Fragen & Antworten

So bedroht Corona die Kreuzfahrtbranche in Bremerhaven

Für das Kreuzfahrtterminal wird die Lage immer schwieriger. Mit der "Albatros" hat sich ein Stammgast verabschiedet. Die Krise könnte aber Positives bewirken.

Video vom 19. Oktober 2020
Ein Schiff fährt an zahlreichen Passagieren, die im Hafen waren, vorbei.
Bild: Radio Bremen

Ursprünglich waren rund 230.000 Passagiere für dieses Jahr am Columbus Cruise Center eingeplant – doch bislang stehen für das Terminal gerade einmal 3.000 zu Buche. Der Reisebetrieb steht seit Monaten still, was Häfen und Veranstaltern gleichermaßen zu schaffen macht – denn die Kosten laufen weiter. Die "Albatros" stach regelmäßig von Bremerhaven aus in See, legte hier fast 200 Mal an, beförderte Tausende Gäste aufs Meer. Aus Kostengründen ist sie nun verkauft worden und hat jetzt ein letztes Mal vom Terminal abgelegt.

Wie lief der Abschied vom Kreuzliner "Albatros"?
Das Schiff war seit 15 Jahren regelmäßig in Bremerhaven. Zum Abschied kamen einige Besucher zum Terminal, die oft auf der "Albatros" Urlaub gemacht haben. Nun macht sich der Kreuzliner auf den Weg ins Rote Meer vor Ägypten und wird dort als Hotelschiff weiter im Einsatz sein. Allerdings unter anderem Namen. Für den Chef des Kreuzfahrtterminals, Veit Hürdler, war es ein emotionaler Abschied: "Ein trauriger Moment. Es geht ja nicht allein um die wirtschaftliche Frage, dahinter stehen Menschen." Dass Veranstalter und Reedereien sich von Schiffen trennen, liegt an dem massiven Einbruch des Geschäfts durch die Coronakrise.
Mehrere Personen schauen ein Kreuzfahrtschiff durch eine Scheibe an.
Einige Gäste nahmen am Kreuzfahrtterminal in Bremerhaven ein letztes Mal Abschied von der "Albatros". Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens
Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Kreuzfahrt in Bremerhaven?
Eigentlich sollten am Columbus Cruise Center mit gut 130 Schiffsankünften dieses Jahr gerechnet. Das wären etwa 230.000 Passagiere gewesen, die in Bremerhaven ein- oder aussteigen. Aber weil seit Monaten alles stillsteht, wurden es bisher nur 3.000 Gäste. Für das Bremerhavener Terminal bedeutet das: Alle zwölf Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Terminal-Chef Hürdler sagt: "Das war eigentlich gar keine Saison dieses Jahr. Es waren ja schlicht fast keine Gäste da." Weltweit ist zu beobachten, dass Reedereien nun vor allem ältere Schiffe verschrotten lassen, um Kosten zu sparen. Auch die "Albatros" war mit fast 50 Jahren das älteste Mitglied der Flotte des Veranstalters Phoenix Reisen. Für ein solches Schiff fallen nach Angaben des Anbieters monatlich etwa 1,5 Millionen Euro Kosten an – für die Crew, für Wartungsarbeiten und für Versicherungen.
Wie geht es nun weiter mit der Branche?
Das ist momentan schwer zu sagen, weil es vom Verlauf der Pandemie abhängt. Einige Reedereien wie Aida haben jetzt ihr Reisegeschäft wieder aufgenommen – allerdings mit deutlich reduzierter Kapazität. Doch die meisten warten ab. Der Bremerhavener Touristik-Professor Alexis Papathanassis sieht ein Hauptproblem in der schwierigen Liquidität: "Für die Reedereien wird das ein sehr, sehr harter Winter." Trotz großer Kredite werde es auch bei großen Redereien knapp. "Meiner Einschätzung nach könnte man das bis Ende November aushalten, aber dann wird es sehr schwierig."

Mittelfristig ist der Professor aber zuversichtlich, dass das Geschäft wieder anläuft – womöglich sogar positiv beeinflusst. Immer größere Schiffe, ein immer härterer Preiskampf. Das werde nun ein Stück weit gebremst. Und: Gezwungenermaßen verjüngen die Reedereien ihre Flotte. Neuere Schiffe verbrauchen weniger Treibstoff. Das schont die Umwelt und ist effizienter für die Reedereien. Laut Hürdler werde entscheidend sein, wie es nächstes Jahr weitergeht. Noch so ein Jahr werde sehr schwierig. Ein Hygienekonzept für den Neustart des Columbus Cruise Centers ist vorbereitet, aber zurzeit fehlen die Anmeldungen von Reedereien. Nach aktuellem Stand wird es vor Februar keine Abfahrten mit Passagieren von Bremerhaven aus geben. Am Dienstag kommt zwar die "Mein Schiff 2", aber die Urlauber sind nur auf der Durchreise.

Rückblick: Kreuzfahrt-Hygienekonzept sorgt für Streit in Bremerhaven

Video vom 28. Juli 2020
Kreuzfahrtschiffe im Hafen
Bild: Imago | Arnulf Hettrich

Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Carolin Henkenberens Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Oktober 2020, 19:30 Uhr