Schwer kranker Bremer Junge siegt vorerst vor Gericht

  • Gesetzliche Krankenkasse muss 300.000 Euro Behandlungskosten übernehmen
  • Neue Methode in den USA war einzige Chance für Jungen aus Bremen
  • Krankenkasse erkennt Urteil nicht an
Zwei Chirurgen stehen mit Gesichtsmasken im Operationssaal
Krankenkassen müssen in manchen Fällen auch sehr hohe Kosten für eine Behandlung im Ausland bezahlen. Bild: DPA | Jochen Tack

Die gesetzlichen Krankenkassen müssen unter Umständen auch sehr hohe Kosten für eine Behandlung im Ausland bezahlen. Das entschied das Sozialgericht Bremen zugunsten eines lebensbedrohlich kranken Jugendlichen in einem am Freitag veröffentlichten Urteil. Es ging um eine 300.000 Euro teure Behandlung in den USA. Erfolgversprechende Behandlungsmöglichkeiten in Deutschland habe es nicht mehr gegeben.

Der Jugendliche wurde mit einem schweren Herzfehler geboren und litt als Folge auch an einer seltenen Erkrankung, einer Bronchitis fibroplastica. Diese ist mit lebensbedrohlichen Erstickungsanfällen verbunden. Laut Studien stirbt die Hälfte aller Erkrankten innerhalb von fünf Jahren – oder sie benötigen innerhalb dieser Zeit eine Herztransplantation. Wie das Gericht mitteilte, stellte 2016 ein Arzt aus Philadelphia in den USA eine neue Behandlungsmethode vor. Als die Eltern des Jugendlichen davon erfuhren, beantragten sie die Kostenübernahme für eine Behandlung in den USA. Alle deutschen Kliniken und Ärzte des Jungen befürworteten dies, ebenso der Medizinische Dienst der Krankenversicherung. Alle anderen Möglichkeiten seien ausgeschöpft und die neue Methode daher die einzige Chance. Dennoch wollte die Krankenkasse die Kosten nicht übernehmen. Die Methode sei nicht anerkannt. Zudem gebe die US-Klinik keine Begründung für die hohen Kosten von rund 300.000 Euro.

In Deutschland gab es keine Chance auf Besserung

Mit seiner Klage hatte der Junge aus Bremen 2017 bereits im Eilverfahren Erfolg. Er ließ sich daraufhin bereits in den USA behandeln und hat nach eigenen Angaben seitdem keine Erstickungsanfälle mehr. Nun gab das Sozialgericht dem Jugendlichen auch im Hauptverfahren recht. Danach muss die Krankenkasse die zunächst nur vorgestreckten Kosten endgültig tragen. Zur Begründung erklärten die Bremer  Richter, das Recht der gesetzlichen Krankenversicherung kenne "keine Beschränkung des Behandlungsanspruchs wegen hoher Kosten". Auch dass die Behandlung in den USA erfolgte, stehe einer Kostenübernahme nicht entgegen. Denn eine erfolgversprechende Behandlung in Deutschland sei nach Einschätzung aller mit dem Verfahren befassten Ärzte nicht mehr möglich gewesen.

Bereits 2005 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die gesetzlichen Krankenkassen bei lebensbedrohlichen Erkrankungen auch nicht anerkannte Heilmethoden bezahlen müssen, wenn diese "eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht" auf Heilung oder Linderung versprechen. In dem Bremer Fall will die Krankenkasse das Urteil des Sozialgerichts dennoch nicht anerkennen. Sie legte bereits Rechtsmittel beim Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen ein.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 7. Dezember 2018, 23.30 Uhr