Mosaic-Expedition: nach Monaten heute erster Sonnenaufgang

Kurz nach ihrer Ankunft in der Arktis stieg die Sonne nicht mehr über den Horizont. Jetzt freut sich das Team auf dem Forschungsschiff "Polarstern" wieder auf Tageslicht.

Mehrere Menschen stehen auf einer Eisscholle. Am Himmel wird es hell.
In den vergangenen Wochen erlebten die Forscher in der sogenannten nautischen Dämmerung Vorboten der Sonne. Bild: Alfred-Wegener-Institut | Michael Gutsche

Schon wenige Tage nachdem die Wissenschaftler der Mosaic-Expedition die Eisscholle erreicht hatten, mit der sie durch die Arktis driften, stieg die Sonne nicht mehr über den Horizont. In den vergangenen Wochen wurde es dann endlich langsam heller: In der sogenannten nautischen Dämmerung erlebten sie Vorboten der Sonne am Himmel. Sie blieb dabei allerdings noch unter dem Horizont. Nur ihr gestreutes Licht war bisher sichtbar. Einen richtigen Sonnenaufgang soll es an diesem Donnerstag geben.

Kapitän Stefan Schwarze ist seit dem Start der Expedition im September vergangenen Jahres auf der "Polarstern". Die Sonne hat er zum letzten Mal am 5. Oktober gesehen. Er war dabei, als es plötzlich immer dunkler wurde. Nun freute er sich, dass die andauernde Dunkelheit ein Ende findet. Und die Welt um ihn herum zu wachsen schien: "Das Schönste war, zu sehen, wie unser Mikrokosmos, in dem wir uns ja nun seit Monaten bewegt haben, immer größer wird. Und dass wir ein ganz kleiner Punkt, ein ganz kleines Nichts in dieser riesigen Arktis sind", schwärmt der Kapitän.

Und dann freue ich mich natürlich ganz besonders, dass die Sonne jetzt aufgeht! Diesen Planeten habe ich jetzt wirklich sehr lange vermisst.

Ein Mann in Kapitänsuniform mit Sicherheitshelm auf dem Kopf blickt in die Kamera.
Stefan Schwarze, Kapitän der "Polarstern"

Systemadministrator Andreas Winter ist am 26. November mit der "Kapitan Dranitsyn" zur Polarstern aufgebrochen. Seitdem hat er die Sonne nicht mehr gesehen. Er bestätigt den Eindruck des Kapitäns: "Vorher sah alles so groß aus. Die ganze Station hier rund ums Schiff war riesengroß im Scheinwerferlicht. Und jetzt bei Tageslicht ist alles völlig klein zusammengewachsen."

Für mich war das Schönste dieses Rot, was dann im Laufe des Tages um den ganzen Horizont gewandert ist. Und jetzt freue ich mich auf den ersten richtigen Sonnenaufgang.

Andreas Winter
Andreas Winter, Systemadministrator

Laura Wischnewski ist Technikerin und begleitet die Expedition seit dem dritten Fahrtabschnitt. Die Sonne hat sie das letzte Mal am 26. Januar gesehen, bevor sie an Bord der "Kapitan Dranitsyn" gegangen ist, um sich auf den Weg zur "Polarstern" zu machen. Sie befürchtet, dass das Wetter dem sonnenhungrigen Expeditionsteam einen Strich durch die Rechnung macht und sie nicht viel vom ersten Sonnenaufgang sehen werden: "Aber wir werden uns gedulden und dann hoffentlich in der Woche drauf das erste Mal einen Blick drauf werfen." Geduld zahlt sich in der Arktis bekanntlich aus, denn Sonne wird es absehbar satt geben. Tag und Nacht.

Dann haben wir ja auch bald schon Mitternachtssonne.

Laura Wischnewski
Laura Wischnewski, Technikerin

Janin Schaffer ist physikalische Ozeanographin und Teamleiterin der Ozeangruppe. Sie hat das unwirkliche rote Schimmern der Sonnenstrahlen am Horizont phasziniert.

Aber dennoch: Langsam freut man sich auch, die Sonne wiederzusehen. Und dann feiern wir erstmal schön!

Janin Schaffer vor Eis, im Hintergrund ein Forschungsschiff
Janin Schaffer, physikalische Ozeanographin

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Autorin

  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 12. März, 7:15 Uhr