Studie erforscht: Fischerei und Naturschutz – ein Widerspruch?

Krabbenfischer stehen in der Kritik mit Schleppnetzen der Nordsee zu schaden. Doch was passiert wirklich auf dem Meeresgrund? In Bremerhaven startet dazu nun eine Studie.

Forscher stehen auf einem Kutter und blicken aufs Meer
Forscher des Thünen-Instituts aus Bremerhaven wollen drei Jahre lang die Auswirkungen von Schleppnetzen auf die Umwelt untersuchen. Bild: Thünen-Institut / Heino Fock

Naturschutz und Fischerei, das klingt widersprüchlich. Doch ist es das wirklich? Regelmäßig ziehen Krabbenkutter ihre Schleppnetze im Nationalpark Wattenmeer über den Meeresgrund der Nordsee. Die aktuellste Forschung zum Schaden, der dabei entsteht, ist 30 Jahre alt. Darum legt das Thünen-Institut mit Sitz in Bremerhaven nun mit einer groß angelegten Studie nach.

"Das Ergebnis damals ist gewesen, dass die Auswirkungen der Krabbenfischer auf das Ökosystem relativ gering war", sagt Heino Fock vom Thünen-Institut. Er und sein Team haben sich in den letzten Jahren unter anderem mit der Erforschung und Verbesserung von Fangnetzen beschäftigt.

Forscher lassen eine Kamera an einem Haken vom Boot ins Wasser
Die Wissenschaftler setzen auf moderne Technik, wie diese Unterwasserkamera. Bild: Thünen-Institut / Heino Fock

Dass der Boden ständig in Bewegung ist, ist im Watt normal. Ganze Sandbänke verschieben sich, es walten enorme Kräfte durch Wind und Gezeiten. Krabben-Schleppnetze gelten mit 500 Kilogramm in der Fischereibranche außerdem als relativ leicht. Doch dies gilt als veraltet. Wissenschaftler taten sich bisher schwer damit, die Kräfte im Verhältnis einzuschätzen. Inzwischen kann die Technik jedoch punktgenaue Ergebnisse liefern. "Das ist eine spannende Aufgabe für uns", sagt Fock.

Fischer und Forscher arbeiten zusammen

Nicht umsonst steht das Wattenmeer unter Schutz. Vögel, Fische und andere Tiere brauchen es als Lebensraum. Und trotzdem dürfen Netze eingesetzt werden. "Beim Krabbenfischen wird eine Baumkurre über den Grund gezogen", erklärt Fischer Jens Tants aus dem Cuxland. "Die Krabbe wird erschreckt und springt ins Netz." Bei dieser Fangmethode wird der Meeresboden zerstört, sagen Kritiker.

Unterstützung erhalten die Forscher von den Fischern selbst. Um neue Netze zu testen, fahren sie gemeinsam raus aufs Meer. Tants sieht den Resultaten der Studie gelassen entgegen, für ihn sind die Wissenschaftler eine Unterstützung. Schon seit Jahren kooperieren beide Seiten. "Da hab ich kein schlechtes Gefühl bei. Ich weiß ja was am Grund los ist", sagt der Fischer. "Was soll uns da überraschen? Wir wissen an der und der Stelle sind Muscheln, da sind Seesterne." Ihn interessiert, wie sie die Krabben am besten und umweltschonendsten erwischen.

Diskussion soll nüchtern geführt werden

Auf insgesamt drei Jahre ist die große Studie angelegt. Dabei nutzen die Forscher Unterwasserkameras, Sonarmessungen und Computerprogramme. So simulieren sie Tidenkräfte und erhalten ein aktuelles Bild des Meeresgrundes. Doch nicht nur Fischer und Forscher sind neugierig auf die Ergebnisse. Auch Umweltverbände und die Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind gespannt. Fragestellungen von verschiedenen Seiten fließen darum in die Arbeit mit ein und sollen laut Fock von den Forschern mit Daten gefüttert werden. "So dass die Diskussion dann mit nüchternen Fakten weiter geführt werden kann."

  • Joschka Schmitt
  • Dörthe Schmidt

Dieses Thema im Programm: Der Morgen, Bremen Zwei, 14. Juni 2019, 7:36 Uhr