Interview

Dieser Polizist will Homosexuellen die Angst vor der Polizei nehmen

Die Polizei Bremen hat einen neuen Ansprechpartner für Lesben, Schwule, Trans- und Interpersonen (LGBTI). Im Interview spricht Daniel Blida über seine Arbeit.

Daniel Blida von der Polizei Bremen vor einer Regenbogenflagge
Die Anlaufstelle für Lesben, Schwule, Trans- und Interpersonen gibt es seit 2014. Jetzt hat sie ein neues Gesicht: Daniel Blida übernimmt für seinen Vorgänger Sven Rottenberg. Bild: Polizei Bremen
Herr Blida, mit welcher Motivation haben Sie diese Aufgabe übernommen?
Letzten Endes steht für mich die Freiheit des Einzelnen im Vordergrund. Die Community hat sich in den letzten 30 bis 40 oder auch mehr Jahren ihr Recht erstritten und ich finde es ganz toll, dass wir als Polizei dafür einstehen können. Wenn man einfach mal auf die Straße guckt, wie viele gleichgeschlechtliche Paare man in dem letzten halben Jahr gesehen hat, die Hand in Hand gelaufen sind oder sich auch in der Öffentlichkeit geküsst haben, dann werden die meisten wahrscheinlich passen müssen. Das ist aber letztlich eine Freiheit, die uns allen zusteht. Das gilt für alle Menschen in diesem Land. Und das finde ich unglaublich toll, dass ich daran mitarbeiten kann, dass ich diese positive Polizeiarbeit machen kann. Ich möchte für dieses sensible Thema gerne ein sicherer Hafen sein. Ich habe unglaublich viel positives Feedback darauf bekommen – innerhalb der Community und auch innerhalb der Kollegenschaft. Dafür bin ich sehr dankbar.
Wie sieht ihre Arbeit denn konkret aus?
In erster Linie ist es natürlich Aufklärungs- und Präventionsarbeit. Sowohl intern als auch extern. Und vorne weg die Unterstützung von Opfern, die in den Bereich homophobe und transphobe Straftaten gehören. Viele Menschen glauben, dass wir diskriminierungsfrei sind, aber diskriminierungsfrei können wir nicht sein, wir können nur diskriminierungsbewusst handeln. Und dieses Bewusstsein versuche ich zu schärfen. Zum Beispiel bei Formulierungen wie "Was ist das für schwules Wetter heute?" – dass wir da einfach nicht ausgrenzen. Außerhalb, als auch innerhalb der Polizei. Ich bin da auch der Ansprechpartner für Kollegen, um eben die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Polizeiwagen mit Regenbogenstreifen und der Aufschrift: Proud to be Your Friend
Ein Polizeiwagen mit Regenbogenstreifen beim Christopher Street Day in Bremen. Bild: Radio Bremen | Heike Kirchner
Es gibt noch immer eine Reihe queerer Menschen, die noch Erinnerungen an den so genannten "Schwulenparagraphen", den Paragraphen 175 haben – und die deswegen Vorbehalte gegenüber der Polizei haben. Wie wollen Sie da mehr Vertrauen aufbauen?
Wir sind uns dieses Problems sehr bewusst. Genau aus diesem Grund haben wir 2014 diese Stelle geschaffen. Wir haben ein vertrauliches Postfach geschaffen, das lautet: "LSBTI@polizei.bremen.de". An das kann man sich wenden. Das wird auch nur von mir bedient. Alles, was da reingeht, wird vertraulich behandelt – wobei ich sagen muss, ich bin kein Pastor, ich habe eine Strafverfolgungspflicht. Dessen muss man sich auch bewusst sein. Wir wollen auch eine enge Kooperation mit dem Rat&Tat-Zentrum eingehen, gerade für den Bereich Migration. Weil ja auch in anderen Religionsgemeinschaften oder auch in der katholischen Kirche noch viele Vorbehalte herrschen.
Gibt es Zahlen für Bremen, wie oft Übergriffe auf Homosexuelle oder Transpersonen stattfinden?
Es gibt Zahlen, aber wir haben eine unglaublich hohe Dunkelziffer. Das heißt die Zahlen sind im Endeffekt zu niedrig und täuschen über die tatsächlichen Zahlen hinweg. Wir wollen mit der Aufklärungsarbeit dahin, dass sich Menschen trauen, zu uns zu kommen. Wir wissen auch, dass das natürlich nochmal mit einem Outing verbunden ist und wollen da die Furcht nehmen. Weil jede Anzeige, die nicht passiert, schützt am Ende die Täter. Das heißt der Täter fühlt sich frei, die nächste Straftat zu begehen und wir haben neue Opfer.

Autorin

  • Serafia Johansson

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. Januar 2020, 11:40 Uhr