Viertelbewohner kämpfen um ihr Kopfsteinpflaster

Streit mit Senat um Straßenbelag

Im Viertel ist ein Kampf ums Kopfsteinpflaster entbrannt. Die Stadt will Asphalt auf der Straße. Anlieger setzen dagegen auf das historische Stadtbild mit Pflastersteinen.

Protestschild mit Aufschrift "Vielfalt statt Asphalt"

Laut und gefährlich

Es ist laut beim Darüberfahren, es ist gefährlich für Radfahrer und ein Ärgernis für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, sagen die einen. Doch es ist auch schön anzusehen, Touristen fotografieren es gerne, und es gehört einfach zum Viertel wie die Altbremer Häuser, sagen die anderen. Kopfsteinpflaster ja oder nein – darum ist eine hitzige Debatte entbrannt. Im Viertel kämpfen Anwohner seit Monaten darum, dass vor ihrer Haustür Pflastersteine erhalten bleiben.

In mancher Straße werden derzeit oder sollen demnächst die Wasserleitungen erneuert werden. Da dann die Straße aufgerissen werden muss, will das Bauressort die Gelegenheit nutzen und die Pflastersteine durch eine Asphaltdecke ersetzen – zum Unmut vieler Anwohner.

Das Viertel hat Ecken und Kanten. Pflastersteine haben auch Ecken und Kanten – Asphalt leider nicht.

Phil Porter, Anwohner im Viertel

"Ich bin vor zehn Jahren ganz bewusst in die Heidelberger Straße gezogen", sagt Sven Hegeler. Das Pflaster sei krumm und schief, weshalb die Autos langsamer führen. Und Phil Porter aus einer Nachbarstraße ergänzt: "Es geht um ein ästhetisches Gesamtbild und um das Flair, was das Viertel auch auszeichnet."

Senat ist für Asphalt

Das Bremer Bauressort will aber Asphalt – nicht nur, weil er eine günstigere Alternative zu sein scheint.

Baustelle im Viertel mit asphaltierter Straße
Der Senat will im Viertel viele Straßen asphaltieren lassen.

Im Zentrum der Argumentation des Senats steht das Thema Barrierefreiheit. Eine glatte Straßendecke mache es Rollstuhlfahrern und älteren Menschen leichter, sich zu bewegen. "Die Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt", sagt der Sprecher des Bausenators, Jens Tittmann. "Auf Plastersteinen rutscht man leichter aus, vor allem bei Nässe oder wenn Laub auf der Straße liegt." Auch Radfahrer täten sich schwerer mit dem unebenen Untergrund.

Ein Kampf Grün gegen Grün

Es geht aber um mehr als um Straßenbelag. Der Kreisverband der Grünen sei auf der Seite der Viertelbewohner, sagt Robin Quaas, der in der Ritterstraße wohnt. "Das hat er ganz ausdrücklich auch in einer Presseerklärung hervorgehoben."

Bewohner des Viertels in einer Straße mit Pflastersteinbelag
Viele Bewohner des Viertels wollen die Pflastersteine erhalten.

Genau das dürfte Bausenator Joachim Lohse – ebenfalls von den Grünen – schmerzen. Teile seiner Partei tragen seine Umgestaltungspläne nicht mit. Für den 23. Mai haben Grüne zu einer nicht-öffentlichen Versammlung ins Weserhaus geladen, um das Thema zu diskutieren. Hinter verschlossenen Türen dürfte es hoch hergehen.

Es sei nicht Sache der Anwohner, über den Belag für eine neusanierte Straße zu entscheiden, sagt Jens Tittmann. Dazu beziehe schließlich das Amt für Straßen und Verkehr verschiedene Institutionen ein: die Polizei, die Feuerwehr, den Beirat und den Landesbehindertenbeauftragten.

Das ist repäsentative Demokratie.

Jens Tittmann, Sprecher des Bremer Bausenators
  • Christian Dohle

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. Mai 2017, 19:30 Uhr