Meinungsmelder

"Seute Deern"-Befragung: Klare Mehrheit sieht Abwracken als Lösung

Eindeutiges Ergebnis: Nur 23 Prozent der Teilnehmer unserer Meinungsmelder-Befragung sprechen sich dafür aus, das schwer beschädigte Schiff zu sanieren.

Die Seute Deern liegt beschädigt und mit Wasserpumpen im Museumshafen.
Die "Seute Deern" liegt vor dem Deutschen Schifffahrtsmuseum im Museumshafen und wird von Pumpen über Wasser gehalten.

An der "Seute Deern" scheiden sich die Geister. Seit Monaten dreht sich die Debatte um Abwracken oder Sanieren – letzteres für voraussichtlich 30 Millionen Euro. Der Stiftungsrat des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven entscheidet darüber am Mittwoch. Wir haben die Debatte zum Anlass für eine Befragung zur Zukunft des Schiffes genommen. Auf die Frage "Was sollte mit dem Traditionsschiff 'Seute Deern' Ihrer Meinung nach passieren?" hat sich eine klare Mehrheit unserer Befragten dafür ausgesprochen, dass das Schiff abgewrackt werden sollte – und zwar 62 Prozent. Auffällig ist hierbei, dass sich auch die Bremerhavener mit 63 Prozent deutlich pro Abwracken positionieren.

Die Seute Deern in Bremerhaven

Für eine Sanierung sprechen sich 23 Prozent aller Befragungsteilnehmer aus. Der Hauptgrund unter den Begründungen ist die historische Bedeutung, gefolgt von der Funktion der "Seute Deern" als Wahrzeichen. Zwölf Prozent der Befragten können sich nicht eindeutig entscheiden und machen andere Vorschläge. Eine häufig genannte Idee ist, die "Seute Deern" nur teilweise zu sanieren und anschließend an Land auszustellen. Dies solle Kosten sparen.

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Gutachten bescheinigt Totalschaden

Im Februar war auf dem letzten hölzernen Frachtsegler Europas im Bremerhavener Museumshafen ein Feuer ausgebrochen. Im August sackte die Bark im Hafenbecken ab. Es folgte eine aufwendige und kostspielige Bergung. Seitdem verhindern Hochleistungspumpen eine erneute Havarie. Einen Tag nach unserer Meinungsmelder-Befragung bescheinigte ein Gutachten dem Schiff einen "konstruktiven Totalschaden", was den Aufwand einer Sanierung weiter steigern würde. Außerdem wird ein Abtransport aufgrund des Zustands nicht empfohlen.

Das verbinden die Befragungsteilnehmer mit der "Seute Deern"

Auf die Frage "Was verbinden Sie mit dem Museumsschiff 'Seute Deern'?" wählten die meisten Meinungsmelder die Antwortmöglichkeit "kostspielige Sanierung". Die am zweithäufigsten genannte Antwort ist das Deutsche Schifffahrtsmuseum, dem der Dreimaster zur Gründung 1971 geschenkt wurde. Auf Platz drei folgt das Schiff als Wahrzeichen Bremerhavens. Betrachtet man jedoch nur die Bremerhavener Teilnehmer, ergibt sich ein anderes Bild: Hier steht die Bedeutung als Restaurantschiff an erster Stelle, gefolgt von der kostspieligen Sanierung und dem Museum. Nur neun Prozent der Bremerhavener verbinden mit dem Schiff gar nichts, diese Angabe fällt mit 19 Prozent in Bremen deutlich höher aus.

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In den Kommentaren nennen die Teilnehmer weitere Dinge, die sie mit der "Seute Deern" verbinden, darunter Erinnerungen an Kindheit, Hochzeiten oder Feste. Nicht als Wahrzeichen empfinden andere Teilnehmer das Schiff, weil es nicht in Bremerhaven gebaut wurde. In anderen Kommentaren gibt es Kritik am generellen Umgang mit Museumsschiffen und Geld.

Warum hatte das Museum das nicht im Blick? Der Zustand war länger bekannt. M.E. ein Versäumnis des Museums, das die Kosten nun nicht auf Bremen abwälzen sollte. Will es denn ein Museum ohne Schiffe werden? Den Museumsbestand nicht zu pflegen, sehe ich als großes Versäumnis des Museums an.

51-jähriger Meinungsmelder aus Bremen

Bei den begründeten Antworten sind Kostengründe das häufigste Argument. Viele Befragte gaben an, eine Sanierung sei zu teuer und das Geld werde an anderer Stelle dringender benötigt, etwa bei der Bildung oder dem Klimaschutz. Andere genannte Gründe sind zum Beispiel, dass zu lange nicht gehandelt wurde und der Zustand des Schiffs inzwischen zu schlecht sei.

Es gibt so viele wichtige "Baustellen", für die Geld verwendet werden kann, um Menschen direkt zu helfen. Diese Hilfen oder Verwendungsmöglichkeiten haben für mich Vorrang vor kostspieligen Rettungen von Denkmälern.

Männlicher Meinungsmelder

Kulturdenkmäler wegen historischer Bedeutung wichtig

Warum Kulturdenkmäler überhaupt schützenswert sind, ist für Dreiviertel der Teilnehmer klar: wegen ihrer historischen Bedeutung. Bemerkenswert: Jüngere finden dies tendenziell noch wichtiger als Ältere. Fast die Hälfte der Befragten meint, Kulturdenkmäler sollten geschützt werden, wenn sie typisch für die Region sind.

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In den Kommentaren zu unserer Befragung nennen die Teilnehmer weitere Gründe, warum Kulturdenkmäler geschützt werden sollten, darunter auch, dass sie einzigartig sind. Die Hälfte der Meinungsmelder gibt an, dass ihr maritime Kulturdenkmäler eher wichtig sind. Sie erklären jedoch in den Kommentaren, dass der Erhalt abhängig von den erforderlichen Kosten, dem Zustand oder den Instandhaltungskosten ist. Neben der "Seute Deern" liegen im Alten Hafen von Bremerhaven eine Reihe weiterer Museumsschiffe.

Die Seute Deern hat, außer der Tatsache, dass sie seit 1966 in Bremerhaven liegt, überhaupt keinen Bezug zur Stadt. Sie wurde in den USA gebaut und in diversen Werften umgebaut bzw. repariert. Für
das gesparte Geld sollte ein Segler (oder anderes Schiff) gekauft, hergerichtet und ausgestellt werden, der einen echten Bezug zur Stadt hat.

55-jährige Meinungsmelderin aus Bremen

Kulturhistorische Denkmäler sind unwiederbringliche Zeitzeugen ihrer Epoche. Auch zukünftige Generationen sollten die Möglichkeit haben, sich ein Bild über die Lebensbedingungen vergangener Generationen zu machen. Die Denkmäler, die den Krieg überstanden haben, sollten erhalten werden.

57-jähriger Meinungsmelder

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Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 23. Oktober 2019, 7:40 Uhr