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Museumsfrachter "Cap San Diego" muss zum Schiffs-TÜV in Bremerhaven

Normalerweise gehört die "Cap San Diego" zur Silhouette des Hamburger Hafenpanoramas. Nun wird das weltweit größte Schiff seiner Art in einer Bremerhavener Werft überholt.

Video vom 15. März 2021
Das Museumsschiff "Cap San Diego" läuft am frühen Morgen in Bremerhaven ein.
Bild: Radio Bremen

Autobesitzer kennen das: Alle zwei Jahre muss der Wagen zum TÜV, Mängel müssen gefunden und behoben werden. Was aber vielleicht die wenigsten wissen: Auch Schiffe müssen regelmäßig auf ihre Sicherheit geprüft und repariert werden. Genau das passiert nun mit dem fast 160 Meter langen, ehemaligen Frachtschiff "Cap San Diego". Das schwimmende Hotel ist nach Angaben der Betriebsgesellschaft das weltweit größte, fahrende Museumsschiff seiner Klasse. Die ganze Nacht war das Maritime Denkmal von Hamburg nach Bremerhaven über die Nordsee unterwegs. Am Morgen ist es bei den Bredo Dry Docks angekommen.

Was genau wird in Bremerhaven erledigt?
"Wir haben eine internationale Ausschreibung mit ungefähr 200 Werftpunkten gemacht", sagt Bordmanagerin Gesa Rädeker zu der Fülle an Aufgaben. Bremerhaven habe aufgrund eines guten Angebots den Zuschlag bekommen. Unter anderem müssen die Tanks gewartet und konserviert werden. "Dafür schneiden wir sogar ein Loch in unser geliebtes Schiff und werden dann auch die Außenhaut einer Dickenmessung unterziehen, um zu wissen, ob noch alles stabil ist."

Bis zum 8. April sind außerdem Instandhaltungs-, Deck- und Holzarbeiten geplant. Auch die Mannschaft ist dabei an Bord und packt mit an. Insgesamt steht ein Budget von 1,4 Millionen Euro zur Verfügung, sagt Rädeker. Dafür sei die "Cap San Diego" das weltweit einzige, noch fahrtüchtige Schiff ihrer Klasse. Der nötige Schiffs-TÜV werde alle fünf Jahre fällig. "Das ist den Aufwand wert, denn so etwas gibt es kein zweites Mal."
Eine Frau mit Helm steht vor einem Schiff.
Gesa Rädeker ist als Bordmanagerin der "Cap San Diego" mit dem Museumsschiff in der Bremerhavener Werft. Bild: Radio Bremen | Luca Laube
Was zeichnet die "Cap San Diego" aus?
Die Verantwortung liegt in erster Linie im Wissenstransfer, beschreibt Rädeker worauf es ankommt. "Wir haben eine alte Mannschaft, deren Durchschnittsalter bei 76, 77 Jahren liegt", so die Bordmanagerin. "Und wir haben eine junge Mannschaft, die das Schiff erstmal lernen muss." Dabei gehe es darum, die alte Technik am Leben zu halten. Nächsten Monat wird die "Cap San Diego" 60 und die Crew plant laut Rädeker nochmal 60 Jahre draufzulegen. Den Betrieb des Museumsschiffes beschreibt sie als Spagat zwischen jung und alt. Die alten Seefahrer mit dem Wissen und die jungen, die es lernen.

Einen Spagat gibt es auch im Angebot. Außerhalb von Corona bietet das Schiff Events, Gastronomie, Partys und einen Hotelbetrieb. Dem gegenüber steht der Seebetrieb mit üblicherweise mehreren Fahrten mit bis zu 500 Passagieren jährlich. Um das auch in Zukunft zu stemmen, sei das richtige Personal nötig, so die Bordmanagerin. "Wir sind optimistisch, aber wir brauchen Ehrenamtliche mit Fachwissen – das ist unsere größte Aufgabe im Moment."
Warum muss so ein Museumsschiff überhaupt fahrtüchtig sein?
Würde die "Cap San Diego" nur liegen und nicht mehr fahren, würde der Originalzustand des Schiffes leiden, sagt Rädeker. "Die Zeit hat gezeigt, bei nicht fahrenden Museumsschiffen werden Umbauten vorgenommen, die die Originalität gefährden." Es gehöre zur kreativen Aufgabe, sich immer zu überlegen, wie das Schiff zu erhalten und gleichzeitig neue Anforderungen zu erfüllen seien.
Ein Schiff liegt im Wasser.
Alle Mitarbeiter der "Cap San Diego" wurden vor der Überfahrt von Hamburg nach Bremerhaven auf Corona getestet. Bild: Radio Bremen | Luca Laube
Welche Rolle spielt Corona fü die "Cap San Diego"?
Vor der Abfahrt sind alle Mitarbeiter getestet worden. "Wir haben nur negative Menschen mit unglaublich positiver Energie an Bord", sagt Rädeker. "So konnten sich unsere Leute untereinander auf der Überfahrt ein bisschen freier bewegen." Gleichzeitig sei ein Teil der Mannschaft weggebrochen, die das Corona-Risiko nicht habe tragen können. Vor dem Projekt sei genau abgewägt worden. "Die Pro-Punkte waren so stark, dass wir 'Ja' gesagt haben." Unklar sei zudem, ob die Lage in einem halben Jahr wirklich besser sei. Trotzdem bleibt Rädeker optimistisch: "Wir hoffen in einem halben Jahr wieder ganz normal mit Gästen fahren und unser Schiff mit allen Menschen teilen zu dürfen."

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. März 2021, 19:30 Uhr