Meinungsmelder

Per Mausklick oder im Laden? So shoppt Bremen

Wann schlägt das Internet den Einzelhandel und warum? Die Meinungsmelder-Befragung zeigt: Ausschlaggebend ist dabei gar nicht unbedingt der Preis, sondern andere Kriterien.

Menschen mit Einkaufstaschen in einer Fußgängerzone.
Mit vollen Tüten durch die Innenstadt: eine von mehreren Einkaufsvarianten, die die Meinungsmelder nutzen. Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Meinungsmelder Michael Klänhardt sagt es frei heraus: Er kaufe gern online ein, "weil es so bequem ist, und weil eine unendliche Auswahl vorhanden ist, für die man beim normalen Einkauf weite Wege in Kauf nehmen müsste."

Der überwiegende Teil der Radio Bremen Meinungsmelder schätzt kleine Läden, um vor Ort einkaufen gehen zu können. Und hat beim Einkauf auch die Umweltverträglichkeit im Hinterkopf. Für die Frage, wovon sie ihren Einkauf abhängig machen, sind aber in erster Linie praktische Aspekte entscheidend: darunter die Entfernung zum Geschäft, die Auswahl an Produkten oder eben die Bequemlichkeit.

Kriterien für den Ort des Einkaufs

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Haben noch vor wenigen Jahren vor allem jüngere Konsumenten viel über das Internet eingekauft, so verteilen sich die Freunde des Online-Handels inzwischen auf alle Altersgruppen. Obwohl die meisten Befragten die Einkaufsmöglichkeit um die Ecke nicht missen wollen. Und obwohl die meisten vermuten, dass eben dieser Onlinehandel Hauptverursacher für das Ladensterben in der Innenstadt ist. Meinungsmelder Rolf Dressler nennt wesentliche Gründe für diese Entwicklung hin zum Einkauf per Mausklick: "Ich bin jetzt im 70. Lebensjahr, die Kräfte lassen nach und das Einkaufen vor Ort fällt mir schwer. Hinzu kommt meine persönliche Abneigung gegen Gedränge – sowohl in den öffentlichen Verkehrsmitteln als auch an den Kassen in den Märkten."

Frau mit Sonnenbrille steht in einem Park und spricht

Was die Meinungsmelder im Internet kaufen

Typischerweise kaufen die Radio Bremen Meinungsmelder vor allem solche Produkte über den Online-Handel, für die sie keine Beratung benötigen und die sie "weder anprobieren noch ausprobieren" müssen, wie Dirk Oppermann zusammenfasst: insbesondere Eintrittskarten, Filme, Musik, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften oder auch Elektrogeräte.

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Uta von Sohl aus Nienburg führt noch ein weiteres Argument für den Einkauf via Internet an: die bessere Auffindbarkeit von Produkten jenseits der Massenware. Sie kaufe dort Artikel, die in Geschäften kaum zu finden seien. Als Beispiel nennt sie außergewöhnliches Briefpapier.

So punktet der Einzelhandel

So beliebt und verbreitet das Online-Shoppen inzwischen auch ist: Es gibt auch Kunden, die ganz bewusst nach Möglichkeit gar nicht im Internet einkaufen. So erklärt die 35-jährige Mareike Vierk: "Bevor ich etwas kaufe, schaue und fasse ich es gerne an. Das kann ich online nicht, und der eventuelle Rückversand ist mir zu nervig." Aus diesen Gründen ziehe sie die gemeinsame Shoppingtour durch Geschäfte vor, meist mit einer Freundin: "So verbringt man dann noch Zeit zusammen".

Die 30-jährige Mara Roß führt zudem die "Beratung vor Ort" als Argument für den Kauf vor Ort ins Feld. "Mein größtes Problem beim Online-Shopping ist aber der Versand und die daraus resultierenden Emissionen", fügt sie hinzu. Sie wolle sich keine "Waren in kleinen Paketen, meist doppelt und dreifach verpackt bis vor die Haustür" liefern lassen.

Einkaufswelt ist im Umbruch

Passanten in der Bremer Innenstadt
Innenstadt versus Internet: oft eine Frage der Bequemlichkeit.

So wie Mara Roß denken zwar viele Kunden. Aber nur wenige handeln so konsequent wie sie. Das ergibt sich nicht nur aus der Meinungsmelder-Befragung. Auch Mark Alexander Krack, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Niedersachsen-Bremen, stellt fest: "Praktische Aspekte spielen beim Kaufverhalten der Kunden die viel größere Rolle als Aspekte des Umweltschutzes".

Nicht umsonst lege der Online-Handel immer noch schneller zu als der Handel insgesamt: Die Zuwachsraten lägen im oberen einstelligen Prozentbereich, beim gesamten Handel dagegen lediglich bei etwa 2 Prozent. Dabei verwische inzwischen die Trennlinie zwischen Online- und stationärem Handel zusehends, sagt Krack. Denn immer mehr Unternehmen versuchten, mehrere Kanäle zugleich zu nutzen: Versand-, Online- und stationären Handel miteinander zu verbinden.

Meinungsmelder Rolf Dressler hat noch eine weitere Variante des Einkaufs für sich entdeckt: Er gehe einmal wöchentlich ins Einkaufszentrum und lasse sich die gekaufte Ware "für einen relativ kleinen Betrag nach Hause liefern. Auf diese Weise entfällt die mühsame Schlepperei", schwärmt er und resümiert: "Mir gefällt diese Art des Einkaufens sehr."

Die Ergebnisse der Befragung im Überblick

Mehr zum Thema:

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. September 2019, 19:30 Uhr