Staatsanwalt fordert Berufsverbot und Haft für Bremer Pflegehelfer

  • Angeklagter soll zwei Frauen gefährliche Dosen Insulin gespritzt haben
  • Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Haft – Verteidiger wollen Freispruch
  • Bremer Landgericht will am Donnerstag Urteil verkünden
Angeklagter im Landgericht Bremen dreht sich zu seinen Anwälten
Die Verteidiger fordern den Freispruch für ihren Mandanten – sie sehen das Geständnis als rechtswidrig an (Archivbild).

Im Prozess gegen einen Pflegehelfer vor dem Landgericht Bremen hat die Staatsanwaltschaft eine langjährige Haftstrafe gefordert. Der Mann soll zwei Frauen in einem Bremer Pflegeheim gefährliche Dosen Insulin gespritzt haben. Eine 75-jährige Frau schwebte dadurch mehrere Tage lang in Lebensgefahr. Seine Verteidiger plädierten auf Freispruch.

Sieben Jahre Haft und ein lebenslanges Berufsverbot für den Pflegehelfer – diese Strafe fordert der Staatsanwalt. Er sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte im vergangenen März zwei wehrlose Frauen mit Insulinspritzen in Gefahr gebracht habe. Der 40-Jährige soll das Medikament ohne medizinischen Grund verabreicht haben, um anschließend den Helfer zu spielen und dadurch Anerkennung zu bekommen.

Verteidiger zweifeln Rechtmäßigkeit des Geständnisses an

Die Verteidiger halten das Geständnis, das ihr Mandant abgelegt hat, für rechtswidrig. Die Polizei habe den Verdächtigen unter anderem viel zu lange ohne Anwalt vernommen, sagen sie. Und ohne zulässiges Geständnis gebe es keine ausreichenden Beweise, um den Mann schuldig zu sprechen.

Für den Fall, dass die Richter anderer Meinung sind und doch eine Haftstrafe verhängen, soll diese nach Ansicht der Verteidiger nicht länger als vier Jahre ausfallen. Außerdem forderten die Verteidiger im Fall einer Haft, dass ihr Mandant eine Therapie machen kann. Der Grund nach ihren Angaben: Nur mit einer Therapie könne während der Haft das Resozialisierungsziel erreicht werden.

Kammer fällt ihr Urteil am Donnerstag

Wie das Bremer Landgericht den Fall und die Beweislage bewertet, wird sich am Donnerstag zeigen – dann verkündet die Kammer ihr Urteil.

Lebensgefährliche Spritzen: Prozess gegen Bremer Pflegehelfer beginnt

Video vom 29. Oktober 2019
Ein Pflegehelfer spritzt einen Patienten.

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Autor

  • Jens Otto

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 17. Februar 2019, 17 Uhr