Infografik

Rückkehr zur Normalität? So geht es den Bremer Krankenhäusern

Bremer Krankenhäuser führen wieder planbare Eingriffe durch. Die Zahl der Corona-Infektionen nimmt ab. Doch Normalbetrieb herrscht noch längst nicht.

Der Rücken eines Krankenpflegers mit blauem Oberteil. Im Hintergrund Krankenpfleger in Schutzkleidung, grünen langen Kitteln, weißen Atemmasken und blauen Hauben.
In der akuten Phase der Corona-Krise mussten nicht-lebensnotwendige Operationen und ein Teil der Behandlungen in den Krankenhäusern verschoben werden. (Symbolbild) Bild: DPA | Marcel Kusch

Seit zwei Monaten dürfen die Bremer Krankenhäuser wieder planbare Operationen durchführen. Das bedeutet aber nicht, dass die Kliniken zurück im gewohnten Alltag sind. "Die Lage ist noch nicht entspannt, weil wir noch die Herausforderung haben, Corona bewältigen zu müssen – und das eigentliche Programm wieder hochzufahren", sagt Judith Gal, Leiterin der Corona-Notaufnahme am Klinikum Bremen-Mitte.

Covid-19-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden (Land Bremen)

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Auslastung im OP-Betrieb je nach Krankenhaus unterschiedlich

Noch müssen Betten und Ressourcen für ein eventuelles, erneutes Aufflammen der Krankheit freigehalten werden. Wie viele genau, variiere je nach Klinikum und täglicher Auslastung, teilt die Gesundheit Nord (Geno) mit. Was den OP-Betrieb angeht, schwanke die Auslastung der Geno-Krankenhäuser derzeit zwischen 70 und 75 Prozent, sagt Geno-Sprecherin Karen Matiszick.

Insgesamt ist die Tendenz steigend – eine sehr viel höhere Auslastung ist aber noch nicht möglich, da wir ja auch weiterhin verpflichtet sind, Kapazitäten für Covid-19-Patienten frei zu halten beziehungsweise so zu planen, dass wir kurzfristig weitere Intensivkapazitäten zur Verfügung stellen könnten.

Karen Matiszick, Geno-Sprecherin

Die Werte unterscheiden sich allerdings je nach Krankenhaus – und ändern sich offenbar rapide. So erklärt Oberärztin Gal, dass man im Klinikum Bremen-Mitte mittlerweile schon bei etwa 80 bis 85 Prozent der ursprünglichen Auslastung angekommen sei, sowohl bei Operationen als auch bei den Behandlungen.

Wann wieder Normalbetrieb herrschen wird, ist für die Geno noch nicht absehbar. "Wir werden auch nicht zu einem echten Normalbetrieb zurückkehren können, solange die Pandemie andauert. Wie lange das sein wird, kann derzeit niemand vorhersagen", so Matiszick.

Diako hofft auf Rückkehr zur Normalität im Herbst

Ähnlich sieht die Lage in den anderen Bremer Krankenhäusern aus. Im Diako Bremen werden wieder etwa 85 Prozent der Operationen durchgeführt. Das Krankenhaus der evangelischen Kirche rechnet zum 1. Oktober mit einer Aufnahme des Normalbetriebs – wenn keine zweite Corona-Welle kommt.

Im Krankenhaus St-Joseph-Stift werden ebenfalls wieder planbare Eingriffe durchgeführt – ambulante Behandlungen werden aber noch in abgespecktem Ausmaß angeboten. "Im Rahmen der Corona-Pandemie wurde auch die Arbeit unserer Geriatrischen Tagesklinik zunächst eingestellt. Von den insgesamt 32 Behandlungsplätzen bieten wir aktuell erst wieder 16 an", sagte der Sprecher, Maurice Scharmer. Eine Rückkehr zum Normalbetrieb sei noch nicht in Sicht.

Rotes-Kreuz-Krankenhaus: Kein Normalbetrieb vor Ende 2020 zu erwarten

Ähnlich sieht es im Rotes-Kreuz-Krankenhaus aus. Eine Normalisierung des Betriebs sei vor Ende 2020 nicht zu erwarten, teilte eine Sprecherin mit. Die Auslastung der Operationssäle liege momentan bei 85 bis 90 Prozent. Hier sollen wieder etwa 60 Prozent der planbaren Eingriffe durchgeführt werden.

Auch das Neurologische Rehabilitationszentrum Friedehorst musste zweieinhalb Monate lang unter 50 Prozent seiner Auslastung bleiben. "Jetzt steigern wir ganz langsam. Wir sind bei etwa 70 Prozent", teilte der Klinikdirektor, Ralf Winkhaus, vergangene Woche mit.

Und die Roland-Klinik, die auf Orthopädie und Handchirurgie spezialisiert ist, musste ihren Betrieb während des Höhepunkts der Krise größtenteils einstellen. Operationen, Sprechstunden und Physiotherapie werden derzeit aber wieder angeboten.

"Für eine mögliche zweite Welle sind wir bestens vorbereitet"

Judith Gal, Leiterin der Corona-Notaufnahme im Klinikum Bremen-Mitte, blickt zuversichtlich in die Zukunft. "Wir sind bestens vorbereitet für eine mögliche zweite Welle. Wir können sowohl nach oben als auch nach unten korrigieren", sagt die Oberärztin. Und es werde weltweit intensiv an Impfstoffen und Therapien gearbeitet. "Außerdem konnten wir extrem viel Erfahrung sammeln. Wir nehmen viel mit für die Zukunft."

Rückblick: Im Krankenhaus ohne Besuch – so geht es den Betroffenen

Video vom 26. Juni 2020
Eine ältere Dame sitzt im Rollstuhl in ihrer Küche.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 9. Juli 2020, 23:30 Uhr