Besondere Waschanlagen: Wie werden Flugzeug, Zug und Co. gereinigt?

Fast alle wissen, wie eine Autowaschanlage funktioniert. Doch wie läuft das bei Straßenbahnen oder Schiffen? Diese ungewöhnlichen Waschstraßen gibt es in und um Bremen.

Video vom 17. Februar 2020
Zwei Männer stehen auf einem Flugzeugflügel und säubern diesen mt Wischmobs.
Bild: Radio Bremen

1 Dreitägiger Flugzeug-Waschgang in Nordholz

Zwei Männer in Schutzanzügen schrubben ein Flugzeug in der Flugzeug-Waschanlage
Schutzkleidung und Atemmasken sind bei der Flugzeug-Reinigung wichtig. Bild: Radio Bremen

Flugzeuge müssen einiges mitmachen. Wie die P-3C Orion. Wenn sie in dreißig Metern Höhe über dem Meer fliegt und die U-Boot-Jagd übt, bleibt an der Bundeswehrmaschine aus Nordholz eine ganze Menge Salz aus der aufgewirbelten Nordsee kleben. Auch die Luftverschmutzung, Lande- und Bremsstaub, Reifenabrieb und Hydrauliköl hinterlassen bei jedem einzelnen Flug ihre Spuren. Nach drei Monaten ist dann Waschtag. Zuerst muss das 35 Meter lange Flugzeug in die Waschhalle geschoben werden. Dann wird es in mehrere Gerüste rund um den Flieger eingedockt, damit das Reinigungsteam die Maschine rundherum erreichen kann. Zum Reinigen sind spezielle Mittel nötig, die nicht mit der Haut in Berührung kommen oder eingeatmet werden dürfen. Deshalb ist Schutzkleidung sehr wichtig: Luftdichte Schutzanzüge, Handschuhe und Atemmasken. Es müssen 120 Quadratmeter Tragfläche eingeschäumt werden – und das alles von Hand. Pinsel, Schrubber und Schwämme sind die Werkzeuge. Insgesamt dauert die Wäsche zwei ganze Tage.

2 Ähnlich wie eine Autowäsche: Bus und Straßenbahn

Eine Straßenbahn der BSAG fährt zwischen den Bürsten einer Waschanlage hindurch.
Die Straßenbahn-Waschanlage der BSAG ähnelt der klassischen Autowaschanlage. Quelle: BSAG Bild: BSAG

Auch die Straßenbahn- und Busflotte der BSAG wird regelmäßig durch die Waschstraße geschleust: Bahnen und Busse werden in vollautomatisierten Waschanlagen binnen kürzester Zeit vom Schmutz befreit. Gereinigt wird möglichst mit Regenwasser – um die Umwelt zu schonen. Der Waschprozess selbst ähnelt dem einer klassischen Autowaschanlage. Anders als beim Auto wird das Fahrzeug aber nicht durch die Anlage gezogen. Stattdessen bewegt sich die Anlage an der Straßenbahn entlang. Die Fahrzeuge kommen im Durchschnitt einmal pro Woche in die Waschanlage. Busse haben einen etwas höheren Reinigungsbedarf, weil sie stärker dem Schmutz der Straße und den Emissionen ausgesetzt sind. Straßenbahnen verschmutzen aufgrund des Kohle-Abriebs besonders schnell auf dem Dach im Bereich der Stromabnehmer. In Gröpelingen gibt es eine solche Waschanlage, diese ist aber wegen der angelaufenen Abrissarbeiten nicht mehr in Betrieb. Nach dem Neubau der dortigen Werkstätten und Betriebsgebäude wird spätestens im Jahr 2023 wieder eine Straßenbahn-Waschanlage dort installiert.

3 Mit dem Zug durch die Waschanlage

Eine Lokomotive der Deutschen Bahn wird in einer speziellen Waschanlage gereinigt.
Die Deutsche Bahn reinigt Züge auch in Großwaschanlagen, es es sie in Nürnberg, Hannover und Hamburg gibt. Bild: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben

Die Züge der Deutschen Bahn müssen regelmäßig wieder auf Hochglanz gebracht werden. Gereinigt werden die Züge im Schnitt alle ein bis zwei Wochen, je nach Witterung. So auch in der DB-Regio-Waschanlage des Bahn am Hauptbahnhof Bremen. Eine Waschanlage für Züge sieht ähnlich aus wie eine Autowaschanlage, aber sie ist viel höher und viel länger. Laser messen die Zuglänge, und durchlaufen das passende Waschprogramm. Je nach Waschanlage und Verschmutzung des Zuges kann so eine Wäsche zwischen 20 Minuten und einer Stunde dauern.

4 Eine Waschanlage für Fahrräder

Selbst für Fahrräder gibt es Vorrichtungen für eine Automatik-Wäsche. Auch in Bremen gab es mal eine automatische Fahrradwaschanlage, eine Art Miniversion einer Autowaschanlage. Für vier Euro bot ein Zweirad-Fachmarkt in Walle die Reinigung an. Dauer: zehn Minuten. Allerdings waren laut Betreiber "Ersatzteile nicht mehr verfügbar", weshalb der Service wieder eingestellt wurde.

5 Die größte Waschanlage der Welt haben Schiffe

Von Waschanlagen für große Pötte wie Containerschiffe hat Holger Bruns von bremenports in Bremerhaven noch nichts gehört. Denn die Außenhülle großer Frachter wird praktischerweise von selbst vom Meer und den Wellen gereinigt. Anders bei kleineren Schiffen und Booten. Damit sich keine Mikroorganismen am Rumpf von Schiffen ansiedeln, sorgt bei denen ein sogenanntes "Antifouling" als Beschichtung gegen den ungewollten Bewuchs. Weil viele dieser Antifouling-Beschichtungen – insbesondere auch bei kleinere Schiffen und Booten – biozidhaltig und umweltschädlich sind, hat sich ein Forschungsprojekt der Hochschule Bremerhaven mit einer umweltfreundlichen Form der Sportbootsreinigung beschäftigt. In dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekt wurde eine Waschanlage für Boote von Ingenieur Bernd Christof untersucht und weiterentwickelt. Die Anlage könnte Schiffe mit biozidfreier Beschichtung ganz ohne Einsatz von Reinigungsmitteln unter Wasser reinigen, sodass kein zusätzliches Wasser benötigt wird. Die abgereinigten Partikel gelangen dabei in einen Filter, die Anlage ist vom Umgebungswasser abgeschirmt.
Aus Kostengründen musste die Entwicklungsmaschine des Pilotprojekts allerdings verschrottet werden. In Schweden kommen mehrere Maschinen dieser Art bereits seit Jahren zum Einsatz.

Autoren

  • Volker Kölling
  • Birte Hirsch
  • Annelie Sturhann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Februar 2020, 19:30 Uhr