Meinungsmelder

Viele Bremer wünschen sich mehr Diskussionen über Integration

Fünf Jahre nach Angela Merkels berühmtem Ausspruch "Wir schaffen das" sehen die Radio Bremen Meinungsmelder in der Zuwanderung Chancen und Risiken zugleich.

Die ersten Bewohner ziehen 2015 in das Übergangswohnheim an der Scharnhorst-Kaserne in Bremen. (Archivbild)
Ein Archivfoto von hohem symbolischen Wert: Bewohner ziehen 2015 in das Übergangswohnheim in der Bremer Scharnhorst-Kaserne. Bild: Imago | nph

Genau fünf Jahre liegt es zurück, da sorgte Angela Merkels Ausspruch "Wir schaffen das" für Aufsehen. Über eine Million Flüchtlinge, die meisten davon aus Syrien, meldeten sich ab 2015 bis März 2016 zur Erstregistrierung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Etwa 13.500 von ihnen kamen nach Bremen.

Meinungsmelder sehen Gesprächsbedarf zu Zuwanderung

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An der Frage, inwiefern es Deutschland und Bremen in den vergangenen fünf Jahren tatsächlich "geschafft" haben, die Zuwanderer zu integrieren, mögen sich die Geister scheiden. In der öffentlichen Diskussion aber spielt das Thema aus Sicht vieler Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder inzwischen eine eher untergeordnete Rolle. 53 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen heute zu wenig über Zuwanderung diskutiert wird.

Dass zu den Themen Zuwanderung und Integration erheblicher Diskussionsbedarf besteht, spiegelt sich nicht nur in der statistischen Auswertung der Meinungsmelder-Befragung wider, sondern auch in den persönlichen Statements der Befragten.

Jens Röhrs etwa glaubt: "Die meisten Bremer denken kritisch, trauen sich aber nicht mehr, offen über Probleme der Zuwanderung zu sprechen, weil man sonst sofort rechts abgestempelt wird, vielleicht sogar als Nazi beschimpft wird."

Ganz anders sieht es Ferdinand Rogge.

Es liegt auch an uns, sie in unsere Mitte einzuladen.

Meinungsmelder Ferdinand Rogge

Dass die hiesige Bevölkerung Zuwanderer aber tatsächlich in unsere Mitte einlädt, geschieht aus Sicht von Petra Knuth nur selten. Sie sagt zum Thema Zuwanderung: "Deutschland tut sich schwer damit, es als Chance wahr zu nehmen, und darum ist es für Menschen, die jetzt noch kommen, auch ein Risiko."

Damit liegt Knuth auf einer Linie mit Bernd K. "Es gibt noch viel zu tun, insbesondere im Punkt Perspektive für diese Menschen. Wer nicht sicher ist, ob er bleiben darf, kann nicht erfolgreich integriert werden", sagt er.

Meinungsmelder finden Zuwanderung so chancenreich wie riskant

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Den sehr gemischten Erfahrungen mit Deutschlands Erfolgen bei der Zuwanderung entsprechend, kommen die Radio Bremen Meinungsmelder bei der Abwägung darüber, ob Zuwanderung mehr Chancen oder Risiken für Deutschland birgt, zu einem fast ausgeglichenen Ergebnis. 42 Prozent der Befragten sehen vor allem Chancen, 40 Prozent vorrangig Risiken.

Als chancenreich betrachten viele Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder Zuwanderung insbesondere mit Hinblick auf den Fachkräftemangel in Deutschland sowie auf den demographischen Wandel. Riskant finden viele Befragte Zuwanderung, weil sie eine Belastung der Sozialsysteme fürchten und sich vor Gesetzesverstößen durch Zuwanderer sorgen.

Geschafft, nicht geschafft oder noch zu schaffen?

Den facettenreichen Befragungsergebnissen entsprechend lassen sich die wenigsten Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder darauf festlegen, ob "wir" es nun im Sinne Angela Merkels "geschafft" haben oder nicht. Typisch sind dagegen differenzierte Aussagen wie dieses Fazit einer Meinungsmelderin aus Bremerhaven: "Wir haben es noch nicht geschafft, es ist noch viel Arbeit, damit die Integration abgeschlossen ist. Aber nach wir vor ist der Satz "Wir schaffen das" richtig." Man müsse ihn nur als Ziel begreifen.

Um sich diesem Ziel weiter zu nähern, erklärt eine anderen Meinungsmelderin, müsse sich unsere Gesellschaft nun der Frage zuwenden: "Wie schaffen wir das?" Auch in dieser Frage zeigt sich: Der Diskussionsbedarf unter den Radio Bremen Meinungsmeldern zum Thema Zuwanderung ist groß.

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 31. August 2020, 19:30 Uhr