Gemälde nachgestellt: Bremer Kunsthalle stellt die besten Fotos aus

Die Kunsthalle hatte während des Lockdown dazu aufgerufen, dass Menschen Bilder des Museums nachstellen sollen. Nun startet eine Ausstellung mit den eingereichten Highlights.

Und jetzt Du: Diana Spanier inszenierte sich mit Stoffkatze nach einem Motiv von Paula Modersohn-Becker
Eins der eingereichten Fotos. Maite mit Katze im Arm. Das Original stammt von Paula Modersohn-Becker. Bild: Kunsthalle Bremen/Diana Spanier | Diana Spanier

Eigentlich war es die Hausaufgabe ihres ältesten Sohnes, die dazu geführt hat, dass ab Mittwoch sechs Fotografien der Architektin Diana Spanier in der Kunsthalle Bremen hängen. Ihr Sohn sollte für seinen Kunstunterricht zu Hause ein Bild nachstellen. Das fand dann Diana Spaniers Tochter Maite so spannend, dass sie es auch machen wollte.

Bei der Recherche entdeckten Mutter und Tochter den Hashtag #tussenkunstenquarantaine (deutsch: Zwischen Kunst und Quarantäne) und folgten dem Aufruf der Kunsthalle Bremen mitzumachen. Die Aufgabe war simpel: Werke aus der Sammlung der Kunsthalle nachstellen.

Kunst zum Nachmachen

Die Außenansicht der Kunsthalle Bremen
In der Kunsthalle startet die Ausstellung am Mittwoch. Bild: Radio Bremen | Marike Deitschun

Der weltweite Hashtag wurde nicht nur bei Familie Spanier zum Phänomen: "Wir haben über 100 Einsendungen bekommen", freut sich Jasmin Mickein, Pressesprecherin der Kunsthalle: Die eingereichten Werke umfassen rund 600 Jahre Kunstgeschichte und zeigen Gattungen wie Gemälde oder Skulpturen.

"Wir waren ja wie alle Museen für gut zwei Monate geschlossen", sagt Kunsthallendirektor Christoph Grunenberg: "Wir haben uns gefühlt, als würden wir nicht mehr existieren. Wir leben von unseren Besuchern."

Aus dem Digitalen in die Kunsthalle

Insgesamt werden 77 Fotografien ausgestellt. Dabei haben die Künstler aus Bremen, Hannover oder Delmenhorst mal sehr genau die Originalwerke nachgestellt und mal völlig frei improvisiert. "Ziel der Aktion war es, dass wir Freude und Ablenkung nach Hause bringen und auch die Kunst trotz der Schließung in den Alltag integrieren wollten", so Mickein.

Aus den Einsendungen ist nun eine eigene Ausstellung mit dem Titel 'Und jetzt Du! Kunstwerke in Quarantäne nachgestellt' geworden: "Es ist eine Premiere, dass wir aus so einer digitalen Aktion eine eigene Ausstellung machen", freut sich Mickein.

Mutter-Tochter-Duo: 6 von 8 Bildern ausgestellt

Inszenierung nach Camille Pissarros Gemälde "Im Gras liegendes Mädchen" von 1882
Auch dieses Motiv haben Mutter und Tochter nachgestellt. Bild: Kunsthalle Bremen/Karl-Holger Meyer

Maite und Diana Spanier haben zusammen acht Bilder nachgestellt, fotografiert und bei der Kunsthalle eingereicht – sechs davon zeigt die Kunsthalle noch bis zum 6. September im Südfoyer.

Angefangen hat das Mutter-Tochter-Gespann mit einem Stillleben. Gemeinsam sind die beiden den Online-Katalog der Kunsthalle durchgegangen und haben geschaut, was sie noch nachstellen können.

"Wir haben maximal fünf oder sechs Fotos je Motiv gemacht und uns vorher überlegt, wie das Licht sein muss, welche Dinge auf dem Originalbild zu sehen sind und wie wir den Eindruck des Bildes erzeugen können", erzählt Spanier. Für sie war die Insta-Challange #tussenkunstenquarantaine ein Weg, ihren Kindern Kunst näher zu bringen.

Ich wollte unseren Kindern in der ungewissen Zeit des Lockdowns etwas positives vermitteln, etwas bleibendes schönes schaffen und nicht nur dieses blöde Homeschooling machen.

Diana Spanier

"Es war eine lustige Möglichkeit meine Kinder an Kunst und Kultur heranzuführen, viel mehr als wenn ich hier durch die Kunsthalle gelaufen wäre und wir hätten uns die Originale angeschaut", so Spanier. Das wollen Mutter und Tochter aber noch machen.

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Video vom 13. Juni 2020
Eine Außenansicht des Theaters am Goetheplatz
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Marike Deitschun

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 8. Juli 2020, 12:38 Uhr