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Warum dieses Kamerafahrzeug jetzt durch Bremen fährt

Warum dieses Kamerafahrzeug jetzt durch Bremen fährt

Audio vom 20. August 2021
Ein Messfahrzeug von Eagle Eye
Bild: eagle eye technologies GmbH
Bild: eagle eye technologies GmbH

Ein Kleinbus mit Kameras auf dem Dach filmt ab sofort für vier Monate alle Straßen in Bremens Stadtgebiet. So will Bremen herausfinden, welches Pflaster saniert werden muss.

Ein bisschen futuristisch sieht es aus, das silber-orangefarbene Messfahrzeug aus Berlin mit seinen vielen Sensoren auf dem Dach. Dennoch könnten sich die Bremerinnen und Bremer bald an seinen Anblick gewöhnen. Denn dieser Bus eines Berliner Ingenieurbüros wird ab sofort für voraussichtlich vier Monate immer wieder durch Bremens Straßen fahren und dort filmen. Im Auftrag des Amts für Straßen und Verkehr (ASV) erfasst der Bus Daten für ein digitales Straßenkataster Bremens.

Was genau messen und erfassen die Ingenieure mit ihrem Kleinbus in Bremens Straßen alles?
Sie untersuchen das Material aller Flächen der Fahrbahnen, der Gehwege, der Radwege und der Rinnen. Dabei unterscheiden sie unter anderem zwischen Pflastersteinen, Gehwegplatten und Asphalt. Außerdem erfassen die Kameras die Standorte von Fahrradbügeln, Verkehrszeichen, Straßenlaternen, Abwasserschächten und Gullis. Ein Laserscanner ermittelt die Durchfahrtshöhen von Unterführungen.
Was hat das ASV mit den ganzen Daten vor?
Es möchte eine aktuelle Bewertungsgrundlage des kompletten Straßennetzes gewinnen, sagt ASV-Projektsleiter Björn Ritschewald. Daher müssten alle Haupt- und Nebenstraßen systematisch erfasst werden. Es gelte, zugleich den aktuellen Zustand und den Investitionsbedarf im stadtbremischen Straßennetz möglichst genau zu beurteilen. Die durch das neue Verfahren gewonnenen Daten dienten als Grundlage für ein digitales Straßenkataster. Mithilfe dieses Katasters könne das ASV künftig die Unterhaltungs- und Erhaltungsmaßnahmen der Straßen schneller planen und umsetzen, so Ritschewald.
Worin liegt der konkrete Nutzen im Vergleich zu älteren Verfahren?
Im Wesentlichen seien die Kameras heute deutlich besser als früher und ihre Auflösung höher. In früheren Zeiten sei es kaum möglich gewesen, aus Fahrzeugen heraus eine Fläche zu erfassen und digital aufzubereiten. "Alles musste händisch vor Ort erfasst werden", sagt Ritschewald.
Sieht man mich auf den Bildern der Kameras?
Nicht wirklich, teilt das ASV mit. Man sehe zwar hier und da Personen, aber keine Gesichter.
Wann erfahren wir von den Ergebnissen?
Gar nicht. Die Infos blieben intern und würden beispielsweise eingesetzt, um Bilanzwerte der Straßen zu ermitteln, sagt das ASV.
Werden die Daten wirklich nirgends veröffentlicht?
Die Daten werden ab September 2022 sukzessive in ein internes Informationssystem des ASV übertragen. Sie würden ausschließlich behördenintern genutzt und nicht veröffentlicht, versichert das ASV. Private Daten würden nicht erhoben oder verarbeitet.
Sind die Daten bis 2022 nicht schon veraltet?
Nein, versichert das ASV. Straßen veränderten sich meist eher langsam. Zudem würden die Straßen permanent von Mitarbeitenden des Amts vor Ort kontrolliert. Für diese routinemäßigen Kontrollen setze das ASV etwa 40 Straßenkontrolleure ein, die auf Pedelecs durch die Stadt führen und Schäden an den Straßen mit Computern dokumentierten. Ihre Daten flössen ebenfalls in das digitale Straßenkataster ein.
Wie lang wird der Kleinbus brauchen, um den aktuellen Zustand aller Bremer Straßen mit seinen Kameras zu erfassen?
Ab jetzt noch etwa vier Monate, schätzt das ASV. Da sich Risse auf den Fahrbahnen bei Regen schlecht erkennen ließen, fahre der Bus allerdings normalerweise nur bei gutem Wetter durch die Straßen. Daher lasse sich die erforderliche Zeit nicht genau planen.

Wie stark sind die Straßenschäden durch den Frost in Bremen?

Video vom 20. Februar 2021
Bitumen wird in ein Loch in der Straße gegossen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 20. August 2021, 6:20 Uhr