Fragen & Antworten

Krabbenfischer in Cuxhaven bangen wegen Corona um ihre Existenz

Schon im vergangenen Jahr ging es den Fischern schlecht. Der Umsatz brach um die Hälfte ein. In dieser Saison wollten sie richtig durchstarten – doch dann kam die Pandemie.

Ein Krabbenkutter fährt über das Wasser.
Aktuell dürfen die Fischer nur noch begrenzte Mengen fangen. Bild: Imago | STAR-MEDIA

Unter den Krabbenfischern geht die Angst um – die Existenzangst. Rund 200 Krabbenfischer gibt es noch in Deutschland. Wegen der Corona-Pandemie brechen ihnen jetzt die Einnahmen weg.

Warum leiden die Krabbenfischer unter der Krise?
Die Händler nehmen den Fischern weniger Krabben ab, weil sie nicht weiterverarbeitet werden können. Aus Kostengründen werden die Nordseekrabben in Marokko gepult. Die Auflagen zum Schutz vor Corona sind dort aber so hoch, dass die Schälkapazitäten auf 30 bis 40 Prozent heruntergefahren wurden, erklärt Torben Hinners, Krabbenfischer in Cuxhaven. In einer Halle, in der vorher 1.000 Mitarbeiter sitzen durften, dürfen sich aktuell nur noch rund halb so viele Arbeiter aufhalten. Auch der Bustransport zu den Hallen sei eingeschränkt.
Wie dramatisch ist die Lage?
Vereinzelt haben Fischer bereits Insolvenz angemeldet, sagt der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer, Kai-Arne Schmidt. Die Händler regulieren die Mengen, die die Fischer fangen, und das auf unterschiedlichste Weise.

Krabbenfischer Hinners beliefert die Firma Heiploeg, einen der größten Händler im Bereich Garnelen. Heiploeg gibt genaue Zeiten an, zu denen die Fischer rausfahren dürfen. Nur das, was in dieser Zeit gefangen wird, wird auch abgenommen. "Wir haben da strikte Vorgaben, das wird kontrolliert. Im Normalfall soll es ja so sein, dass wir das selbst entscheiden, aber das ist durch die Pandemie nicht mehr möglich", klagt Hinners.

Dass die Händler solche Vorgaben machen, das habe es so noch nicht gegeben. Einen Fischer, der Insolvenz angemeldet hat, kennt Hinners persönlich. Aber da werden noch mehr kommen, sagt er.

Heiploeg sagt: Ihr dürft von Montag 0 Uhr fahren bis Donnerstagmorgen um 0 Uhr. Mehr Zeit gibt er uns nicht. Das ist dann bei Wind und Wetter manchmal auch schwierig, die Zeit optimal zu nutzen.

Torben Hinners, Krabbenfischer in Cuxhaven
Bekommen die Krabbenfischer in der Corona-Krise finanzielle Unterstützung?
Für Krabbenfischer gibt es laut Niedersächsischer Landwirtschaftskammer für 30 Tage, an denen die Kutter nicht auslaufen, jeweils zwischen 400 und 600 Euro pro Tag. Die Summe ist abhängig von der Größe des Schiffes. Die Höchstsumme liegt somit bei insgesamt 18.000 Euro. Die Mehrheit bekomme laut Kammer aber nur rund 12.000 Euro.

Hinners schaut trotzdem pessimistisch in die Zukunft. Viele Zahlungen konnten die Fischer stunden, damit sei das Problem aber ja nur verschoben. Auch er habe Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.

Irgendwann häufen sich die Rechnungen.

Torben Hinners, Krabbenfischer in Cuxhaven
Kann man die Krabben nicht auch in Deutschland pulen?
Im Ausland sind die Kosten deutlich niedriger. Derzeit sind seitens der Landesregierung kurz- oder mittelfristig keine Alternativen zum Pulen im Ausland geplant, teilt das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium auf Nachfrage von buten un binnen mit.
Geht es den Krabbenfischern nicht sowieso schon schlecht?
Über mehrere Jahre haben die Fischer nur wenig Krabben gefangen, sagt Hinners. Der Handel hatte schon angefangen, Schälkapazitäten abzubauen. Doch 2018 gab es dann einen richtigen Krabben-Boom. Schälkapazitäten mussten wieder geschaffen werden. Der Boom hielt bis 2019 an.

Doch 2019 waren die Lager noch vom Vorjahr voll. Die Händler wollten weniger Krabben annehmen. Deshalb haben die Krabbenfischer im vergangenen Jahr laut Hinners rund 50 Prozent weniger Umsatz gemacht als sonst. Jetzt hatten die Fischer gehofft, dass die Lager langsam leer sind – und dann kam die Pandemie. Zwei schlechte Jahre in Folge können für viele Fischer das Aus bedeuten.

Rückblick: Krabbenfischer im Wattenmeer

Video vom 2. Juli 2018
Ein Fischer vor seinem Schiff im Hafen von Cuxhaven.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 4. August 2020, 7 Uhr