Maskenpflicht im Universum: Bremens Mitmachmuseen haben wieder offen

Sie sind echte Publikumsmagneten: das Universum in Bremen und das Klimahaus in Bremerhaven. Wie sie die Pause überstanden haben und was sich für Museumsbesucher ändert.

Das walartige, silbrig glänzende Gebäude des Universum Bremen.
Das Universum an der Universität hat wieder geöffnet. Bild: Universum Bremen

Noch Anfang Februar verkündete das Klimahaus Bremerhaven stolz, dass sich für den Juli mit dem monegassischen Fürst Albert II. prominenter Besuch angekündigt hat. Doch dann kam Corona. Wie alle Bremer Museen musste auch das Klimahaus im März plötzlich schließen. Aber jetzt ist der Blick wieder nach Vorne gerichtet: Das Haus lockt wieder Besucher.

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Zeitgleich hat auch das Universum in Bremen wieder aufgemacht. Die zeitliche Überschneidung war reiner Zufall, bestätigt Universum-Sprecherin Marena Grotheer. Sie beschreibt, dass sich die Wiedereröffnung nach 67 Tagen anfühle "wie bei der Eröffnung einer neuen Sonderausstellung".

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Hygienekonzepte mit besonderen Anforderungen

Theoretisch dürfen die Museen des Landes Bremen schon seit dem 6. Mai wieder öffnen. Doch besondere Museumskonzepte benötigen besondere Hygienemaßnahmen. Beide Häuser leben vom Erleben, Mitmachen und Ausprobieren.

Maskentragende Besucher im Bremer Museum Universum
Ein Hinweis, der nachdenklich macht: Im ganzen Universum herrscht Maskenpflicht. Bild: Radio Bremen

Im Universum steht den Besuchern ein Großteil der Exponate auch weiterhin zur Verfügung. Der Hauptunterschied zu vorher, so Grotheer, sei "eine lineare Besucherführung". Normalerweise können sich Besucher ihren Weg durch das Wissenschaftsmuseum selbst wählen und sich "von ihrer Neugier leiten lassen". Jetzt wurde ein "Einbahnstraßensystem" eingeführt – ein Rundgang mit vorgeschriebener Wegführung, um die Einhaltung der Sicherheitsabstände gewährleisten zu können. Im ganzen Haus gilt eine Maskenpflicht – für Besucher und Mitarbeiter. Das Personal wurde zu den Corona-Auflagen geschult. Einige Exponate, die auf Körperkontakt basieren, sind derzeit nicht mehr zugänglich.

Für das neue Konzept habe man sich mit anderen Science-Centern kurzgeschlossen und beraten, um auf Nummer Sicher zu gehen: So ist die Besucherzahl begrenzt worden und es werden Termintickets verkauft, um den Besucherfluß steuern zu können. Erst, wenn ausreichend gute Erfahrungen gesammelt werden konnten, wird darüber nachgedacht, die Besucherzahl aufzustocken. Derzeit geht das Museum von einer Verweildauer von drei Stunden aus.

Neue Regeln auch im Klimahaus

Um die hundert Besucher haben am ersten Tag den Weg ins Klimahaus gefunden. An guten Tagen waren es sonst bis zu 2.000. Klimahaus-Chef Arne Dunker sieht dieses "soft opening" aber durchaus positiv.

Das ist für uns durchaus auch eine Hilfe, dass wir unser Hygienekonzept langsam testen können.

Arne Dunker. Klimahaus Bremerhaven

Immerhin musste bei den Überlegungen zur Sicherheit jeder Winkel des rund 11.000 Quadratmeter großen Museums bedacht werden.

Maskentragende Besucher im Klimahaus Bremerhaven
Für das Klimagaus wurde ein eigenes Hygienekonzept erarbeitet. Bild: Radio Bremen

Auch im Klimahaus muss jeder eine Mund-Nasen-Maske tragen und Markierungen weisen überall auf die geltende Abstandsregel von 2 Metern hin. Es dürfen sich maximal 900 Besucher im Haus zeitgleich aufhalten, einige wenige Exponate und kleinere Räume wurden aus Sicherheitsgründen aus dem Angebot genommen, die Öffnungszeiten wurden etwas eingedampft, das Café und die Garderobe sind geschlossen, außerdem sind Führungen erstmal ausgesetzt. Außer der Wettershow. Es ist keine Anmeldung erforderlich und es gibt keine Zeitbegrenzung für den Aufenthalt. Und für die Sonderausstellung "Nordsee | Südsee – Zwei Welten im Wandel" wird kein zusätzlicher Eintritt erhoben.

Schließung war Schlag ins Kontor

Mit 500.000 Besuchern im Jahr kalkuliert das Klimahaus normalerweise. Jetzt fährt das Museum – wie die meisten Einrichtungen – "auf Sicht", so Klimahaus-Geschäftsführer Dunker. Denn nicht nur die neun Wochen Schließung schlagen ins Kontor. Er denkt jetzt längerfristig und hofft darauf, dass dieses Jahr viele Menschen die Nordseeküste als neues Urlaubsziel für sich entdecken. Und damit auch das Klimahaus: "Dass wir dann wieder genügend Publikum da haben werden und dann vielleicht doch das kompensieren können, was weggebrochen ist."

"Ohne Einnahmen ist es äußerst schwierig, sich länger über Wasser zu halten", meint Grotheer vom Universum, doch man sei im Austausch mit der Wirtschaftsbehörde.

Ohne Unterstützung geht es nicht, das ist kein Geheimnis.

Marena Grotheer, Universum Bremen

Grotheers Hoffnungen liegen nun auf den Sommerferien.

Sinneswandel dank Corona?

Klimahaus-Betreiber Arne Dunker verknüpft mit Corona auch die Hoffnung, dass sich das Bewusstsein in der Gesellschaft und Politik verändert: "Ich hoffe, dass die Politik erkennt, dass man ruhig mal auf Wissenschaftler hören sollte. Vor allem, wenn es darum geht, die viel größere Krise – nämlich die Klimakrise – zu bekämpfen." Er hofft auf die kollektive Erkenntnis, dass durchaus auch unangenehme Entscheidungen akzeptiert werden, wenn es darum geht, gemeinsam damit große Probleme anzugehen.  

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Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Dirk Bliedtner
  • Eva Linke Redakteurin

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 20. Mai 2020, 14:15 Uhr