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Negativzinsen jetzt auch in Bremen: Was auf Bankkunden zukommt

Statt Zinsen für Erspartes zu bekommen, müssen immer mehr Kunden inzwischen dafür zahlen, dass sie bei der Bank Geld parken. Bald auch bei der Bremischen Volksbank. Ob es dabei bleibt?

Das Gebäude der Bremischen Volksbank an der Domsheide

Bislang seien in Bremen nur sehr vermögende Kunden der Deutschen Bank und der Commerzbank von dem Phänomen betroffen, sagt Rudolf Hickel, Wirtschaftswissenschaflter der Uni Bremen. Nur sie zahlten bislang Negativ- oder auch Strafzinsen. "Verwahrentgelte" heißt das in der Sprache der Banken. Doch der Kreis derer, die für das Ersparte auf dem Bankkonto Geld zahlen, statt Zinsen dafür zu bekommen, wächst auch im Zwei-Städte-Staat. Zu den über 50 Banken, die bundesweit schon jetzt Negativzinsen auf private Einlagen erheben, kommt demnächst eine weitere hinzu: die Bremische Volksbank. Damit folge das Geldinstitut dem Beispiel diverser anderer Volks- und Raiffeisenbanken, sagt der Ökonom.

Werden andere Bremer Banken nachziehen?

Rudolf Hickel ist sich ziemlich sicher, dass nach der Bremischen Volksbank noch andere Bremer Banken Verwahrentgelte einführen werden, wenn auch die Konditionen unterschiedlich ausfallen dürften. "Die Deutsche Bank und die Commerzbank sind schon bei vermögenden Kunden dabei. Comdirect verlangt 0,5 Prozent Einlagenzins. Die Oldenburgische Landesbank ist mit 0,4 Prozent bei einem Freibetrag von 100.000 Euro dabei", stellt Hickel fest. Er vermutet, dass die Sparda-Bank Bremen folgen könnte, die schon heute in Berlin 0,4 Prozent Zinsen verlange.

Warum erheben Banken Negativzinsen?

Das Erheben von Negativzinsen sei fast schon eine "Verzweiflungstat" der Banken, sagt Rudolf Hickel. Die Banken gäben mit den Verwahrentgelten gewissermaßen jene Einlagenzinsen von 0,5 Prozent an ihre Kunden weiter, die sie ihrerseits bei der Europäischen Zentralbank (EZB) für Einlagen bezahlen müssten. "Es ist die Folge der langanhaltenden, extremen Billiggeldpolitik. Sie vermasselt den Banken die Profitabilität", fasst Hickel zusammen.

Prof. Rudolf Hickel
Betrachtet Negativzinsen als Folge "langanhaltender, extremer Billiggeldpolitik": Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel.

Die insgesamt sinkende Marge aus Zinseinnahmen per Kreditvergabe und sinkenden Sparzinsen erklärten die Verzweiflungstat, so der Ökonom. Lange hätten die Banken mit Gebührenerhöhungen reagiert. Diese aber ließen sich nicht mehr darstellen.

Welche Kunden sind von Negativzinsen betroffen?

Bei den meisten Instituten greift die Verzinsung erst ab Einlagen von 100.000 Euro und mehr. Hickel glaubt jedoch, dass bald auch kleinere Einlagen von Strafzinsen betroffen sein könnten. Die Gründe dafür lägen unter anderem im schwachen Wirtschaftswachstum sowie einer viel zu niedrigen Inflation oder gar einer Deflationsgefahr, sagt der Ökonom. Hickel ist sich sicher, dass die Europäische Zentralbank auch künftig für die Einlagen der Banken auf ihren Konten einen Strafzins verlangen wird.

Wie sollten sich Verbraucher nun verhalten?

Dem Bankkunden rät Hickel, Vergleichsangebote einzuholen. Er gehe jedoch davon aus, dass sich die Einlagenverzinsungen schnell und nahezu lückenlos verbreiten werde. Der Kunde könnte, statt sein Geld auf Konten zu deponieren, in Aktien oder in Anlagefonds investieren. "Dazu sind jedoch Grundkenntnisse erforderlich", betont Hickel. Er rät Bankkunden dringend davon ab, sich auf Berater zu verlassen.

Hickel hält für denkbar, dass Verbraucher ihr Geld verstärkt von den Banken abziehen und es zu Hause deponieren. "Sicherlich spüren wir auch steigende Konsumausgaben als Reaktion", sagt er. Generell aber gehe er davon aus, dass die Kunden wachsam blieben und nach rentablen Anlagen suchen. "Möglicherweise nimmt auch das Verständnis zu, dass etwa die Volksbank Bremen nicht die Schuld hat, sondern sie sich zu der Einführung von Einlagenzinsen verdammt fühlt", glaubt Hickel.

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Januar 2020, 19:30 Uhr