Wie ein Bremer Krankenhaus versucht, Pflegekräfte zu halten

Immer mehr Fachkräfte in den Krankenhäusern schmeißen ihren Job hin. Zwei Führungskräfte wollen herausfinden, wie man sie zum Bleiben bewegt.

Audio vom 21. Mai 2021
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Die Arbeit muss sich dem Menschen anpassen und nicht umgekehrt – mit diesem Satz bringt Torsten Eggelmann das auf den Punkt, was er seit Jahren in seiner Abteilung umsetzt. Als er vor acht Jahren die Anästhesieabteilung am Klinikum Links der Weser übernommen hat, gab es schon den Fachkräftemangel. Also machte er sich auf und suchte, sprach ehemalige Kolleginnen und Kollegen an. Vor allem Frauen winkten ab: Sie müssten ihre Kinder von der Schule abholen und sie betreuen. "Und dann habe ich zu ihnen gesagt: Gut, dann müssen wir die Arbeit, die du leisten kannst, dir hier anbieten. Und sind dann mit Chefärzten in Dialog gegangen, Frau Ackermann-Redl und ich gemeinsam, ob es nicht möglich ist, bestimmte geplante Operationen in einem Zeitkorridor stattfinden zu lassen, in dem auch die Pflegekräfte können."

Das Krankenhaus als Ort, an dem jeder gerne arbeitet

Michaela Ackermann-Redl ist vor einem halben Jahr Klinikdirektorin des Krankenhauses Links der Weser geworden, mitten in der Pandemie. Als größte Aufgabe nannte sie damals Corona und den Fachkräftemangel. Daher will sie mehr Menschen dazu bewegen, Krankenpflegerin oder Krankenpfleger zu werden. Dafür will sie ihr Krankenhaus zu einem Ort machen, an dem jeder gerne arbeitet. Dankbarkeit zeigen dafür, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich jeden Tag den Herausforderungen des Berufs stellen. Sie wolle "mit anderen Dingen danke sagen, zum Beispiel Mitarbeiter in die Fortbildungen zu schicken, ihnen auch vielleicht eine Auszeit zu geben."

Fortbildungen, Beratungen – aber auch Massagestühle

Die Maßnahmen, die in vielen Abteilungen umgesetzt werden sind klein, aber haben offenbar eine Wirkung: Mitarbeiter fortbilden, ihnen neue Projekte geben, psychologische Beratung anbieten oder auch einfach nur dies: Zwei Massagestühle für die Pause zwischendurch. "Wir müssen dafür sorgen, dass Leute gerne arbeiten bei uns, und dann kriegen wir auch die Leute", sagt Torsten Eggelmann.

Wenn was Wichtiges ist oder man braucht dringend frei, wird immer alles möglich gemacht. Oder auch für die Mütter werden verschiedene Arbeitszeiten angeboten, also so, wie es für jeden ins Leben passt – das habe ich so noch nicht erlebt vorher.

Krankenpflegerin Jenny Woidtke

Die Stimmung auf seiner Station scheint seine Vorgehensweise zu bestätigen: Krankenpflegerin Janina Hammerschmidt sagt, dass sie noch nie einen solch tollen Arbeitsplatz hatte und deswegen auch nicht in ihre Heimat Berlin zurückkehren will. Ihre Kollegin Jenny Woidtke stimmt ihr zu und sagt, dass in ihrer Abteilung auf ihre Bedürfnisse eingegangen werde. "Wenn was Wichtiges ist oder man braucht dringend frei, wird immer alles möglich gemacht. Oder auch für die Mütter werden verschiedene Arbeitszeiten angeboten, also so, wie es für jeden ins Leben passt – das habe ich so noch nicht erlebt vorher."

Verschiedene Zeitmodelle für bessere Atmosphäre

14 Arbeitszeitmodelle gibt es mittlerweile am Klinikum Links der Weser und den Willen, eine gute Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Neben all den Forderungen, die Pflegekräfte derzeit haben, könnte das ein Mosaiksteinchen sein, der sich schneller umsetzen lässt als eine bessere Bezahlung oder mehr Personal. Wobei – auch davon sind Torsten Eggelmann und Michaela Ackermann-Redl überzeugt – wo eine gute Betriebsatmosphäre herrscht, da bleiben Arbeitskräfte gerne.

Wer hilft den Corona-Helfern?

Video vom 7. Mai 2020
Eine Krankenpflegerin in einem Krankenhausflur.
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Autorin

  • Kirsten Rautenberg Redakteurin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 21. Mai 2021, 9:20 Uhr