Bremer Kassenärzte fordern Zahlungsstopp für Homöopathie

Krankenkassen sollen homöopathische Mittel nicht mehr bezahlen. Das hat Frankreich entschieden. Die Kassen in Deutschland zweifeln auch an der Wirkung – und zahlen trotzdem.

Fläschchen mit Globuli.

Globuli: Für die einen sind es bloße Zuckerkugeln, die nichts weiter als einen Placebo-Effekt verursachen. Für andere sind homöopathische Medikamente wahre Wundermittel. Noch immer fördern viele deutsche Krankenkassen deren Produktion, obwohl die Wirkung nicht wissenschaftlich belegt ist. In Frankreich bahnt sich derweil ein Verbot der Erstattungen von Globuli durch die Krankenkassen an. Jörg Hermann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen, fordert nun auch in Deutschland einen Zahlungsstopp bei homöopatischen Mitteln durch Krankenversicherungen.

Hermann: "Das ist eben Zucker"

Jörg Hermann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen
Jörg Hermann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen.

Laut Jörg Hermann sind homöopathische Mittel nichts weiter als Zuckerkrümel, die keinen nachweisbaren medizinischen Effekt haben. So könne man einfach eine Vielzahl der Globuli zu sich nehmen, ohne eine Veränderung zu spüren. Was ihn dabei am meisten störe, sei die Tatsache, dass Krankenkassen noch immer hohe Summen in die Alternativmedizin steckten, ohne einen wissenschaftlichen Beweis einer Wirkung der Stoffe zu haben.

Sie wirken nicht und das ist hundertfach nachgewiesen. Trotz gegenteiliger Behauptungen. Homöopathie ist eine klassische Religion: Sie hat eine Bibel, die heißt Organon. Sie hat einen Propheten, das ist Samuel Hahnemann. Sie hat Hohepriester, die auch die Zusatzbezeichnungen vergeben können. Aber mit Medizin hat das nichts zu tun.

Jörg Hermann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen

Diese Stoffe seien Placebos, die günstig in der Produktion seien, sagt Hermann weiter. Deshalb verordne eine Vielzahl der Alternativ-Ärzte den Stoff genau aus diesem Grund: Der Arzt wisse, dass es nichts hilft und auch nicht schaden kann, da im Stoff nichts enthalten ist, das eine Wirkung haben kann.

Mehr als nur Placebo?

Anders hingegen sieht Detlef Beier die Debatte. Der Bremer Allgemeinmediziner setzt seit den 1980er Jahren auf den Erfolg homöopathische Mittel. Es sei ein schwieriges Unterfangen, wenn eine Fachrichtung sagt, dass niemand außer ihr weiß, was richtig ist und die Wirkung der Stoffe in Frage stellt, sagt Beier. Deshalb hält er auch nichts von der Forderung der Kassenärzte, die Kassenzuzahlung für Homöopathie zu streichen.

Zu mir kommen häufig auch Patienten, die austherapiert sind und bei denen die Schulmedizin nicht weiter kam. Häufig, nicht bei jedem, gibt es noch eine Besserung oder eine Unterstützung. Das sollte man den Patienten nicht vorenthalten.

Detlef Beier, Allgemeinmediziner
Detlef Beier, Allgemeinmediziner
Detlef Beier, Allgemeinmediziner.

Seit es Globuli gibt, wird sich um die heilende Wirkung der Stoffe gestritten. In ihrer Herstellung werden die Inhaltsstoffe immer wieder geschüttelt und verdünnt, bis sie kaum noch nachweisbar sind. Dennoch behalten sie ihre Wirkung, wie es die Hersteller behaupten.

Krankenkassen zweifeln – und zahlen trotzdem

Auch Krankenkassen bezweifeln die Wirkung der Stoffe. So auch der Verband der Ersatzkassen e.V Bremen. Demnach sehen die Ersatzkassen grundsätzlich auch das Problem der Wirksamkeit dieser Leistung und trotzdem investieren viele in homöopathische Mittel. Für andere ist die Homöopathie eine Leistung im Wettbewerb der Kassen, dem man sich nicht entziehen möchte, heißt es von der AOK. Die Barmer antwortet mit einer Rechnung: Ihr Haus gebe von 100 Euro gerade einmal einen einzigen Cent für homöopathische Leistungen aus.

Dennoch bleiben die Kassenärzte in Bremen bei ihrer Forderung. Allerdings schätzt der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, Jörg Hermann, seine Aussichten auf einen derartigen Erfolg eher düster ein. Er ist davon überzeugt, dass Krankenversicherungen weiterhin für Globuli zahlen werden.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Juli 2019, 19:30 Uhr