Pro & Contra

Werder verkauft Stadionnamen: Kein Platz mehr für Fußballromantik?

Nun also auch in Bremen: Das Weser-Stadion trägt künftig den Namen eines Immobilienkonzerns. Über das Für und Wider der Kommerzialisierung wird in unserer Redaktion kontrovers diskutiert.

Ein Flutlichtmast des Weser-Stadions
Die Flutlichtmasten bleiben, doch der Name ändert sich: Künftig heißt das Weser-Stadion "Wohninvest-Weserstadion". Bild: Imago | Westend61

PRO

Zugegeben, der Name „Wohninvest Weserstadion" klingt befremdlich. Dennoch ist der Verkauf der Namensrechte richtig. Am Ende muss Werders Fokus auf der Wettbewerbsfähigkeit liegen und nicht auf der Wahrung von Fußballromantik.

Zudem ist die Namensrechtevergabe gar nicht neu. Werder hatte bisher einfach Glück. Denn von 2007 bis 2018 hatte die EWE die Rechte. Der Energieversorger aus Oldenburg verzichtete aber netterweise auf die Nennung des Firmennamens. Seit einem Jahr fehlen der Bremer Weserstadion GmbH nun rund drei Millionen Euro im Etat, was rund ein Viertel des Gesamtetats vom Stadion entspricht. Diese Lücke wurde bisher mit einer Zahlung von einem Millionenbetrag von Werder Bremen überbrückt und der Aussetzung von Kredittilgungen seitens der Stadt gegenüber Werder. Das heißt: Der finanzielle Druck ist riesig. Und Werder würde natürlich lieber in die Mannschaft investieren. Und muss es auch. Wohninvest-Weserstadion ist eine Veränderung, die sicher hart für die Fans ist. Aber sie ist die logische Folgerung, um weiter mithalten zu können im Bundesliga-Geschäft.

Die anderen Vereine nehmen schließlich zwischen 1,5 bis 5 Millionen Euro im Jahr durch den Namensverkauf schon ein. Dem darf und kann sich Werder nicht verschließen. Und spätestens bei der nächsten Fußball-Gala gegen die Bayern, Dortmund oder Frankfurt ist der sperrige neue Name des Weser-Stadions vergessen.


CONTRA

Werder ist anders, Werder macht vieles anders. Das macht die Faszination an diesem Verein aus. Nun wird Werder wieder ein Stück wie so viele andere, ein Stück normaler. Klar, dass der Stadionname eine ganz besondere Symbolik hat. Jetzt kommt da ein Firmenname dazu und wer sich das mal laut vorspricht, der merkt: Das passt einfach nicht zusammen. Hört sich mindestens ungewohnt an, eigentlich auch ein bisschen schräg ("Wohninvest Weserstadion").

Aber es muss eben zusammen gebracht werden, was nicht zusammen passt. Werder braucht das Geld – und das Geld braucht übrigens auch Werder. Denn es steht nicht gut um das Image der Immobilienbranche. Da kommt ein Verein mit den herausragenden Image-Werten von Werder Bremen gerade recht. Längst haben nicht alle Fans den Schock mit dem industriell organisierten Nahrungsmittel-Produzenten ("Wiesenhof") auf der Brust verdaut, da gibt es die nächste Zumutung. Nicht nur Werder als Verein ist anders, auch seine Fans sind anders. Für viele sind soziale und gesellschaftliche Fragen wichtig, für viele ist es wichtig, dass sich ihr Verein hier auch positioniert. Darüber identifizieren sich viele Fans mit diesem Verein. Und die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs ist da ein ganz, ganz heikler Punkt. Für diese Stimmungen sollte Werder sehr sensibel bleiben – übrigens gilt das nicht nur für Werder, es gilt für den Fußball insgesamt. Es ist kein gottgegebenes Gesetz, dass Menschen in ein Stadion gehen.

Man mag so eine Haltung als Fußballromantik bezeichnen. Ich sehe das anders. Diese Art von Kapital kann man sich bei keiner Bank leihen und bei keinem Unternehmen dieser Welt kaufen.

Neuer Name für das Weserstadion

Das Weserstadion.

Autoren

  • Janna Betten
  • Frank Schulte

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 31. Mai 2019, 19:30 Uhr