Sammeln Krähen in Bremen bald Kippen?

Krähen als kippensammelnde Müllmänner beziehungsweise -vögel? Wenn es nach einem niederländischen Start-up geht, könnte das bald Realität werden. Vielleicht auch eine Idee für Bremen? Mit Belohnungen sollen die intelligenten Vögel dazu gebracht werden, Zigarettenstummel aufzusammeln und in spezielle Behälter zu werfen.

Eine Krähe sitzt auf einem Mülleimer.
Ein niederländisches Start-Up will Krähen dressieren, Zigarettenkippen aufzusammeln. Bild: Imago | Blickwinkel

Zigarettenstummel liegen überall in der Stadt – egal, ob auf der Straße, auf dem Bürgersteig oder im Park. Wenn sie nicht mühsam aufgesammelt werden, dauert es Jahre, bis die Kippen verrotten. Die beiden niederländischen Industriedesigner Ruben van der Vleuten und Bob Spikman wollen dieses Problem mit ihrem Start-up "Crowded Cities" lösen. Krähen sollen die Zigarettenstummel aufsammeln und in nahe gelegene Boxen bringen. Dafür werden sie von dem Kasten mit einer Nuss belohnt.

Naturschützer sind offen

Krähen gelten als besonders klug. "Das sind unsere intelligentesten Vögel," sagt Sönke Hofmann vom Naturschutzbund Bremen (NABU). "Wenn man sie trainiert, kann das tatsächlich klappen." Allerdings müssten von Hand aufgezogene und trainierte Krähen eingesetzt werden, erklärt der Naturschützer. Wilde Krähen könnten sich dieses Verhalten jedoch abschauen und es imitieren.

Hofmann hat allerdings auch Bedenken: "Krähen sind nicht nur sehr klug, sondern auch gut im Bescheißen." Sie würden versuchen, das System mit anderen Gegenständen zu überlisten, um an die leckeren Nüsse zu kommen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Vögel sich die Kippen etwa aus Cafés besorgen, also bereits weggeschmissene Zigarettenstummel wieder aus dem Aschenbecher fischen.

Nikotin ist ein hochgiftiger Stoff. Man muss sich angucken, inwiefern das eine Gesundheitsgefahr für die Tiere ist.

Sönke Hofmann, NABU Bremen

Besonders bedenklich findet Hofmann jedoch die Kippen selbst. Das enthaltene Nikotin ist giftig und könnte auch für die Krähen gesundheitsgefährdend sein. "Die Tiere werden sie nicht herunterschlucken," sagt Hofmann. "Aber weil sie mit ihrem Schnabel ständig damit in Berührung kommen, müsste man schauen, wie sich das auf sie auswirkt."

Behörden haben Bedenken

Van der Vleuten und Spikmann sind sich der Probleme bewusst. Zurzeit arbeiten die beiden an einem Sensor, der die Kippen erkennt und so das Betrügen verhindern soll. Auch die gesundheitlichen Bedenken sind den Niederländern bekannt. Bevor ihr Projekt konkretere Formen annimmt, soll das geklärt werden. Bis dahin arbeiten sie an den ersten Versuchen.

Ist das Projekt mit dem Tierschutz vereinbar? Wollen wir wirklich Arbeitsplätze mit Krähen besetzen? Und führt das nicht erst recht dazu, dass jeder seine Kippe achtlos auf die Straße wirft?

Jens Tittmann, Pressesprecher des Bremer Umweltressorts

In Bremen sind die Behörden noch skeptisch. "Zurzeit sind noch viele Fragen offen", sagt Jens Tittmann, Pressesprecher des Umweltressorts. Sollte das Start-up diese beantworten können, wäre das Krähenprojekt eventuell interessant, aber das müsse man dann intensiv mit Gewerkschaften, Tierschützern und Müllexperten diskutieren.

Genug zu tun hätten die vom NABU geschätzten 3.000 Saat- und Rabenkrähen in Bremen auf jeden Fall. Eine Studie in Berlin hat ermittelt, dass auf einem Quadratkilometer Freifläche in Berlin 2,7 Millionen Zigarrettenstummel liegen. Auf die komplette Freifläche Bremens umgerechnet, sind das etwa 287 Millionen Kippen – also 96.000 pro Bremer Krähe.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 24. Oktober 2017, 11:20 Uhr