Fragen & Antworten

Warum das Bremerhavener Schifffahrtsmuseum nun in neuem Licht strahlt

Bremerhaven hat eine neue nächtliche Attraktion: Das DSM macht seine Fassade zur leuchtenden Bühne. Am Einheitswochenende steht zudem ein besonderes Exponat im Mittelpunkt.

Ein langer flacher Bau ist in buntem Licht angestrahlt.
Die Fassade des Schifffahrtsmuseum erstahlt mit einer neuen Lichtinstallation dauerhaft in weithin sichtbarer Weise. Bild: DSM | Hauke Dressler

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) öffnet sich mit einer neuen Lichtinstallation zur Stadt hin. Die dauerhafte Installation "Frame" – also Rahmen – illuminiert den Bangert-Bau weithin sichtbar und soll eine Bühne für die Themen des Museums bieten. Und ist ein besonderes Fotomotiv für Bremerhavener und Besucher. Am Feiertagswochenende hat das DSM verlängerte Öffnungszeiten, ermäßigten Eintritt und thematische Abendführungen im Programm. Außerdem setzen audiovisuelle Künstler einen historischen Gezeitenrechner aus der DDR in Szene.

Was ist neuerdings auf der DSM-Fassade zu sehen?
Mit Einbruch der Dämmerung erstrahlt der Bangert-Bau nun im Lichte von ober- und unterhalb der Fensterfront angebrachten LED-Bars. "Der Lichtrahmen 'Frame' inszeniert den großformatigen Museums-Komplex und bietet eine Bühne für die Themen", sagt Konzeptentwickler Helmut Maternus Bien. Meer, Mensch, Klima und Wetterphänomene lassen sich in diverse Farbfacetten übersetzen – von eisblau bis nordlichtgrün. Zunächst wird die Anlage den Rhythmus der Gezeiten in einer Lichtchoreografie auf die Fassade werfen. Damit öffne sich das Museum in Richtung Freilichtgelände und Stadt, als dauerhafter Teil des nächtlichen Panoramas. Durch die Lichtinstallation werde das Schifffahrtsmuseum wie ein Leuchtfeuer in die Stadt hineinstrahlen und damit für die Öffentlichkeit schon von Weitem sichtbar und erlebbar, sagt Wissenschafts- und Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD), die das Projekt gefördert hat. Es verdeutliche das Bestreben des DSM ein Ort der innovativen Wissensvermittlung zu sein.
Wie funktioniert die Lichtinstallation?
Die Anfangsphase soll erst ein Vorgeschmack auf die interaktiven Nutzungsmöglichkeiten der Anlage sein, denn der "Frame" kann das gesamte Farbspektrum abbilden. Tagsüber sind die Lichtleisten kaum zu erkennen. Abends dafür umso deutlicher, wenn sie das Gebäude in weiches, schattenloses Licht tauchen. "Personen, die im Rahmen stehen, fühlen sich, als würden sie das Licht greifen oder von einem Nebel aus Licht umgeben werden – es ist ein sehr körperliches Erlebnis", beschreibt Christoph Geiger das Gefühl. Er ist am DSM für den Bereich Szenografie verantwortlich und von der Qualität der Installation fasziniert. Insgesamt stehen 98 einzeln steuerbare LEDs zur Verfügung, die ein statisches oder auch sich bewegendes Licht in unendlich vielen Farben generieren können.
Eine große Maschine ist hell beleuchtet.
Ein historischer Gezeitenrechner aus der DDR wird zum Einheitswochenende besonders in Szene gesetzt. Bild: DSM | Hauke Dressler
Was ist anlässlich des Einheitswochenendes geplant?
Im Schifffahrtsmuseum werden Moderne und Historie verbunden, sagt Direktorin Sunhild Kleingärtner. Darum eigne sich das Einheitswochenende hervorragend für den Start der neuen Lichtinstallation. Anlässlich des 30. Jahrestages der Wiedervereinigung gibt es zusätzlich eine Licht-Sound-Projektion rund um den Gezeitenrechner aus DDR-Zeiten. Der Rechner aus dem Jahr 1955 wird bis zum 4. Oktober mit Projektionen szenisch bespielt. Das schrankgroße Modell aus kommunistischer Zeit wurde auf Betreiben des russischen Militärs in der DDR gebaut. Ziel war es, Daten unabhängig vom Hydrographischen Dienst der BRD zu generieren. "Der Gezeitenrechner zeigt deutlich die Absurdität der deutschen Teilung. Er wurde aus rein strategischen und symbolischen Gründen gebaut, um beim sich auferlegten Spitzenniveau der Gegenmächte im Kalten Krieg mitzuhalten", sagt Wissenschaftshistoriker Martin Weiss vom DSM. "Als er zum Einsatz kam, war er schon überholt."

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. September 2020, 19:30 Uhr