Hier lernen Bremer, wie sie Sterbende begleiten können

Wie hilft man jemandem, der bald stirbt? Ein Besuch in einem Letzte-Hilfe-Kurs, der sich den letzten Wochen des Lebens widmet.

Die Hand einer kranken Frau wird von einer Pflegerin gehalten (Symbolbild)
In den Letzte-Hilfe-Kursen setzen sich die Teilnehmenden mit dem Sterben auseinander (Symbolbild). Bild: DPA | Jens Wolf

Rainer Possitt und Thea Strichau sind gemeinsam mit neun weiteren Teilnehmern an diesem Abend in die Bremer Volkshochschule gekommen, um dort zu lernen, wie Sterbebegleitung funktioniert. "Mit dem Alter kommt der Tod einfach ein Stück näher", sagt Thea Strichau und betont, ihr tue es gut, wenn sie das Thema nicht verdränge, sondern sich damit auseinandersetze.

In sogenannten Letzte-Hilfe-Kursen setzen sich die Teilnehmer mit dem Sterben auseinander, bereiten sich auf den Tod von Angehörigen vor und kommen über Tod, Sterben und Trauer ins Gespräch. Auch in Bremen finden regelmäßig solche Kurse statt – zum Beispiel an der Bremer Volkshochschule.

Wie will ich sterben?

Am Anfang geht es im Kurs um grundsätzliche Fragen: Was ist mir am Lebensende wichtig? Wo und wie möchte ich sterben? Und wann beginnt überhaupt der Prozess des Sterbens? Schon bei der Vorstellungsrunde wird deutlich, dass die meisten Teilnehmer ganz akut mit dem Thema Tod in Kontakt sind. Viele haben kürzlich Angehörige verloren, andere befürchten, dass es mit ihren Verwandten bald zu Ende geht.

Das kann mir auch passieren, ein Tumor, kann mir alles passieren. Solange das weit weg ist, ist es einfach.

Kursteilnehmer Rainer Possitt

Darüber zu sprechen, fällt ihnen schwer – auch Rainer Possitt geht das Thema nah: "Das fällt mir nicht so leicht, wenn wir jetzt hier im Kreis sitzen und dann kommen die Geschichten von den Teilnehmern, das berührt ja auch Ängste in mir. Das kann mir auch passieren, ein Tumor, kann mir alles passieren. Solange das weit weg ist, ist es einfach."

Praktische Tipps

Im Kurs bekommen die Teilnehmenden dann aber schnell eine Menge praktische Hinweise an die Hand. Sie lernen, welche Unterstützungssysteme sie in Deutschland in Anspruch nehmen können, welche Bedeutung Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen haben, aber auch, welche Zeichen es für einen bevorstehenden Tod gibt und was sie ganz praktisch tun können, wenn sie Sterbende begleiten. Das fängt mit Kleinigkeiten an: Mit großen nassen Wattestäbchen tupfen die Kursteilnehmer ihre Münder ab – ein häufig eingesetztes Hilfsmittel bei Patienten, die ihren Mund nicht mehr so gut selbst befeuchten können.

"Man kann gar nicht viel falsch machen"

Grundsätzlich, erklärt Kursleiter Christian Woiwode, gebe es in der Sterbebegleitung wenig Grenzen. Alles, was dem Sterbenden und seinen Angehörigen gut tue, sei erlaubt. Sich bestimmte Fragen schon mal gestellt oder Hilfsmittel ausprobiert zu haben, helfe später bei der Anwendung im Ernstfall. Dass man zunächst unsicher sei, sei völlig normal: "Natürlich weiß ich nicht, wie Sterben geht, weil ich ja noch nicht gestorben bin", erklärt der Pädagoge. Die Beschäftigung mit dem Thema nehme Ängste. Man merke, dass das Sterben oft gar nicht so dramatisch sei wie angenommen und dass man dabei auch gar nicht so viel falsch machen könne.

Natürlich weiß ich nicht, wie Sterben geht, weil ich ja noch nicht gestorben bin.

Kursleiter Christian Woiwode

Diese Erkenntnis nehmen auch Rainer Possitt und Thea Strichau an diesem Abend mit nach Hause – und ein großes Stück mehr Sicherheit. "Diese konkreten Hinweise, geben einem die Möglichkeit, vieles einschätzen zu können, wo man sonst ganz unsicher und hilflos wäre", resümiert die Bremerin.

Autorin

  • Katharina Mild

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 12. Oktober 2019, 9:15 Uhr