Interview

An Aus An: Dieser Bremer Fotograf zeigt Leuchttürme auch mal anders

Karsten Klama hat für sein neues Buch einsame Leuchttürme besucht. Dabei bekam er Einblick in jahrhundertealte Technik und machte atemberaubende Fotos der Meereswächter.

Motiv aus dem Buch "AnAusAn"
Auf dem Leuchtturm "Norddorf" auf Amrum hat Karsten Klama die Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Tönnig, Dierk Hansen und Frank Heuer, bei der Arbeit begleitet. Bild: Karsten Klama

Er stieg viele Stufen hoch und runter, verrenkte sich in engen Räumen und streifte nachts durch Dünen: Der Bremer Fotograf Karsten Klama ist für sein neues Buch an der Nord- und Ostseeküste entlang gereist, um Leuchttürme zu fotografieren. Dreieinhalb Jahre hat er daran gearbeitet, rund 3.500 Fotos sind dabei entstanden. Die besten Aufnahmen sind in seinem neuen Fotoband "AnAusAn" zu sehen. Bei seiner Arbeit sind auch ungewöhnliche Aufnahmen hinter den Kulissen der Denkmäler entstanden.

Karsten Klama mit Kamera
Karsten Klama begleitete die Mitarbeiter der Schifffahrtsämter auf Booten zu den Türmen. Bild: Karsten Klama
Herr Klama, wie kamen Sie auf Leuchttürme?
Ich habe mich bei einem Flug über das Wattenmeer mal gefragt, wer eigentlich auf dem Leuchtturm "Hohe Weg" arbeitet. Ich wusste, dass alle Leuchtturmwächter längst an Land sind, da wohnt ja keiner mehr. Aber irgendeiner muss ja vorbeikommen und muss mal die Linse putzen oder die Lampe wechseln. Und dann habe ich gedacht: Das versuche ich jetzt mal rauszukriegen. Ich habe Kontakt aufgenommen zu den Wasser- und Schifffahrtsstraßenämtern und daraus ist das Projekt dann entstanden.
Wie sah Ihre Arbeit aus?
Ich bin mit den Technikern der Wasser- und Schifffahrtsstraßenämter rausgefahren. Bei manchen Leuchttürmen geht das nur mit dem Schiff. Und dann war ich zwei oder drei Tage, je nachdem, wie lange die Einsätze waren, mit denen auf den Leuchttürmen. Manchmal haben wir da auch übernachtet. Ich habe eine ganz normale Wartung bis hin zum Test der Feuermeldeanlage angeschaut und geguckt, was es eigentlich ausmacht, diese maritimen Denkmäler zu pflegen und zu warten. Denn wenn man mal ehrlich ist, muss man sich ja schon fragen: Warum braucht man diese Denkmäler noch? Es gibt ja längst Satellitennavigation, elektronische Seekarten – auf den Schiffen ist man ständig informiert über seine aktuelle Position.
Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Mich hat die Technik, die weit über 100 Jahre alt ist, doch sehr fasziniert. Da reinzuschauen und festzustellen, was diese Männer, die da arbeiten, alles machen: Wie die mit Messing arbeiten, etwas polieren oder wie sie tonnenschwere Prismen anheben mit einer Technik, die vor 100 Jahren entwickelt worden ist und die immer noch funktioniert.
Motiv aus dem Buch "AnAusAn"
Das ist Klamas Lieblingsmotiv: Christian Scheel (v.l.) und die Brüder Andreas und Jens Lucht tauschen die Lagerschalen des Drehgestells auf dem Leuchtturm "Greifswalder Oie". Bild: Karsten Klama
Haben Sie ein Lieblingsmotiv?
Ja, auf der "Greifswalder Oie" gab einen Moment, wo die Männer eine Lagerschale angehoben haben. Das ist ein Messingring mit einem Durchmesser von gut zwei Metern, wo diese riesige Optik vom Leuchtturm drauf thront. Da mussten drei Männer anfassen und diese Lagerschale ausheben. Und da hatte ich so das Gefühl: Das ist jetzt das, worum es hier geht. Man kann das nicht fernwarten, man kann das nicht alleine machen, man braucht mehrere Männer, man muss wirklich auch genau wissen, wie man auf diesem engen Raum welche Handgriffe macht. Da dachte ich: Das ist jetzt das Motiv.
Ist das auch Ihr persönlicher Lieblingsleuchtturm?
"Greifswalder Oie" ist wirklich der spannendste Leuchtturm gewesen, weil der auf einer ganz einsamen Insel kurz vor Greifswald liegt am Peenestrom. Da waren wir drei Tage wirklich einsam auf der Insel, haben abends gekocht, gegrillt und gegessen. Tagsüber haben wir auf dem Leuchtturm gearbeitet und ordentlich geschwitzt. Im Sommer wird es auf so einem Leuchtturm ganz schön heiß. Da habe ich mich wirklich gefühlt wie ein Leuchtturmwärter.

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Autoren

  • Sonja Harbers Autorin
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 16. Mai 2021, 12:20 Uhr