Meinungsmelder

Wir fragen im Columbus-Center: Ist Bremerhaven besser als sein Ruf?

Sie hängen an ihrer Stadt, sehen aber auch Armut und Verfall. Die Politik sollte sich für ein besseres Image Bremerhavens einsetzen, finden die Befragten.

Eine junge Frau mit einem Tablet in der Hand befragt einen Mann.
Zahlreiche Passanten nutzten am Donnerstag die Gelegenheit, an der Meinungsmelder-Befragung zum Image Bremerhavens teilzunehmen.

"Aufbruch oder Abbruch – Ist Bremerhaven besser als sein Ruf?" – um diese Frage geht es in der aktuellen Radio Bremen Meinungsmelder-Befragung. Nicht nur online stellt Radio Bremen diese Frage. Im Columbus-Center in Bremerhaven konnten Bremerhavener und Besucher am Donnerstag ihre Meinung zur Seestadt loswerden.

Das sagt die Schülerin

Eine junge Frau lächelt in die Kamera.
Melina Klupp möchte nach dem Studium als Lehrerin in Bremerhaven arbeiten.

Melina Klupp ist zwar egal, was andere über ihren Wohnort denken, findet aber dennoch, dass die Verantwortlichen etwas gegen das schlechte Image Bremerhavens tun sollten. "Die Stadt zerfällt", sagt die 16-Jährige. Sie ist hier aufgewachsen und geht noch zur Schule. Was ihr als Erstes zu Bremerhaven einfällt, ist Langeweile. "Es fehlt an allem, hier gibt es einfach nichts, was man machen kann." Sowohl Einkaufsmöglichkeiten als auch Kulturangebote und Restaurants würden sich in erster Linie an Ältere richten. Um ihr Image zu verbessern, müsste die Stadt in Bildung investieren. Insbesondere Kinder einkommensschwacher Familien müssten mehr unterstützt werden.

Aber obwohl sie einiges an ihrer Heimatstadt kritisiert, möchte sie ihr Leben hier verbringen. Schließlich leben Familie und Freunde hier. Nach dem Lehramtsstudium will sie als Lehrerin in Bremerhaven arbeiten – und sich somit selbst im Bildungsbereich engagieren.

Wen interessiert die "Seute Deern"? Die Politik sollte sich um wichtigere Themen wie Bildung kümmern.

Melina Klupp, 16, Schülerin

Hier können Sie teilnehmen:

Das sagt der Arbeiter

Ein Mann guckt in die Kamera.
Andreas Speetzen hat in Bremerhaven kein geeignetes Zuhause für seine Familie gefunden.

Andreas Speetzen hingegen ist sehr wichtig, was andere über seine Heimatstadt denken. Der 59-Jährige ist in Bremerhaven-Lehe geboren. Er wäre auch gerne hier geblieben, doch es fehlte an passendem Wohnraum. Er habe kein geeignetes Haus oder eine Wohnung für seine Familie gefunden. Deshalb zog er mit seiner Frau und seiner Tochter nach Imsum im Landkreis Cuxhaven. Es gebe in Bremerhaven zwar viele billige Wohnungen, die seien aber heruntergekommen, sagt er.

Die Politik müsse sich dafür einsetzen, dass insbesondere in Lehe ältere Immobilien saniert werden. Lehe habe durchaus seinen Charme. Außerdem müssten die Verantwortlichen darauf achten, dass keine sozialen Brennpunkte entstehen. Und auch für die Wirtschaft müsse etwas getan werden. Durch die Werftenkrise seien etliche Facharbeiter weggezogen.

Bremerhaven habe aber auch schöne Seiten. Sein Job als Schiffszimmermann führt ihn jeden Tag in die Seestadt. Er liebt die Küste. Als Highlight der Stadt nennt er die Havenwelten.

Wir haben ja die Havenwelten hier bekommen, das ist schon mal gut. Aber gerade wirtschaftlich muss hier noch viel passieren. Da ist ja in der Vergangenheit viel schiefgegangen bei den Werften und in der Windbranche.

Andreas Speetzen, 59, Schiffszimmermann

Das sagt die Seniorin

Eine Frau lächelt in die Kamera.
Doris Schmidt wünscht sich, dass die Politik mehr in Bildung investiert.

Doris Schmidt ist in Bremerhaven aufgewachsen. Sie erinnert sich noch gut an die 60er. "Da war die lange Hafenstraße hier noch unheimlich belebt und beliebt", sagt sie. Die Werftenkrise und das Scheitern der Windenergiebranche hätten der Stadt geschadet. "Bremerhaven war früher nicht das Armenhaus." Heute sei vieles verkommen.

Bremerhaven sei eigentlich eine schöne Stadt. Den Deich, die Schiffe, die Weser – all das liebe sie. Aber die Politik würde viele Probleme in der Stadt ignorieren, wie etwa das Thema Bildung. Kinder aller Schichten brauchen Unterstützung, sagt sie.

Wo nachgebessert werden muss, das ist die Bildung. Ich finde sie hier katastrophal.

Doris Schmidt, 69, Seniorin

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Mittag, 13. Februar 2020, 12:45 Uhr