Lässt die Geschäftsführung die Bremer Flugschule ausbluten?

Die Leitung der Lufthansa-Pilotenschule bemüht sich nach buten-un-binnen-Informationen nicht um Aufträge der Bundeswehr und der Fluglinie ANA. Die könnten die Existenz der Schule sichern.

Video vom 7. Oktober 2020
Die Flugschule Lufthansa Aviation Training European Flight Academy in Bremen von außen.
Bild: Radio Bremen

Die japanischen Fluglinie All Nippon Airlines (ANA) hat derzeit etwa 40 Flugschüler zur Ausbildung in Bremen. Wenn diese Mitte 2022 ihre Pilotenlizenz haben, würde die japanische Airline gern neue Flugschüler nach Bremen schicken. "Aber die Geschäftsführung der Flugschule hat den bestehenden Vertrag gekündigt und zögert neue Verhandlungen heraus", sagt der Vorsitzende der Personalvertretung der Flugschule, Peter-Helmut Hahn. Dabei brauche die Flugschule einen so großen Kunden wie die ANA, um überlebensfähig zu bleiben.

Zusammen mit einem zweiten großen Kunden könne man die Schule dann weiter betreiben. Und auch der steht schon vor der Tür: Die Bundeswehr möchte ihre Transportflieger und Drohnenpiloten in Bremen ausbilden lassen. Aber auf eine entsprechende Ausschreibung des Verteidigungsministeriums hat die Leitung der Flugschule kein Angebot für Bremen abgegeben.

Konzern-Tarifvertrag gilt in Rostock nicht

Die Lufthansa will die Bundeswehr-Piloten nämlich in ihrer Flugschule in Rostock ausbilden. Dort gilt der Konzern-Tarifvertrag nicht. Die Beschäftigten in Rostock arbeiten zu erheblich niedrigeren Löhnen als in Bremen.

Deshalb hat Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) das Ganze jetzt zur Chefsache gemacht. Er erwarte von der Lufthansa, dass sie der Bundeswehr ein Angebot macht für die Ausbildung in Bremen. Das habe er dem Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr in einem Telefonat deutlich gemacht. "Es darf keine Tarif-Flucht geben und die Lufthansa als Unternehmen, das derzeit mit Milliarden öffentlicher Mittel gefördert wird, muss sich hier seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein", so Bovenschulte.

Wann hat man mal die Chance, dass ein Auftraggeber genau sagt: 'Ich will an Eurem Standort die Ausbildung weiterführen.' Da wäre es doch grotesk wenn die hiesige Flugschule kein Angebot abgibt, um zu sagen: 'Wir wollen das weiterführen.'

Andreas Bovenschulte, Bremer Bürgermeister (SPD)

Plan B in der Hinterhand

Personalvertreter Hahn befürchtet, dass die Flugschule in Bremen nun Mitte 2022 geschlossen wird, wenn es der Politik nicht gelingt, die Lufthansa umzustimmen. Wie buten un binnen erfuhr, gibt es schon erste Pläne und Gespräche, Gebäudeteile und auch Dozenten der Bremer Flugschule für den Betrieb der nautischen Studiengänge der Hochschule Bremen zu nutzen. Ein Plan B offenbar, damit es keinen Leerstand dort gibt, auch wenn die Schule schließt oder extrem verkleinert wird.

Die Belegschaft ist bereit, zur Rettung der Flugschule Bremen beizutragen. Aber die Geschäftsleitung redet mit uns darüber nicht.

Peter-Helmut Hahn, Vorsitzender der Personalvertretung

Lufthansa weicht aus

Der zuständige Sprecher des Lufthansa-Konzerns wollte sich  auf Anfrage nicht konkret zu Schließungsplänen oder Verhandlungen mit der Bundeswehr und ANA äußern. Nur so viel: Man sei bemüht die Standorte der Lufthansa-Flugschulen zu halten. Wegen der derzeitigen Krise in der Luftfahrt allerdings in einer "restrukturierten Form".

Wie geht es für die Lufthansa-Flugschule Bremen weiter?

Video vom 23. September 2020
Ein Schild vor einem Gebäude trägt die Aufschrift "European Flight Academy".
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Andreas Neumann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Oktober 2020,19:30 Uhr