Glander.

Die Stadthalle Bremerhaven Veranstaltungs- und Messegesellschaft mbH hat das Veranstaltungsangebot an Messen und Events wie zum Beispiel Unterhaltungsshows, Comedy und Konzerte derzeit noch auf ein Minimum reduziert. Daran wird sich auch durch den neuen Bremer Stufenplan bis Ende des Jahres nur wenig ändern, sagt Geschäftsführer Othmar Gimpel. "Grundsätzlich können wir aber sagen, dass wir Mitte Oktober, wenn die Tests kostenpflichtig werden, wohl zur 2G-Regel übergehen werden." Schließlich werde niemand sich ein Ticket für 30 Euro kaufen und dann noch einen Test für 20 Euro machen.

Schwieriger sei die Situation für die Partner und Mieter der Bremerhavener Veranstaltungs- und Messegesellschaft, wie zum Beispiel die Fischtown Pinguins oder die Eisbären Bremerhaven. Denn sie müssten die Konsequenzen tragen, sollten sie sich in Stufe 2 für das eine oder das andere Maßnahmen-Modell entscheiden.

Das denken Bremer Werder-Fans über die neue 2G-Regel im Weser-Stadion

Video vom 23. September 2021
Eine junge Frau Frau lacht in Richtung Kamera und kniet neben einem Kinderbuggy. In dem Buggy sitzt ein kleines Kind mit einem buntem Fahrradhelm.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. September 2021, 19:30 Uhr