Meinungsmelder

Trotz Corona: Meinungsmelder sind mehrheitlich für Regelunterricht

Die Mehrheit der Radio Bremen Meinungsmelder unterstützt die Entscheidung des Senats, mit dem Unterricht regulär zu beginnen. Ein großes Manko sehen sie jedoch.

Schülerinnen und Schüler einer sechsten Klasse stehen vor Beginn des Unterrichts mit Mund-Nase-Masken vor ihrem Klassenraum.
Bildunterschrift! Bild: DPA | Gregor Fischer

Unterrichtsbeginn in Bremen: Ab Donnerstag herrscht in allen Schulen wieder Regelbetrieb. Eine Entscheidung, die vielfach diskutiert wurde. Ob es vertretbar ist, bei immer noch andauernder Pandemie in voller Klassenstärke zu unterrichten? Die Radio Bremen Meinungsmelder stimmen der Entscheidung des Senats mit großer Mehrheit zu.

Wie finden Sie die Rückkehr zum Regelbetrieb?

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Dass es richtig ist, im Land Bremen jetzt zum Regelunterricht unter Pandemiebedingungen zurückzukehren, darüber herrscht unter den 1.055 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Meinungsmelderbefragung große Einigkeit. Dabei wird unter anderem auch auf die Verhältnismäßigkeit hingewiesen.

Es wäre unvorstellbar, einer ganzen Generation die Bildung zu verweigern, während wir shoppen und rumreisen.

Bremerin (46) über den Schulbeginn

Eine Meinungsmelderin (51) aus Bremen sagt stellvertretend für viele: "Wenn sich alle an die Corona-Bestimmungen halten, sehe ich kein Problem. Wichtig ist der Abstand, ständige Frischluftzufuhr – und wenn nötig den Mund-Nasen-Schutz tragen." Die befragten Eltern haben mehrheitlich keine Bedenken, dass der Präsenzunterricht für ihre Kinder wieder startet.

Haben sie Bedenken, Ihr Kind beziehungsweise Ihre Kinder nach den Ferien wieder in die Schule zu schicken?

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Schule: Ja. Die Fragen ist eher, wie? Viele erkennen hier ein ganz großes Manko: Fast die Hälfte der Befragten hält die Schulen auf diese Ausnahmesituation für definitiv nicht bis eher nicht vorbereitet.

Inwiefern sind die Schulen auf das neue Schuljahr unter den aktuellen Bedingungen vorbereitet?

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Für Annette Kemp, Sprecherin des Bremer Bildungsressorts, trifft der Wert nicht die Realität. Die meisten Schulen seien gut vorbereitet: "Im März wurden alle ins kalte Wasser geworfen, das ist jetzt anders." Es gäbe Ablaufpläne und Handreichungen, für die Didaktik und Technik, für hygienische beziehungsweise medizinische Belange: "Wir haben das Rahmenkonzept vor den Ferien verschickt, damit Schulen sich vorbereiten können. Das wurde vielfach genutzt."

Einige Schulen haben abgewartet, was der Senat zur Maskenpflicht beschließt, um up-to-date zu sein.

Die Sprecherin der Bremer Bildungsbehörde, Annette Kemp
Annette Kemp, Sprecherin der Bremer Bildungsbehörde

Sie räumt ein, dass Eltern erst spät beispielsweise über Stundenpläne informiert worden seien: "Wir müssen uns auch an die eigene Nase fassen. Wir hätten einige Antworten vielleicht eher auf unserer Homepage haben  oder twittern können", räumt die Ressortsprecherin ein.

"Es wird vor allen Dingen das wahrgenommen, was schiefgeht. Es gibt auch genug Schulen, die schlecht vorbereitet sind“, meint Martin Stoevesandt, Vorstandssprecher des Zentralen Elternbeirats Bremen (ZEB) Bremen. Ihn verwundert das Befragungsergebnis nicht, doch ergreift er für die Schulen Partei: "Ich glaube aber, dass sich die Mehrheit der Bremer Schulen extrem gut vorbereitetet hat – so gut es derzeit eben geht. Der Eindruck ist schlechter als die Realität."

Jüngere sehen regulären Schulbetrieb kritischer

Bei den Einschätzungen gibt es keinen Unterschied zwischen denjenigen, die selbst Eltern oder Großeltern von schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen sind, und denen, die es nicht sind. Allerdings zeigen sich die jüngeren Befragten etwas kritischer. "Den Jüngeren fehlt die Gelassenheit", findet Stoevesandt. Zudem seien sie offener für digitalen Input. "Es gibt so viele Artikel zu diesem Thema, das schürt auch Paranoia."

Manche Befragte sehen den Schulstart unter den gegebenen Umständen für kritisch und finden deutliche Worte:

Alleine die fehlende Kommunikation der Schulleitung mit den Eltern finde ich eine Frechheit. Einerseits Schulpflicht, andererseits runtergefahrener Unterricht und Lehrer, die nicht krank werden dürfen, da dann nur noch reine Beaufsichtigung in großen Gruppen möglich ist. Da sollte nicht hingehen müssen, wer es anders regeln kann.

Bremer (47) über mangelnde Kommunikation

Dem stimmt der Sprecher des ZEB zu: Fehlende Kommunikation sei ein echtes Problem. Einige Schulen seien wochenlang regelrecht abgetaucht: "Deswegen verstehe ich die Frustration. Das ist ein echtes Thema. Viele haben das aber mittlerweile aufgeholt." Freiwilliges Homeschooling sei dennoch keine Option: "Ab Donnerstag gilt wieder die allgemeine Schulpflicht." Das bestätigt auch Annette Kemp aus der Bildungsbehörde: "Es besteht Schulpflicht und keine Option der Wahlfreiheit zwischen Präsenz- und Distanzunterricht."

Meinungsmelder fordert Halbklassen zum Schutz der Schüler und Lehrer

Eine Meinungsmelderin findet Präsenzunterricht zwar sinnvoll, allerdings kritisiert sie den Unterricht in kompletten Klassenverbänden.

Es ist sehr richtig, wieder mit dem Präsenzunterricht anzufangen. Aber Halbklassen mit halb Präsenz- und halb Onlineunterricht würde nicht nur die Risikogruppe der Lehrerschaft, sondern auch die der Schüler schützen. Die gibt es nämlich durchaus auch!“

Bremerin (59) über Unterricht in Halbklassen

Natürlich sei es aus Virologen-Sicht am optimalsten, wenn alle Zuhause blieben bis Corona vorbei ist, meint Stoevesandt. Allerdings sei dann auch die Wirtschaft hinüber. Außerdem sei es nicht möglich, in Halbgruppen dieselbe Menge an Unterrichtsstoff zu vermitteln – was insbesondere für die Abschlussjahrgänge relevant ist. "Dass es weitergeht, ist sinnvoll. Und ja: Dabei werden Infektionen in Kauf genommen. Aber es geht darum, dafür zu sorgen, dass das Gesundheitssystem den Virus bewältigen kann."

Die Bildungsbehörde hält Präsenzunterricht für wichtig, so Sprecherin Kemp: "Präsenzunterricht bietet zudem die Möglichkeit, soziales beziehungsreiches und fachliches Lernen wieder in direktem Austausch und direkter Kooperation mit Mitschülern und Mitschülerinnen und Lehrkräften zu stärken. Das ist für die Entwicklung vieler Kinder und Jugendlicher unglaublich wichtig. Hinzu kommt, dass wir aus Sicht des Kindeswohls handeln und alle Schülerinnen und Schüler gerne sehen."

Eine ehemalige Lehrerin weißt darauf hin, "dass es sowohl für die Lehrenden als auch für die Schülerinnen wichtig ist, wieder in gewohnter Umgebung zu lernen."

Die richtige Lernatmosphäre schafft auf Dauer kein digitales Gerät.

Bremerin (50) zu digitalem Lernen

Kemp unterstreicht das: "Beschäftigte in Schulen und soziale Interaktion sind durch kein Gerät zu ersetzen." Und auch Stoevesandt unterstützt diese Aussage mit einem "empathischen Ja." Schließlich werde deutlich darauf hingewiesen, wie wichtig und unersetzbar der persönliche Kontakt sei. "Wir reden ja immer von Bildungsgerechtigkeit. Für Kinder, für die Schule eine zweite Heimat ist, ist ein Ipad kein Ersatz", so der ZEB-Sprecher.

Bildungssenatorin Bogedan zur Schulöffnung mit Maskenpflicht

Video vom 25. August 2020
Bildungssenatorin Claudia Bogedan im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Johanna Ewald

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. August 2020, 19:30 Uhr