Friseure, Bäcker, Konditoren: Welche Gewerke Corona besonders trifft

Bis März ging es dem Bremer Handwerk recht gut. Nun machen sich teils existenzielle Sorgen breit: Wie können unter den Corona-Schutzauflagen noch Gewinne gemacht werden?

Video vom 8. Mai 2020
Zwei junge Auszubildende Männer und ihr Chef in der Glaserei.
Bild: Radio Bremen

Momentan überwiege die Freude in den Friseursalons, den Kosmetikstudios und in der Fußpflege: Freude darüber, dass der Lockdown vorüber ist und alle wieder arbeiten können, berichtet Stefan Schiebe, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bremen. Ähnliches beobachtet er auch bei den Bäckern und den Konditoren: Auch sie seien zunächst einmal glücklich, dass sie bald wieder Gäste in ihren Cafés bewirten könnten. Zugleich aber greife unter Friseuren wie unter Konditoren die gleiche Angst um sich: "Kaum einer weiß wirklich, ob er mit seinem Betrieb in den nächsten Wochen auskömmlich wirtschaften kann", sagt Schiebe.

Er verweist auf die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Einige Bremer Bäcker und Konditoren hätten in den letzten Wochen Umsatzeinbußen von 70 bis 90 Prozent verkraften müssen. Besonders hart habe es jene mit angeschlossenem Café getroffen. Denn wie die gesamte Gastronomie, so seien eben auch die Cafés geschlossen gewesen. Friseursalons, Fußpflege-, Nagel- und Kosmetikstudios schließlich hätten sechs Wochen lang gar gar keine Einnahmen gehabt. Sie dürfen erst seit dieser Woche wieder öffnen.

"Da stand es kurz vor knapp"

Konditor bei der Arbeit (Archivbild)
Viele Konditoren leben vor allem von ihren angeschlossenen Cafés. Wenn sie keine oder weniger Gäste bewirten können, fehlt ihnen eine wichtige Einnahmequelle. Bild: DPA | Gaetan Bally

Für viele Handwerksbetriebe sei die Öffnung auf den letzten Drücker gekommen: "Da stand es kurz vor knapp", sagt Schiebe. Das Problem: Auch wenn die Schließzeiten vorüber sind, stehen die Chancen der Betriebe schlecht, ihre dramatischen Umsatzeinbußen aus den vergangenen Wochen auch nur näherungsweise wett zu machen.

Im Gegenteil: Aufgrund der strengen Abstands- und Hygieneregeln können Konditoren nun weniger Gäste bewirten als sonst. Und Handwerker, für die das körpernahe Arbeiten unabdingbar ist, müssen einen deutlich höheren Aufwand betreiben als vor der Pandemie. So sind Friseure dazu verpflichtet, ihren Kunden vor dem Schneiden die Haare zu waschen. Kosmetiker, die ein Gesicht behandeln, müssen hierfür FFP2-Masken tragen, Atemschutzmasken mit besonderen Filtern, die sonst als echter Profi-Arbeitsschutz für medizinisches Personal in Kliniken zum Einsatz kommen.

Baugewerbe bislang glimpflich davongekommen

Bauarbeiter auf einer Baustelle (Archivbild)
Lebt derzeit vor allem von Aufträgen aus der Zeit vor der Pandemie: das Baugewerbe. Bild: DPA | Sven Simon/Frank Hoermann

Doch so sehr manche Betriebe seit Ausbruch der Corona-Pandemie auch zu kämpfen hätten, sei ihm noch nichts von Insolvenzen im Bremer Handwerk zu Ohren gekommen, sagt Andreas Meyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Bremen. Allerdings, so fügt Meyer einschränkend hinzu: "Die Antragsfrist für Insolvenzen ist verlängert worden." Er könne nicht ausschließen, dass es den einen oder anderen Bremer Handwerksbetrieb doch noch erwische oder bereits erwischt habe.

Zahlen zu den Umsatzeinbrüchen der hiesigen Handwerksbetriebe liegen der Handwerkskammer bislang ebenso wenig vor wie der Kreishandwerkerschaft. Klar sei aber, dass die einzelnen Gewerke unterschiedlich hart von der Coronakrise getroffen würden. So sagt Meyer mit Hinblick auf die Bau- und Ausbau-Gewerke wie Klempner und Maurer: "Die klagen zwar auch über Einbußen, sind bislang aber insgesamt glimpflich durchgekommen."

Die Antragsfrist für Insolvenzen ist verlängert worden.

Mann mittleren Alters lächelt in Kamera
Andreas Meyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Bremen

Ob es dabei bleibt, daran machten sich zumindest Zweifel breit. Denn oft, so Meyer, bekomme das Handwerk wirtschaftliche Talfahrten erst mit Verzögerung zu spüren. Viele Unternehmen aber lebten derzeit von Aufträgen, die sie vor Ausbruch der Pandemie bekommen hätten. "Wir rechnen damit, dass private Auftraggeber jetzt erst einmal auf die Bremse treten werden", sagt Meyer. Denn auch sie treffe Corona hart. Viele Ausgaben, die nicht unbedingt notwendig wären, würden daher aller Voraussicht nach erst einmal aufgeschoben. Meyer fordert daher, dass der Bund, die Länder und die Gemeinden das Handwerk in der Krise nicht vergessen und mit Aufträgen bedenken mögen.

Auch Stefan Schiebe aus der Kreishandwerkerschaft fordert Hilfe durch die öffentliche Hand. Die Soforthilfen von Bund und Land hätten dem Handwerk sehr geholfen, sagt er. Allerdings sei nun ein zweites Programm mit Soforthilfen vonnöten, um einer Pleitewelle vorzubeugen. Schiebe denkt dabei an Zuschüsse, nicht an Kredite. Denn schon jetzt sei unklar, was geschehe, wenn beispielsweise gestundete Mieten fällig würden: "Woher sollen die Betriebe nach diesen Einbrüchen das Geld nehmen?", fragt Schiebe rhetorisch.

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Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Mai, 19.30 Uhr