Darum fehlen in Bremen Physiotherapeuten

Wenige Menschen entschließen sich zu einer Ausbildung zum Physiotherapeuten – dabei ist der Patientenandrang hoch. Eine wesentliche Rolle spielen die Kosten.

Junge Physiotherapeutinnen bei einer Behandlung

Physiotherapeuten behandeln Menschen mit Schlaganfällen, Rückenproblemen, Knochenbrüchen oder sonstigen Bewegungseinschränkungen und helfen ihnen wieder auf die Beine. Doch nicht jeder Patient hat das Glück, schnell an einen Therapieplatz zu kommen. Lange Wartezeiten sind an der Tagesordnung, da es an Fachkräften mangelt – obwohl sie dringend gebraucht werden.

In Bremen gibt es insgesamt 56 Ausbildungsplätze für den Beruf des Physiotherapeuten, etwa 50 der Auszubildenden schließen ihre Lehre nach drei Jahren ab und steigen in den Beruf ein. Bleibt es dabei, ist ein Fachkräftemangel absehbar: lm Jahr 2020 würden bereits 136 Physiotherapeuten fehlen, 2035 sogar 427 – und das allein im Land Bremen. Um einen Arbeitsplatz müssen sich die Auszubildenden jedenfalls keine Gedanken machen.

Wir sind Mangelware. Obwohl wir noch ein Jahr in der Ausbildung sind, bekommen viele von uns bereits Angebote für eine Stelle.

Swantje Henseler, Auszubildende

16.000 Euro Ausbildungskosten

Der Bedarf an Krankengymnastik wächst, und das nicht nur, weil die Menschen immer älter werden. Patienten werden heutzutage schneller aus den Krankenhäusern entlassen. Zudem sitzen viele Menschen im Beruf immer öfter und länger – die Folge sind Rückenprobleme.

Doch der Beruf des Physiotherapeuten ist für viele unattraktiv. Einer der Hauptgründe ist die Bezahlung. Die angehenden Physiotherapeuten wissen von Beginn an, dass die Ausbildung sie nicht nur körperlich fordern, sondern auch das Ersparte kosten wird. Die monatlichen Schulkosten von 460 Euro summieren sich in drei Jahren Ausbildungszeit auf insgesamt 16.000 Euro. Ein ausgelernter Physiotherapeut verdient rund 2.100 Euro brutto.

Staatliche Unterstützung

Die Verbände fordern schon lange eine Abschaffung der Schulkosten und können einen ersten Erfolg verbuchen: Ab Oktober dieses Jahres erhalten Auszubildende vom Land Bremen einen finanziellen Zuschuss von 190 Euro im Monat. Damit kommt jetzt auf die angehenden Therapeuten Schulgeld in Höhe von 270 Euro zu. Doch damit nicht genug. Auch Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt kämpft mit den Krankenkassen für eine Schulkostenbefreiung.

Wir verhandeln nach wie vor mit den Krankenkassen und sind auf der Zielgeraden. Noch haben sich nicht alle Kassen mit uns über einen Kooperationsvertrag verständigt. Dennoch bin ich guten Mutes, dass uns dies gelingen wird und wir in die Schulgeldfreiheit einsteigen können.

Eva Quante-Brandt, Gesundheitssenatorin

Sind die Verhandlungen erfolgreich, könnte sich das Ergebnis bereits am 1. Januar 2019 zeigen. Dann wäre der Weg auch für die interessierten jungen Menschen frei, die sich die Ausbildung bisher nicht leisten konnten.

  • Maike Albrecht

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. September 2018, 19:30 Uhr