Mobbing unter Schülern: Immer früher und digitaler

Am Tag des Opferschutzes warnen Bremer Organisationen vor Mobbing – und bieten Hilfe an. Fast jeder sechste Schüler ist mittlerweile betroffen.

Ein Mädchen starrt entsetzt auf ihr Handy während im Hintergrund zwei andere Mädchen kichern
Ausgrenzung auf dem Schulhof ist mittlerweile genauso Teil von Mobbing wie digitale Beleidigungen. Bild: DPA | Klicksafe/Maribelle Photography

Ausgegrenzt, gedemütigt, fertig gemacht. An Deutschlands Schulen wird gemobbt und es beginnt immer früher. Fast jeder sechste Neuntklässler wird laut einer OECD-Studie regelmäßig Opfer von teils massivem Mobbing an seiner Schule. "Exakte Zahlen gibt es für Bremen nicht", sagt Sebastian Reuser vom Service Bureau Jugendinformation.

Gut 25 Mal im Jahr besucht er Bremer Schulklassen, um mit den Schülerinnen und Schülern über ihre Mediennutzung und Cybermobbing zu sprechen. "Jede Klasse hat schon mal was zum Thema Mobbing gemacht und in jeder Klasse ist das Thema bekannt." Wenn er an den Schulen vor Ort ist, geht Reuser über die Mediennutzung an das Thema heran. Viele Schülerinnen und Schüler würden sich meistens schon gut im Netz auskennen. Zusammen erarbeiten sie dann, wie sie sich und ihre Daten im Netz schützen können und was gar nicht geht.

Demütigungen gehen im Netz weiter

Gemobbt werden Kinder heute vor allem im Netz: Das gilt sowohl für soziale Netzwerke als auch für Kurznachrichten-Dienste. Beleidigungen in Whatsapp-Gruppen, bei Instagram, Snapchat oder Musically gehören zum Leben der Kinder dazu. Dort verbreiten die Peiniger private Bilder von anderen oder schreiben beleidigende Kommentare.

Mobbing im Internet ist noch schlimmer, weil es auch nachts und am Wochenende weitergeht und nicht mit der Schule aufhört. Das Problem wächst in die Grundschule herunter. Kinder haben immer früher ein Smartphone.

Oliver Bouwer, Referent für digitale Medien beim Landesinstitut für Schule Bremen

Oliver Bouwer bildet Lehrerinnen und Lehrer zum Thema Cybermobbing weiter. Denn wenn gemobbt wird, müssen sie oder die Schul-Sozialarbeiter eingreifen und helfen. Weil Mobbing immer früher beginnt, sei das Interesse an den Fortbildungen ungebrochen groß.

Mobbing bedeutet Gewalterfahrung

Mobbing ist Gewalt und kann für die Betroffenen schlimm werden. Die Gemobbten stehen unter enormen Druck, ziehen sich immer mehr zurück und werden traurig. "Das Problem ist, dass die Schüler immer wieder zur Schule hin müssen und so nur schwer aus der Situation herauskommen", erzählt Bouwer. Sie würden schlechter in der Schule, bekämen Angst hinzugehen. Manche Betroffenen spüren auch körperliche Schmerzen.

Von Mobbing sprechen wir, wenn wiederholt und über einen längeren Zeitraum immer wieder beleidigt und ausgegrenzt wird oder Lügen verbreitet werden.

Oliver Bouwer, Referent für digitale Medien beim Landesinstitut für Schule Bremen

Alle Experten sind sich einig: Wer in der Schule gemobbt wird, soll sich unbedingt Hilfe von Erwachsenen holen – egal, ob Eltern, Lehrerinnen oder Schul-Sozialarbeiter. Auch außerhalb von Schulen gibt es viele Anlaufstellen in Bremen, die Betroffene anonym und kostenlos anrufen oder anschreiben können.

  • Mädchen können sich an das mädchenhaus Bremen wenden,
  • Jungs an das Bremer Jungenbüro e.V..
  • Zusätzlich gibt es noch Rebuz – die regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren. Sie beraten Mobbingopfer und -täter genauso wie mitbetroffene Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern.
  • Katharina Guleikoff

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, 21. März 2018

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