So reagierte Angela Merkel auf die Fragen der Bremerhavener

60 Auserwählte aus Bremerhaven und umzu durften beim Bürgerdialog ihre Fragen stellen. Die Kanzlerin antwortete – mal kurz, mal konkret und auch mal emotional.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Bürgerdialog in Bremerhaven

1 Die kontroverseste Antwort

Gleich mehrere Fragen drehten sich um das Thema Gesundheit. In deutschen Krankenhäusern werde Großartiges geleistet, betonte die Kanzlerin mehrfach. Corinna Grill, Lehrerin für Pflegeberufe in Bremerhaven, sieht die Zustände im deutschen Gesundheitssystem ganz anders: "Man müsste das alles auf den Kopf stellen! Die Privatisierung müsste wieder umgekehrt werden, das ganze System müsste man umkrempeln. Aber das macht ja kein Politiker, weil es Stimmen kostet." Das ließ Merkel nicht gelten: Es müsse ja kein Politiker fürchten, Stimmen zu verlieren, wenn die Unzufriedenheit mit dem System so groß sei und er dieses umgestalte. Auch Heike Schiffling, Hebamme, übte Kritik an der Ökonomisierung des Gesundheitssystems: "Das hat massive Auswirkungen auf die Qualität der Betreuung. Das System hat kein menschliches Antlitz mehr!" Fallpauschalen seien natürlich nicht das einzige, nach dem man ein Krankenhaus führen sollte, lenkte Merkel ein, betonte aber, dass die Vergleichbarkeit der Krankenhäuser wichtig sei.

2 Die konkreteste Antwort

"Der Wohlstand von morgen hängt von der Forschung von heute ab" – Angela Merkel hielt ein geradezu flammendes Plädoyer für die Wissenschaft. Auslöser war die Frage von Sunhild Kleingärtner, Archäologin und Forschungstaucherin in Bremerhaven. In Merkels Kanzlerschaft sei viel Geld in Forschung investiert worden, so Kleingärtner, und Bremerhaven habe sich vom Industrie- zum Wissenschaftsstandort entwickelt. "Wie wollen sie diese tollen Bedingungen nachhaltig sichern?", fragte Kleingärtner. 2017 habe Deutschland das Ziel erreicht, drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung auszugeben, dies solle bis 2025 auf 3,5 Prozent erhöht werden, so Merkel. "Wir müssen die Forschung als Schwerpunkt erhalten, sonst werden wir irgendwann die verlängerte Werkbank." Auf die Frage, ob Sie nach Ihrer Kanzlerschaft in die Forschung zurückkehren würde, sagte die ehemalige Physikerin allerdings: "Mich kann man da nicht mehr gebrauchen."

3 Die unkonkreteste Antwort

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Bürgerdialog in Bremerhaven
Anderthalb Stunden unterhielt sich Merkel in Bremerhaven mit den Gästen.

Christine Fiebig ist stellvertretende Schulleiterin an der neuen Oberschule Lehe. Man unterrichte Kinder aus 60 Nationen, ein Großteil habe eine andere Muttersprache als Deutsch, sagte Fiebich. Mit einem jungen, motivierten Team wolle man digital und nachhaltig Schule machen. "Wie kann der Bund uns finanziell oder mit anderen Mitteln unterstützen? Weil wenn wir die Unterstützung auf Landesebene angucken, war es das schnell mit den Visionen", sagte Fiebig. Die Antwort der Kanzlerin fiel eher dünn aus – Bildungspolitik sei Ländersache. Allerdings verwies sie auf den Digitalpakt als Hilfe für die Länder, die Schulen mit digitaler Technik auszustatten. Außerdem wolle man bei der Weiterbildung der Lehrer in diesem Bereich unterstützen, sich an der Lehrerausbildung und am BAföG beteiligen. Nur: "Die Ausfeilung wer was bekommt, das ist Länderhoheit", betonte Merkel.

5 Die kürzeste Antwort

Pflegelehrerin Corinna Grill wollte wissen: Würden Sie heutzutage als Kassenpatient ins Krankenhaus gehen und sich versorgen lassen? "Ja", sagte Merkel – Punkt.

6 Die fehlende Antwort

Als älteste Teilnehmerin kam die Bremerhavenerin Rose Kruse zu Wort, die "ganz, ganz gern", in Bremerhaven wohne. "Sie haben 2004 die Mütterrente für alle propagiert. Meine Tochter ist 1968 geboren und ich bin aus Überzeugung zu Hause geblieben", sagte Kruse. Nun habe sie eine Anfrage bei der Rentenstelle gestellt und die Auskunft bekommen, dass sie keine Mütterrente bekäme. Dabei steht diese eigentlich allen Müttern zu, deren Kinder vor 1992 geboren sind. Wie das sein könne? Die Bundeskanzlerin musste passen. "Ich gucke mir den Fall an", versprach sie.

7 Die persönlichste Antwort

"Frau Merkel, wann sind Sie glücklich?" Das wollten die Gäste zum Abschluss von der Kanzlerin wissen, die nicht gerade für emotionale Ausbrüche bekannt ist. Sie sei glücklich, wenn sie und ihre Familie gesund seien, sagte Merkel. "Ich freue mich auch, wenn mir etwas gelungen ist, an dem ich lange gearbeitet habe." Außerdem sei sie oft glücklich, wenn andere glücklich seien. Auch die drei Male, die sie zur Kanzlerin gewählt wurde, hätten sie glücklich gemacht. Und wann sie mal aus der Haut fahre? "Wenn mir etwas nicht gelingt – zum Beispiel einen Nagel in die Wand schlagen". Es gebe bei ihr "genügend Haushalt von Emotionen", versicherte die Kanzlerin.

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Autorin

  • Greta Block

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. März 2019, 19:30 Uhr