Darum zahlt Bremerhaven diesem jungen Künstler ein Gehalt

Bremerhaven zahlt einem jungen Künstler ein Gehalt

Audio vom 20. Juli 2021
Ein Mann lehnt an einem Holzpfosten.
Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky
Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Ein Jahr lang kann der Künstler Aurel Dahlgrün ein Atelier und eine Wohnung kostenlos nutzen. Dazu gibt es ein monatliches Gehalt. Für all das kommt die Stadt auf.

Aurel Dahlgrühn ist schon weit rumgekommen. Aufgewachsen ist der gebürtige Berliner in Schweden, in Brasilien unterrichtete er Kunst und Englisch, bevor er an der Kunstakademie in Düsseldorf Fotografie studierte. Jetzt hat es den 31-Jährigen nach Bremerhaven verschlagen. Der Bremerhavener Verein "Kunst und Nutzen" hat ihn als Stipendiaten ausgewählt.

Bilder mit blauer Farbe liegen nebeneinander auf einem Tisch.
Wasser ist das Thema von Aurel Dahlgrüns Werken. Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Mit dem Stipendium darf Dahlgrün ein Jahr lang kostenlos in Bremerhaven wohnen und ein rund 200 Quadratmeter großes Atelier nutzen. Außerdem erhält er ein monatliches Gehalt in Höhe von 900 Euro. Für die Kosten kommt die Stadt auf. Er bekommt zudem die Möglichkeit, seine Werke in einer Einzelausstellung in der Kunsthalle Bremerhaven zu präsentieren.

Nur fünf Bewerber

Das sogenannte "Bremerhaven Stipendium" gibt es bereits seit 1992. Nach Aussage des Vereins "Kunst und Nutzen", der die Stipendiaten betreut, zählt die Förderung mittlerweile zu den bedeutendsten und begehrtesten Künstler-Stipendien in Deutschland und ist Werbung für die Stadt.

Wir hatten in den letzten Jahrzehnten wirklich hochattraktive junge Künstlerinnen und Künstler hier in Bremerhaven, die danach auch oft in der Kunstszene sehr attraktive Preise gewonnen haben und allgemein respektiert worden sind.

Ein Mann steht vor einem dunklen Gemälde.
Klaus Becké, Vorsitzender des Vereins "Kunst und Nutzen"

Einen Ansturm auf das Stipendium gibt es aber nicht. Lediglich fünf Künstler haben sich in diesem Jahr beworben. Ein Beirat, bestehend aus Personen des öffentlichen Lebens, hat Dahlgrün ausgewählt. Das Kulturamt der Stadt hat diese Auswahl anschließend bestätigt.

Mit Wasser gepunktet

Überzeugt hat Dahlgrün mit Wasser – und das passt laut Jury hervorragend an die Küste. Der 31-Jährige sieht sich als Konzeptkünstler, der Fotos macht, aber auch Skulpturen erstellt und mit Farbe arbeitet. Dabei ist das Thema "Wasser" sein Leitmotiv. Ihn fasziniere an Bremerhaven besonders der weite Blick bis zum Horizont.

Zwei Bilder mit blauer Farbe hängen nebeneinander.
Ein paar seiner Werke hat Aurel Dahlgrün schon im neuen Atelier platziert. Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Mit seinen Werken will er unter anderem die verschiedenen Blickwinkel einfangen, die Menschen auf das Wasser haben. Dafür macht er beispielsweise Fotos über und unter Wasser und kombiniert sie dann. "Die Tauchgänge, die ich mache, die nutze ich oft als Inspiration. Und sobald ich auf der Wasseroberfläche bin, sehe ich die Ferne, und wenn ich abtauche, ist alles ganz nah", beschreibt er. "Dieses Spiel zwischen Nähe und Ferne ist etwas, womit wir heutzutage viel zu tun haben beziehungsweise uns auseinandersetzen."

Mit dem AWI zusammenarbeiten

Dahlgrün will auch den Bogen zur Wissenschaft schlagen und Kontakt zum Alfred-Wegener-Institut knüpfen, um sich mit Experten über Themen wie Klimawandel und Meeresbiologie auszutauschen. "Tatsächlich war das einer meiner ersten Gedanken, auch weil ich gerade den Bereich zwischen Kunst und Wissenschaft sehr spannend finde und mich selber immer mehr in die Wissenschaft hineinbegeben möchte."

In seinem neuen Atelier auf Zeit will er an neuen, großformatigen Werken arbeiten: "Ich sehe das Atelier absolut als Versuchslabor, in dem ich noch mal richtig neue Impulse in meine Arbeit stecken kann."

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Autoren

  • Sonja Harbers Autorin
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 20. Juli 2021, 17:20 Uhr