Bremische Volksbank reicht Negativzinsen an Privatkunden weiter

  • Strafzinsen der EZB werden an vermögende Kunden weiter gegeben
  • Institut bietet vorher alternative Anlagemöglichkeiten an
  • Deutschlandweit bereits "Verwahrentgelte" bei mehreren Banken
Video vom 16. Januar 2020
Das Gebäude der Bremischen Volksbank an der Domsheide

Die Bremische Volksbank führt sogenannte "Verwahrentgelte" für vermögende Kunden ein. Sparer, die mehr als 100.000 Euro auf ihrem Konto haben, müssen künftig negative Zinsen in Höhe von -0,5 Prozent in Kauf nehmen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bank, Ulf Brothuhn, am Donnerstag. Betroffen davon sind rund 1000 Privatkunden. Geschäfts- und Firmenkunden müssen bei der Bremischen Volksbank bereits sogenannte Verwahrentgelte zahlen, wenn sie keine anderen Anlageformen wählen.

Denn die Bank bietet ihren Kunden solche alternativen Anlagemöglichkeiten an. Dann müsse niemand Negativzinsen zahlen, sagte Brothuhn. Etwa 1.000 betroffenen Privatkunden will die Volksbank jetzt solche Optionen anbieten. "Wir sind Berater und nicht Verwahrer. Das ist unser Anspruch", so Brothuhn. "Wir wollen keine Kunden haben, die uns lediglich als Verwahrstelle missbrauchen."

Bei uns wird kein Privatkunde Verwahrentgelte zahlen müssen, sofern er unsere zahlreichen Angebote nutzt.

Ulf Brothuhn, Vorstandsvorsitzender der Bremischen Volksbank

Deutschlandweit haben mehrere Institute bereits "Verwahrentgelte" eingeführt – zunächst oft nur für Unternehmen oder große Investoren. Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel weiß aber von bundesweit mehr als 50 Geldinstituten, die Negativzinsen auf private Einlagen erheben. Andere Quellen gehen bereits von einer deutlich höheren Zahl aus. Auch die Sparkasse Bremen und die Oldenburgische Landesbank veranschlagen Negativzinsen, wenn Kunden hohe Summen auf ihrem Giro- oder Tagesgeldkonto haben. Die Maßnahme begründen die Institute mit den Strafzinsen, die für sie fällig werden, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Januar 2019, 19:30 Uhr